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Demokratieschrank unter freiem Himmel

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Wer Interesse hat, kann sich künftig das Grundgesetz aus dem öffentlichen Regal nehmen, um darin etwas nachzuschlagen. Die Bücherschränke in Rodenbach - wie jener am Bahnhof - erhalten Zuwachs. Foto: Kleine-Rüschkamp
Wer Interesse hat, kann sich künftig das Grundgesetz aus dem öffentlichen Regal nehmen, um darin etwas nachzuschlagen. Die Bücherschränke in Rodenbach - wie jener am Bahnhof - erhalten Zuwachs. Foto: Kleine-Rüschkamp

Rodenbach. Demokratie kommt in und aus dem Schrank: In Rodenbach soll ein Demokratieschrank aufgestellt werden. Funktionieren soll dies wie bei einem der vielen öffentlichen Bücherschränke, die es natürlich auch in Rodenbach gibt. Was ist denn in einem solchen Demokratieschrank drin? Unsere Zeitung hat Rodenbachs Bürgermeister Klaus Schejna (SPD) gefragt.

Von Torsten Kleine-Rüschkamp„Da kommen natürlich das Grundgesetz, die Verfassung und viele politische Schriften und Bücher rein“, sagt er. „Wir haben bei der Bundeszentrale für politische Bildung angefragt. Die Zentrale hat uns schon eine prall gefüllte Kiste geschickt“, so der Bürgermeister.

Wo der Demokratieschrank unter freiem Himmel in Rodenbach aufgestellt werden soll, steht noch nicht fest. Das Vorhaben ist in Zusammenhang mit dem Projekt „Demokratie leben“ zu sehen, an dem sich Rodenbach in Kooperation mit Erlensee beteiligt.Verfassung als Nachschlagewerk zum AusleihenWenn alsbald der Demokratieschrank steht, kann man sich am Inhalt bedienen, beispielsweise die Verfassung getrost mit nach Hause tragen und darin nachschlagen, was denn alles nötig ist, um ein Leben in Freiheit und Sicherheit überaus erst möglich zu machen.

Wenn heute beispielsweise die Meinungsfreiheit selbstverständlich ist, riskieren jene, die in totalitären Systemen leben, im schlimmsten Fall ihr Leben, wenn sie von der offiziellen Linie abweichen. In Deutschland ist diese unsägliche Vergangenheit gar nicht so lange her.Missionsarbeit für die Demokratie als einzig wahre StaatsformDer Demokratieschrank, der hoffentlich immer gut gefüllt ist mit Lektüre, ist nur ein Produkt des Projekts „Demokratie leben“. Derzeit werden in beiden Kommunen Pläne geschmiedet und Vorhaben geplant, um dem Ziel Substanz zu geben, Defizite zu beheben und Missionsarbeit für die Demokratie als einzig wahre Staatsform leisten zu können.

In Rodenbach ist auch schon eine weitere Planung konkreter. Die für Rodenbach extra eingestellten Projekt-Fachkraft Achim Kreis wird derzeit ein Büro im Bürgerhaus Niederrodenbach eingerichtet. Für das bis 2020 dauernde Projekt erhalten beide Gemeinden aus Bundesmitteln 320 000 Euro. Dazu ist eine befristete Vollzeitstelle geschaffen worden, die sich je eine Fachkraft für Erlensee und Rodenbach teilen. Für Erlensee ist dies Anita Losch.Büro direkt am Jugendtreff Cassio„Wir docken das Büro direkt an den Jugendtreff Cassio an“, verrät Rodenbachs Bürgermeister. Wer zum Jugendtreff möchte, muss nur den ersten Raum links im Bürgerhaus ansteuern, dann steht er mitten im Projektbüro „Demokratie leben“.

Noch sieht es kahl aus – die Möbel fehlen auch noch. Doch wenn das Büro erst einmal eingerichtet ist, wird Achim Kreis mitten im Geschehen sein, vor allem unter Jugendlichen und jungen Leuten, die eine der Zielgruppen des Projekts sind.Flüchtlinge im Jugendtreff stets willkommenWeil der Jugendtreff Cassio, Hanauer Landstraße 3, nicht nur den jungen Leuten offensteht, sondern auch alles dafür getan wird, möglichst viele der rund 250 Flüchtlinge anzusprechen, finden hier regelmäßige Treffen statt.

„Zu unserem 'Kunterbunten Treff für alle von null bis 99 Jahren' sind die Flüchtlinge stets eingeladen“, sagt Rodenbachs Jugendpfleger André Keheggi. Der „Kunterbunte Treff“ findet stets montags von 16 bis 17 Uhr statt.Demokratie auf Mitmachen angewiesenWie Demokratie funktioniert, haben jetzt Rodenbacher Jugendliche und Schejna demonstriert. Bei einem Jugendplenum im Bürgerhaus trugen sie ihre Wünsche vor, erklärten sich aber auch gleich bereit, aktiv mitzuhelfen.

„Einfach zurücklehnen, nur fordern und die anderen machen zu lassen, das funktioniert nicht“ – aus Schejnas Sicht heißt Teilhabe an einer Gesellschaft auch aktives Engagement der Bürger. Demokratie könne nur durch das Mitmachen leben – Demokratie leben – eben.

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