Informationen aus erster Hand und Fragen an die Bahn: Bürger-info in der Rodenbachhalle. Foto: Breyer

Rodenbach

Bahn informiert über Lärmschutzplanungen im Bereich Rodenbach

Rodenbach. Für die Gemeinde Rodenbach ist es ein Jahrhundertprojekt: Der Ausbau der Bahnstrecke Hanau-Gelnhausen tritt in eine konkrete Planungsphase. Für den Bahnhofsbereich bedeutet das letztlich: Hier bleibt kein Stein auf dem anderen.

Von Reinhard Breyer

Bis zum symbolischen ersten Spatenstich dauert es noch eine ganze Weile, auch wenn der 23 Kilometer lange Planungsabschnitt zwischen Hanau und Gelnhausen im Vergleich zur geplanten Trassenführung im Kinzigtal relativ unkompliziert ist. Nach bisherigen Schätzungen könnte der erste Spatenstich für Hanau-Gelnhausen in drei bis vier Jahren stattfinden.

Die Strecke Hanau-Fulda gilt als neuralgisch und überlastet. Auf der Strecke fahren pro Tag im Schnitt 240 bis 300 Nahverkehrs-, Fern- und Güterzüge. Pendler klagen über häufige Verspätungen.

Gemeinde ist ein gewachsener OrtDie Gemeinde setzt große Hoffnungen in das Projekt was Anbindung, Zuverlässigkeit der Bahn, aber auch die Aspekte Lärmschutz, Barrierefreiheit und Neugestaltung der Parkplätze und des gesamten Bahnhofsumfeldes beiderseits der Gleise betrifft. Der Bahnhof liegt mitten im gewachsenen Ort – mit allen Vor- und Nachteilen für Nutzer und Anlieger. In etlichen Wohnungen gehört schepperndes Geschirr in den Schränken bei vorbeifahrenden Zügen zum Alltag. Auch vollgeparkte Straßen sind vielen Anliegern ein Dorn im Auge.

Dass es bei dem angestammten Standort bleibt, ist längst entschieden. Vor einigen Jahren wurde eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, die untersuchte, ob der Haltepunkt östlich in Richtung Kinzigstraße verlegt werden könnte, doch dies schied unter anderem wegen des erforderlichen Trassenverlaufs aus.Projektleiter Bruno Jung gab am Dienstagabend in der öffentlichen Sitzung des Bauund Umweltausschusses einen Einblick in den Planungsstand. Kernpunkt ist die Frage, ob im Zuge des Ausbaus zum vierten Gleis eine Über- oder Unterführung für Fußgänger zu den Gleisen konstruiert wird.

Die Gemeinde hofft auf eine Unterführung und führt dabei einen höheren Komfort und Barrierefreiheit für die Bahngäste an. Ob Unter- oder Überführung: Auf jeden Fall ist nach dem Abriss der jetzigen Überführung der Bau neuer Rampen mit einer Schenkellänge bis über 70 Meter erforderlich.

Kosten spielen eine große RolleDie Alternative wären Rolltreppen oder Aufzüge, doch dies lehne die Bahn AG aus Kostengründen (latente Vandalismus-Gefahr, Anfälligkeit, hohe Wartungskosten) ab, wie Jung auf die entsprechende Frage einer Bürgerin sagte.

Bei den voraussichtlichen Baukosten liegen die beiden Modelle deutlich auseinander: Die Überführung als bevorzugte Variante der Bahn schlägt rund 2,75 Millionen zu Buche, eine Unterführung wie sie die Gemeinde gerne realisiert hätte, kostet rund 4,3 Millionen Euro.

Gegebenenfalls müsste die Bahn noch Grundstücksflächen für den Bau von Rampen erwerben, bevor das weitere Procedere (Entwurfs- und Genehmigungsplanung und Planfeststellungsverfahren) anläuft. Während des Abbruchs der Überführung und der Bauphase ein provisorischer Übergang für die Bahnkunden geschaffen.

Unterführung ist die einzig richtige EntscheidungNatürlich geht es nicht nur um Statik und Technik, sondern auch um die Kostenaufteilung. Bürgermeister Klaus Schejna setzt dabei auf einen Konsens. Die Gemeinde sei bekannt für ihr sparsames Wirtschaften und „wir werden versuchen, den Eigenanteil möglichst gering zu halten, falls es überhaupt einen gibt.“ In den Verhandlungen geht es insbesondere darum, öffentliche Finanzierungstöpfe anzuzapfen. Mit im Durchschnitt 950 Zu- und Ausstiegen fällt Rodenbach unter die 1000er-Schwelle der Bahn AG. Dies sei allerdings eine willkürlich gezogene Grenze, so Christian Behrendt, Sprecher des Fahrgastverbandes Pro Bahn/Bus. Auf der Strecke müsse endlich der Halbstundentakt umgesetzt werden. Eine Unterführung sei die einzig richtige Entscheidung im Sinne der Nutzer.

Nach Auffassung des Rathauschefs seien der Zuzug und das geplante Neubaugebiet an der Adolf-Reichwein-Straße Garanten für steigende Fahrgastzahlen. Große Hoffnungen setzen Anlieger in einen besseren Lärmschutz. Die Bahn Netz AG will demnächst ein Lärmschutzgutachten in Auftrag geben, das auch eine wirtschaftliche Abwägung der Investitionen beinhaltet.

Derzeit sind Lärmschutzelemente aus Aluminium mit einer Höhe von 4,50 bis sechs Meter geplant. Sie könnten mit Lichtbändern für eine besser soziale Kontrolle versehen werden. Projektleiter Bruno Jung: „Wir werden einen guten Lärmschutz hinbekommen.“ Denn die innen verlaufenden Fernbahngleise würden ebenfalls mit Lärmschutzelementen abgeschirmt.

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