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Autor Heiko Bielinski berichtet im Rodenbacher Medientreff über seine Mobilitätserfahrung

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Die Diskutanten im Rodenbacher Medientreff: Maik Bergmann von Greenpeace Gelnhausen, Medientreff-Leiterin Inge Kliemt, Autor und Blogger Heiko Bielinski sowie Anja Zeller vom Verkehrsclub Deutschland (VCD).
Die Diskutanten im Rodenbacher Medientreff: Maik Bergmann von Greenpeace Gelnhausen, Medientreff-Leiterin Inge Kliemt, Autor und Blogger Heiko Bielinski sowie Anja Zeller vom Verkehrsclub Deutschland (VCD). © Ulrike Pongratz

Die erste Veranstaltung nach langer Pause zeigte: Der Medientreff Rodenbach hat nichts an Attraktivität verloren. Sehr zur Freude von Leiterin Inge Kliemt, die zahlreiche Gäste zum Thema nachhaltige Mobilität begrüßen konnte. Über Themen wie Mobilität, Nachhaltigkeit, Klimawandel und viele mehr vielfältig zu informieren, gehört zu den wichtigen Anliegen des Medientreffs.

Rodenbach –Am vergangenen Freitagabend war aus München Autor, Online-Producer, Redakteur und Blogger Heiko Bielinski angereist, um sein aktuelles Buch „#einfach autofrei leben“ zur Diskussion zu stellen. Ergänzend informierte Maik Bergmann von Greenpeace Gelnhausen über Elektromobilität. Jose Manuel de Sousa Cunha und Lucia Walter vom Schützenhof Oberrodenbach e.V. stellten das Projekt Lasten-E-Bike vor. „Mikar“, das Carsharing-Projekt in Rodenbach, wurde kurz erwähnt, und Anja Zeller vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) informierte über die aktuelle Unterschriftenkampagne des Vereins zur Verkehrswende.

Den Anfang aber machte Heiko Bielinski, der sehr unterhaltsam und kurzweilig erzählte, wie es dazu gekommen war, dass er und seine Familie seit 2013 kein eigenes Auto mehr besitzen. Bielinski will mit seinen Ideen Anregungen geben, ob und wie ein Leben ohne Auto auch in Rodenbach möglich sein könnte. Er selbst sei in einem kleinen Dorf aufgewachsen und habe sehr schöne Erinnerungen an seine Autos. Besonders das erste eigene Auto bedeute auf dem Land Freiheit und Unabhängigkeit.

Bielinski sieht mit Auto hohe Kosten verbunden

Doch nun lebt Heiko Bielinski mit seiner Familie in München – und das Auto nervt zusehends. „Emotionale Kosten“ hat er die tägliche Parkplatzsuche rund um den Block, abgefahrene Seitenspiegel oder zerschrammte Türen genannt. Dazu kommen finanzielle Kosten, die Autobesitzer selten alle im Blick hätten.

„Ich war überrascht, dass ein Auto so viel kostet“, sagte er, nachdem er die Liste der Fixkosten zusammengetragen hatte. Schließlich gibt es gesellschaftliche Kosten wie Treibhausemissionen, zu denen der Autoverkehr maßgeblich beiträgt, und einen unglaublichen Platzverbrauch an Straßen und Parkflächen. Ein Auto wird im Durchschnitt eine Stunde bewegt und steht demzufolge 23 Stunden.

Drei Säulen der Mobilität

Heiko Bielinski sagt es nicht nur, sondern lebt es auch: „In unseren Städten geht es auch ohne eigenes Auto.“ Die Betonung liegt auf „eigenes“, denn Mobilität steht für Bielinski auf drei Säulen: auf dem öffentlichen Nahverkehr, der Bahn und Carsharing. Je nach Modell rechne sich das Ausleihen eines Autos in etwa bis zu 12 000 gefahrenen Kilometern im Jahr. Schließlich entlarvt der Autor die Mythen, die seither zur Erzählung des Autos gehören: Freiheit, Spontanität, Schnelligkeit und Komfort. Tatsächlich, so räumt er ein, sei es auf dem Land immer noch sehr schwierig, ohne Auto mobil zu sein. Auch Familie Bielinski besucht mit dem Leihwagen die Eltern oder fährt damit in den Urlaub. Andererseits lebten 75 Prozent der Bevölkerung in kleinen und mittelgroßen Städten, die alle Voraussetzungen für eine vielfältige Mobilität hätten.

Verzicht auf eigenes Auto auch in Dörfern möglich

Auch für Dörfer ließen sich Ideen entwickeln wie Fahrgemeinschaften, Sammeltaxis, privater ÖPNV. Das Fazit in seiner Familie falle sehr positiv aus: „Wir haben weniger Stress, mehr Geld und sind umweltfreundlich unterwegs. Unser vielfältiger Blick auf Mobilität hat uns sensibler werden lassen für Verkehrspolitik.“ Die Verkehrswende werde kommen, ist sich Bielinski sicher und fand erstaunlicherweise kaum Widerspruch, sondern Zuspruch in Rodenbach.

Sehr positiv wurde aufgenommen, dass es nicht um „entweder oder“, sondern um ein „sowohl als auch“ ging. Man kann als Fußgänger, Radfahrer oder Autofahrer mit Bus und Bahn unterwegs sein. Die Rodenbacher Projekte – „Mikar“ und E-Bike – sind ein erster Schritt und weisen in diese Richtung. Jeder könne individuell seinen Beitrag leisten, damit es auf den Straßen wieder freundlicher werde, war ein Fazit des Abends. Dennoch müssten viele Dinge außerdem politisch gelöst werden.

Zur Stärkung spendierte die Fairtrade-Gemeinde Rodenbach Snacks und Getränke und rundete die Veranstaltung damit nachhaltig ab. (Von Ulrike Pongratz)

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