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Rodenbacher erkrankt nach einer Transplantation an Covid-19

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Von: Christoph Agel

Bernhard Stolz (Mitte) kommt regelmäßig zwecks diverser Untersuchungen an die Bad Nauheimer Kerckhoff-Klinik. Privatdozent Mohamed Zeriouh (links), Leiter des Herztransplantations- und Kunstherzimplantationsprogramms, und Professor Yeong-Hoon Choi, Leiter der Herzchirurgie, verhalfen ihm zu einem fast normalen Leben.
Bernhard Stolz (Mitte) kommt regelmäßig zwecks diverser Untersuchungen an die Bad Nauheimer Kerckhoff-Klinik. Privatdozent Mohamed Zeriouh (links), Leiter des Herztransplantations- und Kunstherzimplantationsprogramms, und Professor Yeong-Hoon Choi, Leiter der Herzchirurgie, verhalfen ihm zu einem fast normalen Leben. © Nici Merz

Nach einer Herztransplantation steckte sich Bernhard Stolz mit Corona an. Dass er die Viruserkrankung glimpflich überstanden hat, führt er auf seine Impfungen zurück.

Rodenbach/Bad Nauheim – Im Dezember 2017 lag der damals 53-jährige Rodenbacher in einem Zimmer in der Bad Nauheimer Kerckhoff-Klinik und wartete auf ein neues Herz. Besucher mussten eine Schleuse passieren, um zu ihm zu gelangen. Es galt, ihn vor bakteriellen und viralen Infektionen zu schützen. Von Corona war da noch lange keine Rede. Stolz bekam Medikamente in den Körper gepumpt, damit das „alte“ Organ nicht mit dem Schlagen aufhörte.

Begonnen hat alles im Jahr 2008, als der leidenschaftliche Angelsportler gerade am See war und plötzlich nicht mal mehr die Sachen ins Auto tragen konnte. Die Diagnose: Herzmuskelentzündung.

Neues Herz und regelmäßige Kontrollen

Nachdem der Einsatz von Medikamenten und eines Defibrillators nicht mehr ausgereicht hatte und klar geworden war, dass Stolz ein neues Herz brauchte, stand er 92 Tage lang auf der High-Urgency-Liste, also auf der Liste für hohe Dringlichkeit. In der Nacht auf den 17. Januar 2018 kam die Nachricht: Das Herz eines Verstorbenen kann Stolz eingepflanzt werden. Sofort. Stolz hat die Operation gut überstanden. Seine Lebensgefährtin machte ihm einen Antrag. Mittlerweile haben die beiden geheiratet.

Der Rodenbacher hat sein altes Leben fast wieder zurück. „Ich bin zufrieden“, sagt er. „Ich kann am normalen Leben teilhaben und kann meinen Hobbys nachgehen.“ Neben dem Angeln ist dies das Motorradfahren.

Alle drei Monate wird der 57-Jährige in der Kerckhoff-Klinik untersucht. Blut abnehmen, Ruhe-EKG, Ultraschall und die Besprechung stehen dann auf der Agenda.

Immunsupressiva und Coronainfektion

Im Dezember war er wieder in der Kerckhoff-Klinik. Das hatte aber nur indirekt mit seiner Herztransplantation zu tun: Stolz hatte sich mit dem Coronavirus infiziert. Für Menschen wie ihn ist das besonders gefährlich, wird doch durch die Einnahme von Immunsuppressiva seine körpereigene Abwehr grundsätzlich runtergefahren. Ein Virus hat da ein noch leichteres Spiel. Die Medikamente muss Stolz einnehmen, damit sein Körper das Herz nicht abstößt.

Immunsuppressiva, so erklärt Professor Yeong-Hoon Choi, Leiter der Herzchirurgie der Bad Nauheimer Kerckhoff-Klinik, reduzieren die Immunabwehr des Körpers. „Dieser Effekt führt aber auch dazu, dass die Immunantwort des Körpers gegenüber Krankheitserregern deutlich reduziert ist. Somit besteht für die Patienten unter Immunsuppression ein grundsätzlich erhöhtes Risiko für Infektionserkrankungen.“ Auch triviale Infektionen, die für Menschen mit intaktem Immunsystem vollkommen unproblematisch seien, könnten für Patienten, die unter Immunsuppression stehen, lebensgefährlich verlaufen, führt der Spezialist weiter aus. Daher würden auch besondere Empfehlungen bezüglich Impfungen für diese Patienten gelten.

Alle zwölf Stunden nimmt der 57-Jährige die Immunsuppressiva ein, damit der Spiegel immer gleich bleibt. Hinzu kommen Blutdrucksenker und Medikamente gegen Blutgerinnung. Mehr als 15 Tabletten sind es insgesamt am Tag.

Ansteckung trotz Booster-Impfung

„Ich bin froh, dass ich geimpft war, sonst wäre das wahrscheinlich bei mir anders ausgegangen“, blickt der Rodenbacher auf seine Covid-19-Erkrankung zurück. Im Mai vergangenen Jahres sei er erstmals geimpft worden, berichtet er, im Juni zum zweiten Mal, zudem sei in Bad Nauheim ein Antikörpertest bei ihm vorgenommen worden. Daraufhin habe man mit dem Vakzin von Johnson & Johnson nachgelegt.

Behandlung mit Antikörpertherapie

Gut gewappnet, könnte man sagen, doch Corona erwischte Bernhard Stolz dann doch: Kurz vor Weihnachten fing er sich das Virus ein. Er rief in der Klinik an. Dort wurde ihm gesagt, er solle zu Hause in Quarantäne bleiben, sich zudem aber für einige Tage in der Bad Nauheimer Klinik einer Antikörpertherapie unterziehen. „Im Rahmen einer Antikörpertherapie werden Patienten mit spezifischen Antikörpern behandelt, die den Krankheitserreger direkt neutralisieren und damit den Ausbruch der Erkrankung ganz verhindern können beziehungsweise die Krankheit in deutlich abgeschwächter Form verlaufen lassen können“, gibt Professor Yeong-Hoon Choi Auskunft. Eine solche Antikörpertherapie werde auch bei anderen Viruserkrankungen bei immunsupprimierten Patienten durchgeführt.

Glimpflicher Ausgang dank Impfung

An Heiligabend wurde Bernhard Stolz dann freigetestet. „Es ist noch glimpflich ausgegangen, ich habe keine Folgeschäden“, sagt der 57-Jährige. Die mit Covid-19 einhergegangenen Kopf- und Gliederschmerzen seien fast unerträglich gewesen. „Das brauche ich nicht noch mal“, sagt Stolz. „Es ist eine verdammte Krankheit, das ist ekelhaft.“ Und: „Ich kann nicht verstehen, dass sich Leute vehement gegen die Impfung wehren.“

Von den harten Tagen im Dezember abgesehen, verläuft sein Leben weitgehend so normal, wie es in Pandemie-Zeiten eben laufen kann. „So ganz einsperren tue ich mich auch nicht“, sagt er. Einkaufen, essen gehen, sich mit Freunden treffen, das sei schon drin. „Genießen möchte ich das Leben so gut es geht, allerdings gehe ich kein Risiko ein.“

Einmal nach der Transplantation habe er Herzrasen gehabt, sagt Stolz. Das sei aber normal gewesen, das Organ habe sich erst an den Körper gewöhnen müssen. Und die Seele? „Man wird sensibler“, sagt Stolz. Er sei jetzt näher am Wasser gebaut. „Man freut sich, dass man das noch erleben kann.“ (Von Christoph Agel)

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