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Typisierungsaktion zugunsten des kleinen Anis in Niederdorfelden

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Hoffen darauf, dass ein Spender gefunden wird: die Familie Gannoukh in der vorderen Reihe mit der Mitarbeiterin der Deutschen Stammzellenspende-Organisation, Dr. Petra Becker, sowie weitere Helfer.
Hoffen darauf, dass ein Spender gefunden wird: die Familie Gannoukh in der vorderen Reihe mit der Mitarbeiterin der Deutschen Stammzellenspende-Organisation, Dr. Petra Becker, sowie weitere Helfer. © Jürgen W. Niehoff

Ob der Typisierungsaufruf für den vierjährigen Anis aus Niederdorfelden am Sonntag erfolgreich war, das werden erst die Laboruntersuchungen der abgegebenen Speichelproben zeigen.

Niederdorfelden – Obwohl Anis Gannoukh erst vor wenigen Tagen vier Jahre alt geworden ist, hat er schon mehrere Dutzend Operationen über sich ergehen lassen müssen (wir berichteten). Geboren mit einer verkürzten Speiseröhre, die zahlreiche Eingriffe erforderlich machte, haben die Ärzte vor Kurzem auch noch eine lebensbedrohliche Bluterkrankung festgestellt, zu deren Heilung der kleine Anis dringend auf einen Knochenmark- oder Stammzellenspende angewiesen ist.

Diese Erkrankung ist kein Neuland in der Familie Gannoukh, wie der Vater Mohamed berichtet, denn bei seinem heute 17 Jahre alten Sohn Ayoub hatten die Ärzte dieselbe Blutkrankheit im Alter von sieben Jahren festgestellt. Ihm konnte damals aber eines seiner Geschwister helfen, das über dieselben Gewebemerkmale, die sogenannten HLA-Typen verfügte, wie der damals erkrankte Ayoub. Die Spende verlief damals erfolgreich. „Mir geht es heute prächtig. Es gibt keinerlei Einschränkungen. Ich mache Sport und lebe ganz normal“, berichtet Ayoub im Niederdorfelder Dorfgemeinschaftshaus.

In dessen großen Saal waren mehrere Tische aufgestellt, an denen Spender sich registrieren konnten. Zudem durften sie anschließend den Speichelabstrich selber durchführen. Nach zwei Stunden hatten sich bereits 70 Interessierte für eine Typisierung gemeldet.

Aufgerufen zu dieser Aktion hatte die Deutsche Stammzellspenderdatei (DSSD), eine Organisation, die dem DRK Blutspendedienst Baden-Württemberg–Hessen untersteht. „Wir hoffen, dass wir mit dem Aufruf zur notwendigen Typisierung hier vor Ort zumindest 100 Bürger finden. Schöner wären 200“, erklärt die Mitarbeiterin der Organisation Dr. Petra Becker. Das sei sicherlich keine große Zahl, aber sie fließe ein in eine große Kartei, in der bundes- und weltweit mögliche Stammzellspender registriert würden. Denn nur rund 30 Prozent der an Leukämie erkrankten Patienten finden den passenden Spender in der eigenen Familie. Und trotz der inzwischen rund 27 Millionen registrierten Stammzellenspender weltweit kann für jeden zerhnten Patienten noch immer kein geeigneter Stammzellenspender gefunden werden. Deshalb stand für diejenigen, die an diesem Tag an der Typisierung teilnahmen, das uneigennützige Retten von Menschenleben auch im Vordergrund.

Dabei ist die klassische Methode der Stammzelltransplantation, nämlich die Übertragung von rotem Knochenmark, das in der Regel aus dem Beckenkamm entnommen wird, recht einfach. Trotzdem sei jeder medizinische Eingriff, also auch bei der Stammzelltransplantation, für den Spender mit möglichen Risiken und Nebenwirkungen verbunden, die durch den Eingriff und die verabreichten Medikamente hervorgerufen werden können. Allerdings werde die Stammzelltransplantation von Medizinern als ein relativ risikoarmer Eingriff betrachtet. Nebenwirkungen für den Knochenmarkspender seien in der Regel nur leichte Schmerzen und Bewegungseinschränkungen ähnlich einem Muskelkater sowie Blutergüsse im Bereich der Einstichstellen. Letztere würden aber nach einigen Tagen wieder verschwinden.

Ärzte geben Anis noch ein halbes Jahr

Warum melden sich dann aber so wenige Menschen bei Typisierungsaktionen, wenn es für den Spender so ungefährlich und es doch um das Retten von Menschenleben geht? „Wir schätzen, dass es einfach an Information mangelt. Häufig wird im Zusammenhang mit einer Stammzelltransplantation der Begriff Knochenmark mit Rückenmark verwechselt. Dies ist jedoch falsch; bei einer Knochenmarkentnahme wird kein Eingriff an der Wirbelsäule vorgenommen“, stellt Becker klar. Einschränkungen der Empfindungsfähigkeit oder gar eine Querschnittslähmung seien daher nicht zu befürchten.

Nach Auskunft der Ärzte hat der kleine Anis noch maximal ein halbes Jahr Zeit, einen geeigneten Spender zu finden, anderenfalls sei sein Leben nicht mehr zu retten. Deshalb ruft der verzweifelte Vater zu weiteren Typisierungen auf. Interessenten können sich an die Deutsche Stammspendendatei wenden oder weitere Informationen über die Emailadresse info@stammzell-spenderdatei.de oder über 069/ 6782206 anfordern. (Von Jürgen W. Niehoff)

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