Josef Mistetzky betont das Thema sichere Verwahrung von Schusswaffen, indem er eine Spielzeugknarre mit in die Sitzung bringt. 
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Josef Mistetzky betont das Thema sichere Verwahrung von Schusswaffen, indem er eine Spielzeugknarre mit in die Sitzung bringt.

Er wollte nur „wachrütteln“

Schock im Parlament: Politiker zückt am Rednerpult plötzlich eine Waffe

  • Mirjam Fritzsche
    vonMirjam Fritzsche
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In einer Diskussion um Schusswaffen zückt ein Politiker plötzlich eine Waffe am Rednerpult. Die anwesenden Politiker halten den Atem an. Dann liefert der Mann eine Erklärung.

  • In Niederdorfelden (Main-Kinzig-Kreis) wird um die Verwahrung von Schusswaffen und Munition diskutiert.
  • Ein Politiker tritt ans Rednerpult und zieht plötzlich eine Waffe.
  • Dann liefert der Mann eine Erklärung für seine Aktion.

Niederdorfelden - Die Gemeindevertreter im Bürgerhaus und vermutlich auch die Zuschauer des Stadtparlamentsfernsehens haben kurz den Atem angehalten, als Josef Mistetzky (Grüne) am Rednerpult eine Waffe zückt. Er wollte in der Diskussion um die sichere Verwahrung von Schusswaffen und Munition seine Position deutlich machen, sagt er anschließend im Gespräch mit dem HA. „Es war natürlich eine Spielzeugwaffe, die ich für ein paar Euro im Internet bestellt habe“, so Mistetzky.

Politiker zückt Waffe nur zu Demonstrationszwecken

Er habe das Imitat nach der letzten Ausschusssitzung zu Demonstrationszwecken angeschafft. Sportschützen und Reservisten ständen seinem Antrag, in dem er eine zentrale Lagerung von Schusswaffen und Munition in Vereinshäusern fordert, kritisch gegenüber. „Sie haben mir gegenüber auf ihr Recht auf Selbstverteidigung gepocht. Ich wollte nur verdeutlichen, was passieren könnte, wenn jemand einfach eine Waffe hervorholt“, sagt Josef Mistetzky.

Über den Antrag wurde bei der Sitzung des Gemeindeparlaments am Donnerstagabend lange diskutiert. Mistetzky hatte eine Resolution eingebracht, die den Bundestagsabgeordneten im Wahlkreis ans Herz gelegt werden soll. Sowohl Bürgermeister Klaus Büttner (SPD) als auch SPD-Fraktionschef Carsten Frey monierten, dass Sportschützen und Reservisten darin unter Generalverdacht gestellt würden. „Es ist ein Sport und die Mitglieder setzen sich sehr für unser Allgemeinwohl ein. Nicht jeder, der ein Gewehr hat, will potenziell jemanden töten“, so der Bürgermeister.

Politiker übt Kritik an Vorgehen des Main-Kinzig-Kreises

Im Ausschuss war empfohlen worden, dem Maßnahmenpaket des Kreistags rund um die Themen „Waffenrecht und Amokprävention“ zu folgen. Besonders die Einrichtung eines Runden Tischs unter Beteiligung der Sportschützen wurde unterstützt. Geprüft werden soll, ob sich auch Niederdorfelden beteiligen kann. Klaus Büttner erklärte, für die Verwaltung daran teilnehmen zu wolle. Die Gemeindevertreter folgten mehrheitlich der Empfehlung des Ausschusses.

Mistetzky ist mit dem Ergebnis nur teilweise zufrieden: „Der Beschluss des Kreistages zu der Gefährdung durch Schusswaffen darf wirklich nur als erstes Schrittchen in die richtige Richtung angesehen werden. Die Kampagne: ‘Rückgabe Kleiner Waffenschein’ verhindert keine tödlichen Schüsse aus Sportwaffen, da diese davon unberührt sind.“

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