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Von der Probezeit zur Pfarrerin befördert

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Pfarrerin Elisabeth Krause-Vilmar am Altar der evangelischen Kirche in Gronau. Dort wird sie am Sonntag als Pfarrerin auf Lebenszeit eingeführt. Foto: Gabriele Reinartz
Pfarrerin Elisabeth Krause-Vilmar am Altar der evangelischen Kirche in Gronau. Dort wird sie am Sonntag als Pfarrerin auf Lebenszeit eingeführt. Foto: Gabriele Reinartz

Niederdorfelden/Gronau. Ihr begegnet das volle Leben jeden Tag. Kein Tag ist wie der andere, sie sind gefüllt mit Geburtstagen, Konfirmandenarbeit, Beerdigungen und Gottesdiensten. Und das in Fülle und Intensität.

Von Gabriele Reinartz

Ein Geschenk, wie sie sagt, das es zu begleiten gilt. Elisabeth Krause-Vilmar ist Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinden in Gronau und Niederdorfelden. Am Sonntag wird sie offiziell als Pfarrerin eingeführt.

„Die Menschen in Gronau und Niederdorfelden begegnen mir seit meinem ersten Tag mit großem Vertrauen und Offenheit. Das fing schon mit einem herzlichen Willkommen im Gottesdienst an und setzt sich heute noch in einer unglaublichen Hilfsbereitschaft der Kirche gegenüber fort. Egal, was es ist, sie wollen für ihre Unterstützung nie eine Gegenleistung haben“, sagt Elisabeth Krause-Vilmar und kommt, wenn sie über ihre beiden Gemeinden redet, leicht ins Schwärmen.

Pfarrerin auf Probe

Ihre Dankbarkeit darüber, so wohlwollend aufgenommen worden zu sein, ist im Gespräch spürbar. „Man hört und liest immer wieder, dass die christlichen Kirchen in Deutschland an Mitgliedern verlieren. Ich kann nur sagen, dass vor Ort die Menschen eine starke Identifikation mit der Kirche haben“, betont sie, und dies erkläre auch die Unterstützung, die sie habe. Die Kirche habe vor Ort den Menschen viel zu bieten, weil sie hier auf andere träfen, mit denen sie sonst vielleicht nie in Kontakt gekommen wären.

„Hier treffen sich Jung und Alt, neue mit alteingesessene Bürger“, führt sie als Beispiel an. Krause-Vilmar ist die „alte“ neue Pfarrerin der Evangelischen Gemeinden in Gronau und Niederdorfelden. Am kommenden Sonntag wird sie nach zwei Jahren „Pfarrerin auf Probe“ offiziell im Rahmen eines Festgottesdienstes in der evangelischen Kirche in Gronau von Dekan Martin Lückhoff als Pfarrerin eingeführt.

Neue Erfahrungen

Die Entscheidung, diesen Beruf zu ergreifen, traf sie bereits mit 18 Jahren. Sie sei schon immer sozial und gesellschaftspolitisch engagiert gewesen und wollte diese Interessen mit ihrem tiefen Glauben an Gott verbinden. „Nach dem Abitur bin ich aber erst einmal nach Kanada gegangen und habe dort mit Menschen mit geistigen Behinderungen zusammengelebt."

"Das war für mich eine ganz neue Erfahrung. Von ihnen haben ich Humor und Lebensfreude gelernt. Jesus sagte einmal, dass man Gott bei den Menschen am Rande der Gesellschaft entdecken kann. Das habe ich erfahren“, berichtet sie.

Bilder von den Orten und Landschaften im Kopf

Danach begann die heute 36-Jährige, die ursprünglich aus Kassel stammt, ihr Studium der Theologie (in Marburg und Hamburg) mit anschließender Promotion, der eine zweijährige Ausbildung zur Pfarrerin, das sogenannte Vikariat, folgte. „Diese Entscheidung habe ich bis heute nicht bereut“, bekräftigt Krause-Vilmar. Vor allem die Ökumene liege ihr sehr am Herzen. „Ob Protestant, Katholik oder orthodox – wir sollten uns als Christen wahrnehmen.“

Während ihres Theologiestudiums lebte und studierte sie acht Monate lang im Rahmen eines Studiumprogramms in Jerusalem, zusammen mit Katholiken – ebenfalls eine Zeit, die sie nicht missen möchte. „Seitdem lese ich die Bibel ganz anders. Denn ich habe dann Bilder im Kopf von den Orten und Landschaften.“ Jerusalem sei eine aufregende Zeit gewesen, schließlich sei sie mit allen Religionen und Konfessionen dort in Kontakt gekommen, Christen, Juden, Muslimen.

Dankbar für die Unterstützung

„In Deutschland sind Pfarrerinnen mittlerweile nichts Außegewöhnliches mehr. Aber in Jerusalem entwickelte ich eine Dankbarkeit dafür, dass es meine Kirche unterstützt, dass ich als Frau Pfarrerin werden kann. Das Privileg ist mir erst dort so richtig bewusst geworden“, erzählt sie.

Und was für ein Mensch ist sie privat? „Ich bin ein lebensfroher Mensch, liebe den Humor. Man sagt mir nach, dass ich gut zuhören kann“, verrät sie. Zu ihren Hobbys gehört die Musik, in der sie grundsätzlich etwas Religiöses sieht, das Lesen von Romanen, Fahrrad fahren oder im Sommer ein Eis essen. Und als Mitglied im Zentralausschuss des Ökumenischen Rats der Kirche ist sie schon viel in der Welt herumgekommen.

Die andere Leidenschaft

Auch Fußball ist eine ihrer Leidenschaften. „Ich bin Eintracht-Fan. Einmal im Jahr verschlägt es mich ins Stadion. Mein Vater ist mit meinen zwei älteren Brüdern und mir früher auch dorthin gegangen“, verrät sie noch am Ende. „Im Moment erleben die Frankfurter ja eine tolle Zeit. Ich hoffe, dass es noch lange so bleibt.“

Gottesdienst

Der Festgottesdienst findet am Sonntag, 12. Mai, ab 14 Uhr in der evangelischen Kirche in Gronau statt. Anschließend besteht die Möglichkeit, bei Kaffee und Kuchen ins Gespräch zu kommen.

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