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Niederdorfelden lockt mit Waldkita Erzieherinnen an

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Baustelle Kindertagesstätte: Die Einrichtungen in Offenbach leider besonders unter dem Erziehermangel. Dazu kommen hohe Krankenstände gegen Corona. Im Herbst könnte die Lage noch ernster werden.
Baustelle Kindertagesstätte: Nicht nur Niederdorfelden hat mit Erziehermangel zu kämpfen. © Symbolfoto DPA

Wo andere Kommunen auf der Suche nach geeignetem Personal für ihre Kitas fast schon verzweifeln, scheint man im Niederdorfelder Rathaus zumindest einen kleinen Ausweg gefunden zu haben. Grundsätzlich bleibt das Problem des Erzieherinnenmangels jedoch bestehen.

Niederdorfelden – Wie die Verwaltung mittels des aktuellen Bedarfs- und Entwicklungsplans Kinderbetreuung für den Zeitraum 2022 bis 2028 am Mittwoch im Haupt- und Finanzausschuss darlegte, verfügt die Gemeinde trotz der wachsenden Zahl an Kindern unter sechs Jahren mit 225 Betreuungsplätzen zwar über ausreichende Kapazitäten. Allerdings fehlen auch in Niederdorfelden Betreuerinnen.

Die Folge ist, dass ab März 2023 keine neuen Kinder mehr aufgenommen werden können. Die aktuelle Anzahl betreuter Kinder liegt bei rund 140 trotz der ausgewiesenen 225 Plätze insgesamt. „Wir versuchen unser Bestes, um neues Kita-Personal zu gewinnen. Ich gehe sogar schon in die Schulen und werbe um Lehrstellenanwärter für den Betreuerberuf“, berichtet Bürgermeister Klaus Büttner (SPD) von seinen Bemühungen neben Anzeigen und eigenen Ständen auf Bewerbermessen.

Bei all diesen Bemühungen kam ihm vor Kurzem die Idee mit der Gründung eines Waldkindergartens in der Gemeinde. Ein derartiges Projekt gibt es zwar bereits in der Kita „Pusteblume“, jedoch nur als Projekt und nicht als eigenständige Einrichtung. Aus der Idee wurde ein Plan und dieser kam so gut an – und zwar sowohl bei den Eltern als auch bei Kita-Betreuerinnen –, dass sehr schnell drei Betreuerinnen für diese spezielle Art einer Kita gefunden wurden.

Der Rest war für Büttner reine Routine. Mit dem kleinen Waldstück an der K 872 in Richtung Kleine Loh von Niederdorfelden kommend war schnell ein passender Standort gefunden. Nachdem die Anfragen für das Vorhaben Waldkita auch beim Landkreis, beim Forstamt, beim Veterinäramt, beim Jugendamt, beim Gesundheitsamt und bei der Straßenverkehrsbehörde Hessen Mobil positiv beschieden waren und auch bereits drei Betreuerinnen ab März kommenden Jahres zur Verfügung stehen, wurde ein Flyer entworfen, der das Interesse bei den Eltern wecken sollte.

Geplant ist die Eröffnung einer Waldkindergartengruppe zum 1.März 2023 für maximal 20 Kinder im Alter von drei Jahren bis zum Schuleintritt. Weil kein fließend Wasser zur Verfügung steht, findet die Betreuung nur von 7 bis maximal 14.30 Uhr statt. Als Rückzugsort soll ein extra für diesen Bedarf entwickelter Schutzwagen (Bauwagen) mit der notwendigen Einrichtung wie Küchenzeile, Heizung, Toilette und Einbauschränken sowie Sitzgelegenheiten zur Verfügung stehen.

In dem Flyer wird aber zugleich darauf hingewiesen, dass sich die Kinder, passend gekleidet, das ganze Jahr über im Freien aufhalten sollen. Die Kosten für einen derartigen Waldkita-Platz orientieren sich an den aktuellen Kita-Gebühren in der Gemeinde. Die Kosten für den „Bauwagen“ liegen mit Nebenkosten wie der Aufbereitung des Standortes bei rund 200 000 Euro. Die anschließende Diskussion im Ausschuss war relativ kurz, denn es herrschte allgemeine Zustimmung. Deshalb fiel der Beschluss einstimmig aus.

Wesentlich mehr Beratungsbedarf löste dann aber der neue Bedarfs- und Entwicklungsplan für die Kinderbetreuung im Zeitraum 2022 bis 2028 aus. Wie kann die Lücke zwischen den 140 zuzüglich der 20 Waldkita-Plätze und den tatsächlich zur Verfügung stehenden 225 Betreuungsplätzen geschlossen werden? „Die Lücke ist ausschließlich der Personalsituation geschuldet. Deshalb können in unseren übrigen drei Kitas auch keine Kinder mehr aufgenommen werden“, betonte Büttner noch einmal.

Weil bei der Entscheidung für oder gegen einen neuen Job nicht immer nur die Frage des Geldes ausschlaggebend sei, sondern es auch viel auf das Umfeld der neuen Tätigkeit ankomme, müsse man nach Ansicht von Carsten Frey (SPD) nach neuen Wegen suchen. Beispielsweise mit preiswerten Wohnungen der Gemeinde.

Vorschläge soll die Gemeindeverwaltung erarbeiten. Danach wurde auch dem Bedarfs- und Entwicklungsplan für die Kinderbetreuung in den nächsten sechs Jahren einstimmig zugestimmt.

Keinen Diskussionsbedarf im Ausschuss gab es schließlich zur dritten Änderung der Entwässerungssatzung. Sie wurde um die Förderung von Regenwasserzisternen erweitert. (Von Jürgen W. Niehoff)

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