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Niddertalbahn soll Thema im Landtagswahlkampf werden

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Das "Stockheimer Lieschen", hier am "kleinen Bahnhof" in Windecken, verlehrt eingleisig zwischen Bad Vilbel und Glauburg. Durch ihre Dieseltriebwagen beziehungsweise Loks ist sie sehr störanfällig. Foto: J. Weber
Das "Stockheimer Lieschen", hier am "kleinen Bahnhof" in Windecken, verlehrt eingleisig zwischen Bad Vilbel und Glauburg. Durch ihre Dieseltriebwagen beziehungsweise Loks ist sie sehr störanfällig. Foto: J. Weber

Niederdorfelden/Schöneck/ Nidderau. Zugausfälle, überfüllte Waggons, zu wenige Fahrten in den Stoßzeiten: Seit Jahren kämpfen die Anrainerkommunen der Niddertalbahn für einen Ausbau der Pendlerverbindung zwischen Glauburg und Bad Vilbel.

Von Jan-Otto Weber

Die Bürgermeister von Niederdorfelden und Schöneck, Klaus Büttner und Conny Rück (beide SPD), wollen das Thema im bevorstehenden Landtagswahlkampf forcieren, um Bewegung in die zähen Gespräche mit Bahn und Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) zu bringen.

„Seit einem Jahr warten wir nun schon auf die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie des RMV zum Ausbau der Niddertalbahn“, schimpft Niederdorfeldens Rathauschef Klaus Büttner bei einem Treffen mit unserer Zeitung im Schönecker Rathaus. „Die Bürger verstehen das nicht, dass sich in Sachen Ausbau nichts tut. Viele steigen wieder aufs Auto um und stehen dann Richtung Bad Vilbel im Stau.“

Rück will Zeichen an die Bürger senden

Die angesprochene Machbarkeitsstudie soll untersuchen, ob künftig Elektrotriebzüge, S-Bahnen oder eine U-Bahn zwischen Frankfurt und dem Niddertal fahren könnten. Geprüft wird auch, ob es möglich ist, auf der eingleisigen Strecke Intervalle zu Abständen von 15 Minuten zu verkürzen. Thematisiert werden dabei Überholbahnhöfe und -strecken. Die Ergebnisse sollten 2017 vorliegen. „Wir sehen unsere Initiative unterstützend zur guten Zusammenarbeit innerhalb der Arbeitsgemeinschaft Nahverkehr“, betont Schönecks Bürgermeisterin Conny Rück. „Wir wollen ein Zeichen an die Bürger senden, dass wir selbst unzufrieden sind und etwas tun wollen.“

Tatsächlich ist der Ärger bei den Fahrgästen der Niddertalbahn groß. Anfang Juni hat sich die Facebook-Gruppe „Stockheimer Lieschen“ gegründet, in der sich die Mitglieder über Probleme und Verspätungen informieren. Sie soll aber auch dazu dienen, Fahrgemeinschaften zu bilden und sich gegenseitig zu helfen, „wenn man mal wieder irgendwo gestrandet ist“, wie es heißt.

„Das Lieschen ist doch eine Erfolgsgeschichte“

Die letzte Modernisierung der eingleisigen Strecke liegt bereits zwölf Jahre zurück. Die Niddertalbahn, die in den 80er Jahren schon einmal kurz vor dem Aus stand, erhielt neue Signal- und Steuerungstechnik. Doch das reicht nicht aus, um die Bahn zukunftsfähig zu machen. Dabei wird sie angesichts der morgendlichen Staus auf den Straßen Richtung Frankfurt und der Neubaugebiete in Niederdorfelden, Schöneck und Nidderau dringend benötigt.

„Das Lieschen ist doch eine Erfolgsgeschichte“, erinnert Büttner. „Vor 30 Jahren wollten sie die Bahn noch schließen, jetzt ist sie rappelvoll.“ Es sei grotesk, so Büttner, dass die Anrainerkommunen aufgrund einer Regelung von damals noch heute für den Betrieb der Strecke Zahlungen an die Bahn leisten müssten. „Das ist eine lukrative Verbindung, die das Land vorhalten müsste“, so Büttner. „Unser Ziel ist, noch 3000 Leute mehr von der Straße auf die Schiene zu kriegen. Doch dazu müssen wir die Kapazitäten erhöhen.“

Ausschreibung bis 2024

In der Landespolitik würden aber alle nur von Großprojekten wie der Nordmainischen S-Bahn oder dem Riederwaldtunnel sprechen. Büttner und Rück hoffen deshalb, mit den Anrainerkommunen in der AGNV und über den Regionalverband das Thema im Landtagswahlkampf vorantreiben zu können.

„Die Ausschreibung läuft noch bis 2024“, erklärt der Niederdorfeldener Rathauschef. „Bis zur Neuausschreibung müssen wir wissen, was wir wollen. Aber dazu brauchen wir endlich die Ergebnisse der RMV-Studie.“ Und Büttner sieht noch einen Grund zur Eile: „2020 ist in Bad Vilbel der Hessentag. Aber die Infrastruktur ist nicht dafür ausgerichtet. Da droht uns ein Verkehrschaos.“

„Das ist zäh bis zum geht nicht mehr“

Neben dem Ausbau der Niddertalbahn kann sich Büttner langfristig auch eine extra Busspur entlang der L3008 vorstellen. Kurzfristig sollen mehr Waggons, eine höhere Taktung und mehr Fahrten in den Stoßzeiten für höhere Kapazitäten sorgen. „Doch angeblich haben Hersteller wie Bombardier derzeit Probleme, der Nachfrage an Zügen nachzukommen“, wie Büttner von RMV-Geschäftsführer Dr. André Kavai erfahren hat. „Bei Bahn oder RMV etwas zu erreichen, ist schon schwierig“, so Büttner. „Da müssen Sie erstmal jemanden finden, der zuständig ist.“

Diese Erfahrung hat auch Nidderaus Verkehrsdezernent Rainer Vogel (Grüne) schon zu genüge gemacht. Als Sprecher der AGNV ärgert auch er sich über die Verzögerung der Machbarkeitsstudie des RMV. „Das ist zäh bis zum geht nicht mehr“, so Vogel, der die neuerliche Initiative aus Schöneck und Niederdorfelden begrüßt. „Allerdings drängt sich mir die Befürchtung auf, dass sich beim Betrieb der Strecke durch die Bahn bis zur Neuausschreibung nichts ändern wird.“

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