Das „Stockheimer Lieschen“ ist eine wichtige Verbindung für Niederdorfelder Bürger nach Frankfurt. Die Gemeindevertreter kämpfen dafür, dass die Strecke endlich ausgebaut wird. Archivfoto: Dagmar Gärtner

Niederdorfelden

Niddertalbahn: Qualitäts- und Kapazitätssteigerung gefordert

Niederdorfelden. Kürzlich berichteten wir über die Beschwerden von Pendlern über den Schienenersatzverkehr auf der Niddertalbahnstrecke, dem „Stockheimer Lieschen“, wo Baustellen für chaotische Verhältnisse im Berufsverkehr sorgten. Am Donnerstagabend hatte die Angelegenheit auch ein parlamentarisches Nachspiel.

Von Rainer HabermannDie Niederdorfelder Gemeindevertretung beschloss in ihrer 21. Sitzung einstimmig einen Antrag der SPD-Fraktion, in dem der Gemeindevorstand aufgefordert wird, sich gemeinsam mit ebenfalls betroffenen Nachbarkommunen „mit großem Nachdruck“ für eine Kapazitätserhöhung der Niddertalbahn (NTB) einzusetzen. Es gibt Qualitätsmängel nicht nur hinsichtlich der Strecke, sondern auch beispielsweise bei Türen, Klimaanlagen oder Sanitäreinrichtungen der Züge anzuprangern.

Ziel des vom SPD-Fraktionsvorsitzenden Carsten Frey in einer Art „Wutrede“ vorgestellten Antrags ist die Arbeitsgemeinschaft Nahverkehr (AGNV), der neben den Anliegerkommunen wie Niederdorfelden, Schöneck, Nidderau oder Bad Vilbel auch die Kreisverkehrsgesellschaft der Main-Kinzig-Kreises (KVG) angehört. Hier müsse „Druck auf den Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) aufgebaut werden“, sagte Frey. Denn Zustände, wie sie jüngst herrschten und wie sie auch in zahlreichen Facebook-Posts von Bürgern zum Ausdruck kämen, schrien zum Himmel.

Büttner stimmt der Kritik zu

Sie dürften sich weder fortsetzen noch wiederholen. „Was sich dort in den letzten Tagen abspielt, ist einfach unbeschreiblich“, meinte Frey wörtlich unter großem Beifall aus dem Parlament. Nach langem Hin und Her hatte die DB Regio AG, zuständig für das Streckenmanagement, einen Notfahrplan für den Busnotverkehr auf der Niddertalbahn in der Verbindung RB34 von Frankfurt über Nidderau nach Glauburg-Stockheim veröffentlicht, der auch noch bis heute Gültigkeit hat. Als Grund für den Busnotverkehr zwischen Bad Vilbel und Niederdorfelden gibt die Bahn „die Beseitigung von Schlammstellen“ an.

Auch Bürgermeister Klaus Büttner (SPD) stimmte in den Tenor der Bahnkritiker ein und erklärte, das Thema Niddertalbahn müsse „zur Not direkt bei Herrn Al Wazir (Hessischer Minister für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen; Anm. d. Red.) aufgehängt werden“. Die nächste Sitzung des AGNV fände ohnehin in Niederdorfelden statt, er wolle hier den Druck auf das Bahnmanagement erhöhen.

Zuverlässiger Schienenersatzverkehr soll eingerichtet werden

Denn der SPD-Antrag enthält noch weitere Punkte, die unter anderem beim RMV die schnelle Fertigstellung einer Machbarkeitsstudie einfordern zu einer Erhöhung der Taktraten im Berufsverkehr. Und als Langfristziel die Elektrifizierung oder den Einsatz von Brennstoffzellentechnik bei den Triebwagen.

Angesichts der aktuellen Missstände forderte Frey eine Ergänzung des Antrags um einen weiteren Punkt. Im Falle von Baustellen müsse ein zuverlässiger Schienenersatzverkehr eingerichtet und Informationen hierzu rechtzeitig sowie umfassend von den Verantwortlichen in der DB AG und dem RMV publiziert werden.

Alle Fraktionen stimmten zu

Die Kritik im Internet speziell auf Facebook ging über die im Parlament diskutierten und im Antrag genannten Punkte noch weit hinaus. Hier war von einer „unterirdischen Performance auf der RB34“ die Rede, von „rollendem Schrott auf der Strecke“ und von Ersatzbussen, die nicht einmal auf das Eintreffen der Passagiere warten würden.

Dem SPD-Antrag – wie auch dem zusätzlichen Passus – stimmten alle Fraktionen zu. Die Wut und das Unverständnis vor allem über die Informationspolitik der DB AG brachten auch Gemeindevertreter anderer Parteien zum Ausdruck. Weitere Berichte zur Parlamentssitzung folgen.

Straßenausbaubeiträge abgeschafftDie Gemeindevertreterversammlung hat am Donnerstagabend im Bürgerhaus einstimmig die Abschaffung der Satzung über das Erheben von Straßenausbaubeiträgen beschlossen. Dies bedeutet: Künftig werden unmittelbare Straßenanlieger nicht mehr für die Kosten beim Aus- oder Umbau innerörtlicher Straßen direkt herangezogen. Die Hessische Landesregierung hatte es den Kommunen im vergangenen Jahr mit einer Novellierung der Hessischen Gemeindeordnung (HGO) freigestellt, solche Beiträge nicht mehr zu erheben. Stattdessen müssen jetzt die Kosten etwa bei Sanierung von Straßenbelägen oder Bürgersteigen von der Allgemeinheit getragen werden. Der entsprechende Aufhebungsantrag an den Gemeindevorstand stammte von der SPD-Fraktion und entspricht im Tenor dem, was die meisten Kommunen im Main-Kinzig-Kreis aktuell oder früher im Jahr beschlossen hatten. rh

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