Flugmanöver in Kopfhöhe: Klaus Sauerteig von der Modellfluggruppe Niederdorfelden lässt die "Schaumwaffel", wie das kleine Modell genannt wird, an HA-Volontär Michael Bellack und Fotograf Axel Häsler vorbeifliegen. Das geht so nur mit einiger Erfahrung. Fotos: Axel Häsler

Niederdorfelden

Der Modellfluggruppe Niederdorfelden über die Schulter geschaut

Niederdorfelden. Die Modellfluggruppe Niederdorfelden zu finden, ist gar nicht so einfach. Der Flugplatz liegt versteckt zwischen weitläufigen Feldern, nur erreichbar über kleine Feldwege. Aus der Luft wäre er wohl einfacher zu sehen. Die einzige gemähte Wiese im großen Umkreis.

Von Michael Bellack

Dort treffe ich den zweiten Vorsitzenden Klaus Sauerteig, der mich zum Schnupperfliegen eingeladen hat. Mein Flugzeug für den Jungfernflug steht schon bereit, als ich ankomme. Die „Schaumwaffel“. Ein Hochdecker aus speziellem Schaum – kein Styropor, das würde zu leicht kaputt gehen – mit einer Tragweite von etwa eineinhalb Metern. „Sie ist keine Schönheit mehr und hat schon einiges hinter sich“, sagt mir Klaus Sauerteig mit Blick auf das Modellflugzeug. Also wie gemacht für meinen ersten Versuch. Einem Fahranfänger kauft man ja auch nicht sofort einen Porsche.

Ich gebe zu, als ich den Termin mit den Modellfliegern ausgemacht habe, ging ich zunächst davon aus, das Flugzeug nach ein paar Übungen ganz alleine steuern zu dürfen. Weit gefehlt. Mehr als die Kurven darf ich nicht fliegen, erklärt mir Sauerteig früh. Ich nehme es schon mal vorweg – das ist auch gut so.

Denn so ein Flug mit dem vermeintlichen Kinderspielzeug kann schnell große Dimensionen annehmen. Bis zu 2,5 Kilometer weit weg können die Flugzeuge fliegen und dabei problemlos eine Höhe von 500, 600 Metern erreichen. Selbst meine vergleichsweise behäbige „Schaumwaffel“ düst dabei mit rund 80 Sachen durch die Luft.

Kurze Einweisung in die Steuerung

Die Einweisung in die Steuerung fällt bei mir denkbar kurz aus. Schließlich muss ich von den diversen Knöpfen und Hebeln auf meiner Fernbedienung nur einen benutzen: den für die Richtungswechsel. Also darf ich den Steuerhebel nach links und nach rechts schieben. Das war's. Sollte ich hinkriegen. Falls nicht, ist das auch nicht schlimm. Meine und die Hauptfernbedienung von Sauerteig sind per Funk verbunden. Sollte ich also kurz vor der Bruchlandung stehen, kann der Modellflug-Profi jederzeit noch eingreifen. Höhe und Geschwindigkeit steuert er sowieso.

Vorerst darf ich aber nur zuschauen und staunen, wie schnell so ein Modellflugzeug in der Luft ist. Auf der Startbahn, einer gemähten Wiese im Feld, braucht die „Schaumwaffel“ nur einige Meter, um abzuheben. Und schon saust sie mit einem Affenzahn durch die Luft. Da das Modell mit einem Elektro-Akku betrieben wird, ist es kaum zu hören. „Flugzeuge mit einer Verbrenner-Turbinen sind natürlich lauter“, erklärt Sauerteig. Deshalb gibt es auch gesetzlich geregelte Zeiten, zu denen geflogen werden darf.

Dann endlich ist es so weit. Ich bin an der Reihe und darf lenken. Die „Schaumwaffel“ brummt in rund 150 Metern Höhe schräg über uns, und ich versuche mich in meiner ersten Kurve. Obwohl ich – für mein Empfinden – den Schalthebel kaum berühre, schlägt das Flugzeug sofort eine steile Kurve ein, liegt fast im 90-Grad-Winkel in der Luft. „Vorsichtig, weniger lenken, mehr Gefühl“, korrigiert mich Sauerteig direkt. Die Lenkung ist wirklich sehr empfindlich. Kein Vergleich zu einem ferngesteuerten Auto oder Boot. Klar, in der Luft ist der Widerstand auch geringer als unten im Wasser oder auf dem Boden.

Der erste Flugversuch

Meine ersten Flugversuche lassen sich kurz zusammenfassen: links, rechts, links, links, rechts, rechts, links, rechts. Die „Schaumwaffel“ dreht fleißig Halbkreise und Achten in der Luft, während ich verbissen versuche, mehr Gefühl in meine Lenkung zu bekommen. Dabei muss ich aufpassen, das Flugzeug nicht aus den Augen zu verlieren. Einfach kurz anhalten und wieder gerade stellen ist nicht drin. Und so fliegt das Flugzeug immer weiter, bis es nur noch ein kleiner Punkt ist. Während ich mir schon Entschuldigungen und Erklärungen einfallen lasse, wie ich es geschafft habe, das Lernflugzeug zum Absturz zu bringen, übernimmt Sauerteig das Kommando.

Gefühlte drei Sekunden später ist die „Schaumwaffel“ wieder im grünen Bereich, in dem ich mich austoben darf.Und siehe da: Nach einiger Zeit habe ich den Dreh im wahrsten Sinne des Wortes zumindest ein bisschen raus. Mit ganz viel Gefühl schiebe ich den Hebel leicht nach links und nach rechts. Ein paar ordnungsgemäße Kurven gelingen mir tatsächlich. Für die spektakulären Bilder sorgt aber mein Fluglehrer Sauerteig, der das Flugzeug mit traumwandlerischer Sicherheit in Kopfhöhe an uns vorbeifliegen lässt und anschließend auch sicher wieder landet. Denn nach 20 Minuten ist der ganze Spaß wieder vorbei. Akku leer.

Ich ertappe mich anschließend dabei, wie ich die Startbahn mit einem breiten Grinsen verlasse. Denn auch wenn ich bei meinem Schnupperfliegen nur Lenken durfte – und selbst das nicht mal besonders gut hinbekommen habe: Großen Spaß macht das Fliegen trotzdem.

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