1. Startseite
  2. Region
  3. Niederdorfelden

So kam es zu Karin Schreys erstem Kriminalroman "Lago Blu"

Erstellt: Aktualisiert:

Nachschub für den Bücherschrank: die Niederdorfelder Autorin Karin Schrey mit ihrem ersten Kriminalroman "Lago Blu". Foto: Mirjam Fritzsche
Nachschub für den Bücherschrank: die Niederdorfelder Autorin Karin Schrey mit ihrem ersten Kriminalroman "Lago Blu". Foto: Mirjam Fritzsche

Niederdorfelden. Stolz hält Karin Schrey das 320 Seiten dicke Buch „Lago Blu“ in der Hand. Sie hat lange daran gearbeitet. „Der Krimi hat starke autobiographische Züge, nur, dass ich natürlich keine Leute umbringe“, sagt die 70-Jährige. Die Geschichte spielt im Piemont, wo die Niederdorfelderin 2010 mehrere Monate gelebt hat.

Von Mirjam Fritzsche

Von dort brachte sie nicht nur Rezepte für Polenta und Risotto Funghi mit, sondern auch die Idee zu ihrem ersten Krimi – wenn auch nicht zu ihrem ersten Buch.

Die Fachjournalistin und Museumspädagogin kann bereits auf eine ganze Reihe von Veröffentlichungen zurückblicken. In ihrer beruflichen Laufbahn hat sie zahlreiche Artikel und einige Sachbücher verfasst wie beispielsweise zur Kulturgeschichte des Glases („Katzensprünge durch Sand und Spiegel“).

Das Geschichtenerzählen liegt ihr am Herzen. Vor zwei Jahren brachte sie „Lederherz“ heraus. Ein Jugendbuch, das sich mit dem Thema Integration beschäftigt. In Schreibwerkstätten vermittelt sie auch Kindern Techniken zum kreativen Schreiben. „Ich finde toll, was die Mädchen und Jungen für Ideen haben“, sagt Schrey.

Ideen aus dem Umfeld

Doch auch der 70-Jährigen fehlt es nicht an Fantasie. Eine völlig zugewachsene Hausruine, die Schrey bei einem der Ausflüge rund um den Lago Maggiore mit ihrem Mann entdeckte, brachte die gebürtige Niederdorfelderin zum Grübeln. „Spontan dachte ich, dass dies der perfekte Ort für ein Verbrechen sein könnte“, erklärt Schrey. Das Bild von der Hausruine ist auf dem Cover von „Lago Blu“ als Hintergrund zu sehen.

Schrey hatte ihren Mann, der als Kraftwerk-Ingenieur beruflich in Arona zu tun hatte, nach Italien begleitet. „Ich hatte viel Zeit, und so habe ich mir mit zwei Freundinnen die Kriminalgeschichte ausgedacht“, erzählt Schrey. Die beiden spielen eine wichtige Rolle in „Lago Blu“.

Trotz Fantasie sehr realistisch

Protagonistin ist die 59-jährige Klara, die ihren Ehemann zu einer neuen Arbeitsstelle nach Italien an den Lago Maggiore begleitet. Dort hat Gina, die Ehefrau des Kollegen, eine Wohnung für sie in Stresa gefunden. Vom Balkon aus kann Klara das Treiben auf der Seepromenade beobachten. Eines Abends verschwindet dort eine Dame. Zusammen mit Gina und Hanni, einer ortsansässigen Deutschen, begibt sich Klara auf die Suche.

„Für das Buch habe ich lange recherchiert – auch über die Struktur der italienischen Polizei“, erzählt Schrey und kann ihre Leser im Nachwort aufklären. Einen „Sergente“ wie er in den Verfilmungen von Donna-Leon-Krimis vorkommt – diesen Dienstgrad gibt es bei der italienischen Polizei gar nicht. „Eines habe ich als Kuratorin verinnerlicht: Fiktion ist gut, aber die Fakten müssen fundiert sein.“

Auf Studien fundiert

Zunächst sei es gar nicht so einfach gewesen, einen Verlag für den Krimi zu finden. Schrey hat ganz nach Art des Bestseller-Autoren Frank Schätzing wissenschaftliche Studien als Basis für ihre Geschichte genommen. Was genau, wird an dieser Stelle nicht verraten, um die Spannung aufrechtzuerhalten.

„Hilfe hatte ich dabei von meinem Neffen, der beim Fraunhofer Institut arbeitet“, erklärt Schrey. Gewünscht wurde vom angefragten Verlag aber ein reiner Urlaubsroman. „Das wollte ich nicht“, betont Schrey. Sie suchte weiter und fand im Arachne Verlag, bei dem auch „Lederherz“ erschien, ein offenes Ohr.

Außer Fakten auch etwas Witz

Trotz fachlich fundierter Fakten gebe es im Krimi auch einiges zu lachen. „Nur auf Abenteuer amouröser Art müssen meine Leser verzichten“, sagt Schrey. Sie schreibe für ältere Frauen, die – wie sie selbst – das Thema weniger interessiere. Aber da es zu Frauenliteratur passe, habe sie auch ein paar Rezepte auf den letzten Seiten angehängt.

Neben dem Schreiben hat Karin Schrey eine zweite Leidenschaft: altes Spielzeug. Über das Sammeln von antikem Spielzeug ist sie 1989 zum Museum der Stadt Ratingen gekommen. Bis 2010 leitete sie dort die Abteilung Bürgerliches Spielzeug. Vor zwei Jahren ist Schrey dauerhaft in ihren Heimatort Niederdorfelden zurückgekehrt. Langeweile kommt bei ihr nicht auf.

Baldige Fortsetzung

Die 70-Jährige ist im Vorstand des Literaturtreffs in Karben aktiv, kuratierte gerade erst eine Ausstellung zur Mondlandung im Hessischen Puppen- und Spielzeugmuseum in Wilhelmsbad und plant ganz nebenbei, einen Stammtisch für in Niederdorfelden lebende Autoren zu initiieren.

Wer die drei Heldinnen aus „Lago Blu“ ins Herz geschlossen hat, braucht aber nicht um die Fortsetzung zu fürchten. Der zweite Teil der als Trilogie geplanten Mini-Reihe ist bereits in Arbeit, wie Schrey verrät. Er wird in Cornwall spielen und den Titel „Paradis Green“ tragen. Teil drei führt Klara, Gina und Hanni nach Athen. Arbeitstitel: „Vulcano Red“.

Ab sofort erhältlich

Der Krimi „Lago Blu“ ist im Arachne Verlag erschienen: ISBN 978-3-932005-80-0. Das Taschenbuch ist für 13,80 Euro im Buchhandel erhältlich.

Auch interessant