Nachhaltigkeit ist den Brüdern Oliver und Richard Engelhard (vorne kniend, von links) ein großes Anliegen. Zum Baustart für den Neubau-Komplex ihres Unternehmens, die Engelhard Arzneimittel GmbH Co. KG in Niederdorfelden, gab es neben dem symbolischen Spatenstich daher auch eine Baumpflanz-Aktion. Foto: Scheiber

Niederdorfelden

Engelhard Arzneimittel investiert zweistelligen Millionenbetrag

Genau als Richard Engelhard, Geschäftsführer der Engelhard Arzneimittel GmbH undamp; Co. KG in seiner Rede über die Nähe zum Flughafen als Standortvorteil spricht, passiert es: Ein Flugzeug donnert lautstark über das Festzelt im Gewerbegebiet in Niederdorfelden.

Von Monica Bielesch

Aber nicht nur das passte zusammen beim Spatenstich für den Neubau des familiengeführten weltweit tätigen Pharmaunternehmens. Glücksfälle für alle Seiten: Engelhard für die Regioin und die knapp 4000-Seelen-Gemeinde, aber auch Niederfelden für den größten Arbeitgeber am Platz. Dass Engelhard Arzneimittel in die Region und vor allem zu Niederdorfelden passt, betonten alle Redner am Donnerstag vormittag im Gewerbegebiet An der Rosenhelle. Richard Engelhard bekannte sich wiederholt und fast emotional zum Standort und zur Region. Der 45-Jährige agiert zusammen mit seinem zwei Jahre älteren Bruder Oliver sowie seinem Vater Dr. Ralf Engelhard als geschäftsführender Gesellschafter. „Wir sind hier verwurzelt und groß geworden“, sagte Oliver Engelhard nach dem offiziellen Teil der Veranstaltung, an der rund 70 Gäste teilnahmen.

Schon lange im Unternehmen

Die Brüder sind seit 18 beziehungsweise 19 Jahren im Unternehmen. Für sie ist der Firmensitz des Traditionsunternehmens, das seit 145 Jahren besteht, mehr als nur Arbeitsplatz. Es sei ein Ort der Identifikation, sogar Heimat, so Richard Engelhard in seiner Rede. Daher sind beide froh, dass der Neubau, in dem ein Betriebsrestaurant, ein Verwaltungsgebäude und vor allem eine moderne Produktionsstätte unterkommen sollen, am Firmensitz in Niederfelden entstehen kann.

Auf insgesamt rund 10 000 Quadratmetern wird in den nächsten zwei Jahren ein Verwaltungsgebäude mit einer Gesamtbruttogeschossfläche von rund 3500 Quadratmetern gebaut. Mehr als 60 Mitarbeiter sollen hier in einer modularen Bürowelt Platz finden. Neben dem neuen Eingangsbereich soll sich in dem modernen und lichtdurchfluteten Gebäudekomplex auch das neue Betriebsrestaurant befinden. Mit der Architektur des Büros Carpus und Partner AG habe Engelhardt die Arbeitswelten von morgen im Blick, so Richard Engelhardt. Ein Imagefilm zeigte, wie die über 400 Mitarbeiter bei den Planungen beteiligt worden sind.

Große Produktionsfläche

Das Produktionsgebäude wird eine Fläche von 8000 Quadratmetern haben und soll Platz bieten für neue Abfüll- und Verpackungsanlagen. Kostenpunkt laut Engelhardt-Pressestelle: ein zweistelliger Millionenbetrag. Dass alle Abteilungen von der Produktion bis zum Vertrieb an einem Standort seien, fördere das firmeninterne Verständnis füreinander, meinte Richard Engelhard. In den vergangenen zehn Jahren hat das Unternehmen seinen Umsatz sowie die Mitarbeiterzahl nahezu verdoppelt. Die Verkaufsschlager wie der Prospan-Hustensaft und die isla-Präperate werden weltweit in über 100 Länder exportiert.

Von dieser globalen Präsenz von Engelhard-Produkten wusste auch Tarek Al-Wazir (Grüne), hessischer Minister für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung, bei seinem Grußwort zu berichten. Als er vor zehn Jahren mit seiner Familie seinen Vater im Jemen besuchte, erkältete sich sein damals dreijähriger Sohn. Nachts suchte Al-Wazir in der Hauptstadt Sanaa eine Apotheke. Er fand schließlich eine und dort im Regal entdeckte er den deutschen Hustensaft Prospan. Dieser weltweite Erfolg spreche für die Engelhardt-Produkte, so Al-Wazir.

Gesundheitsindustriestandort Hessen

Die Gebrüder Engelhard und Al-Wazir sitzen zusammen in der Initative Gesundheitsindustrie Hessen (IGH), wo sich Vertreter von Politik, Wissenschaft und Wirtschaft für einen weiterhin prosperierenden Gesundheitsindustriestandort Hessen einsetzen. Deutschland sei ein Hochpreisland, meinte der Minister. „Deshalb müssen wir so viel besser sein, wie wir teurer sind.“ Da seien Unternehmen wie Engelhard wichtig, die laut Al-Wazir nachhaltig in den Standort Deutschland investieren würden. Woaufhin Richard Engelhard betonte. „Wir wollen uns dafür engagieren, dass wir im Zusammenspiel mit der Politik Verantwortung übernehmen. Als Unternehmen wollen wir Arbeitsplätze am Standort erhalten und hochqualifizierte Arbeitsplätze schaffen.“

16 Bäume wurden gepflanzt

Und als Zeichen der Nachhaltigkeit wurde nicht nur der symbolische Spatenstich vor den Linsen zahlreicher Fotografen und Fernsehkameras durch die Ehrengäste zelebriert. Auch 16 Bäume wurden gepflanzt. Natürlich nur symbolisch, wie Gartenlandschaftsbau-Meister Patrick Viel von der Baumschule Karben meinte. Er hielt einen großen Korb voller Erde und Mini-Schippen für die Ehrengäste bereit. Minister Al-Wazir durfte eine schlanke, sechsjährige Eiche „pflanzen“. Für jeden gepflanzten Baum spendet Engelhard 500 Euro für soziale Projekte in Niederdorfelden, von der Kita bis hin zum Seniorenprogramm.

Niederdorfeldens Bürgermeister Klaus Büttner (SPD) zeigte sich sichtlich stolz, dass es einer Gemeinde wie Niederdorfelden gelungen sei, ein so großes Unternehmen wie Engelhard zu halten und langfristig zu binden. Und dass das Gewerbegebiet An der Rosenhelle mit seinen knapp 14 Hektar voll belegt sei. Für den Fall, dass das Pharmaunternehmen am Standort weiter expandieren will, hat Büttner aber auch schon Lösungen im Hinterkopf. Die gegenüber-liegende Fußballanlage biete noch viel Platz.

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