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Der vierjährige Anis aus Niederdorfelden hofft am Sonntag auf einen Stammzellspender

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Anis (rechts) ist gerade vier Jahre alt geworden. Er leidet an Fanconi-Anämie und benötigt dringend eine passende Stammzellspende. Vater Mohamed Gannoukh, sein großer Bruder und die gesamte Familie hoffen darauf, dass sich ein Stammzellspender für ihn findet.
Anis (rechts) ist gerade vier Jahre alt geworden. Er leidet an Fanconi-Anämie und benötigt dringend eine passende Stammzellspende. Vater Mohamed Gannoukh, sein großer Bruder und die gesamte Familie hoffen darauf, dass sich ein Stammzellspender für ihn findet. © Privat

Er spielt für sein Leben gern mit Autos, vor allem mit Polizeiautos und Krankenwagen. Letzteres ist umso erstaunlicher, denn Anis aus Niederdorfelden, der am vergangenen Dienstag vier Jahre alt wurde, hat schon einige Monate seines jungen Lebens im Krankenhaus verbringen müssen.

Niederdorfelden – „Mein Sohn wurde mit einer Speiseröhrenfehlbildung geboren“, erzählt Anis Vater, Mohamed Gannoukh. „Sie war zirka drei Zentimeter zu kurz. Anis wurde umgehend operiert, die Speiseröhre aufs Maximale gezogen.“ Vier Wochen lang lag der Junge im künstlichen Koma und rund vier Monate insgesamt auf der Intensivstation. Doch die Speiseröhre ging immer wieder zu, sodass Anis am Ende 88 OPs unter Vollnarkose über sich ergehen lassen musste. „Nach anderthalb Jahren bildete sich noch ein Abszess, sodass mein Sohn wieder für drei Monate auf die Intensivstation musste“, fährt Mohamed fort.

Und als wäre das schon nicht genug zu ertragen, stellten die Ärzte im Januar dieses Jahres eine lebensbedrohliche Blutkrankheit bei Anis fest. Daher findet am kommenden Sonntag von 13 bis 17 Uhr eine große Typisierungsaktion im Niederdorfelder Bürgerhaus statt. „Ich wusste schon nach der Geburt, dass alles so kommen wird, da mein erster Sohn 2004 dieselbe Erkrankung hatte“, berichtet der Vater. „Wir haben vier Kinder, drei Jungs und ein Mädchen. Glücklicherweise kam mein zweiter Sohn für meinen ersten Sohn als Spender infrage. 2012 erfolgte die Knochenmarktransplantation. Sie war erfolgreich, unserem Ältesten, der heute 17 Jahre alt ist, geht es wieder gut.“ Das schönste Geburtstagsgeschenk für Anis und seine Familie wäre, wenn am Sonntag auch für den Vierjährigen ein Spender gefunden würde.

Lebensbedrohliche Krankheit kaum zu erkennen

Wer den kleinen Anis nicht kennt, der sieht ihm seine lebensbedrohliche Krankheit nicht an. „Der Junge ist fit und mächtig aktiv. Man glaubt gar nicht, dass er krank ist. Natürlich hat er die typisch blauen Flecken und andere Merkmale dieser Krankheit, und er hat auch eine Magensonde, über die er noch zusätzlich Astronautenkost erhält“, beschreibt Mohamed Gannoukh. „Und ein anderes Kabel führt zu seinem Herzen. Aber all das hindert ihn nicht daran, zu spielen, auch wenn er weiß, dass er krank ist. Ginge es nach den Ärzten, müsste Anis eigentlich bettlägerig sein.“

Der vierjährige Anis aus Niederdorfelden leidet an einer lebensbedrohlichen Blutkrankheit. Doch der tapfere Junge kämpft.
Der vierjährige Anis aus Niederdorfelden leidet an einer lebensbedrohlichen Blutkrankheit. Doch der tapfere Junge kämpft. © Privat

Wenn Anis groß und wieder gesund ist, möchte er Polizist werden. Denselben Wunsch hatte auch sein großer Bruder, dem Anis unglaublich ähnelt. „Anis ist ein Klon seines Bruders – nur 14 Jahre später. Sie sehen sich nicht nur sehr ähnlich, sie haben auch dieselbe Krankheit“, sagt Mohamed und kann es selbst kaum fassen.

Sonntag Feuerwehrfest und Tombola

Familie Gannoukh ist in Niederdorfelden zu Hause. Seit 17 Jahren wohnt sie dort, nur knapp hundert Meter vom Bürgerhaus entfernt, wo am Sonntag die Typisierungsaktion stattfindet. Vater Mohamed engagierte sich 2015 bis 2018 ehrenamtlich in der Gemeinde bei der Integration von Flüchtlingen. Anis geht in Niederdorfelden in den Kindergarten 100-Morgen-Wald. Dieser hält am Sonntag im Rahmen des Feuerwehrfestes eine Tombola und einen Bücherflohmarkt ab, um Spenden zu sammeln, mit denen einige Typisierungen finanziert werden können. Eine einzige Typisierung kostet 40 Euro. Besucher des Feuerwehrfestes werden daher gebeten, sich nicht nur typisieren zu lassen, sondern, wem es möglich ist, auch Geld zu spenden. (Von Gabriele Reinartz)

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