So einen Fang macht man nicht alle Tage: Tobias Schmitt hat am Nidder-Altarm in Heldenbergen einen zwei Meter langen und 55 Kilogramm schweren Wels gefangen. Charakteristisch für den Fisch, der am schlammigen Grund jagt, sind seine kleinen Augen und die Barteln, mit denen er sich tastend orientiert. Fotos: Privat

Nidderau

Zwei Meter langer Wels in Heldenbergen gefangen

Nidderau. Es ist eine Geschichte, die im ersten Moment nach Angler-Latein klingt. „Der Urian vom Heldenberger Altarm“, so nennt Peter Schäfer, Vorsitzender der Anglergemeinschaft Niddertal Heldenbergen, den Sensationsfang, den Vereinsmitglied Tobias Schmitt kürzlich aus dem Wasser, unweit der Nepomukbrücke, zog.

Von Jan-Otto Weber

Mit dem ursprünglich keltischen Wort „Urian“ bezeichnet man im Deutschen einen Tölpel, einen unerwünschten Gast oder scherzhaft den Teufel. Tatsächlich hatte sich um die großen Welse im früheren Heldenbergener Gänsweiher im Lauf der Jahre beinahe schon ein Mythos aufgebaut. „Es wurde immer mal wieder ein Exemplar beim Laichen im flachen Uferbereich gesichtet“, erzählt Schmitt, als wir ihn vor Ort zum Gespräch treffen. „Eigentlich sind wir von einer Länge von etwa 1,50 Meter ausgegangen. Dass der Waller nun so riesig ist, hat niemand erwartet.“

Stolze zwei Meter und drei Zentimeter sowie ein Gewicht von 55 Kilogramm ermittelten die erstaunten Vereinsmitglieder, als Schmitt den Fisch vor einigen Tagen an Land gezogen hatte. Auch wenn angesichts dieser Ausmaße die Überraschung bei dem 23-Jährigen groß war – ein Zufallsfang war es keineswegs.„Bisher war es niemandem gelungen, einen der ganz großen Welse zu fangen“, erklärt er. „Ein paar Tage zuvor hatte ich den Wels selbst in Ufernähe beobachtet. Nach dem Laichen haben sie in der Regel erstmal großen Hunger. Also habe ich mich an dieser Stelle hingesetzt.“

Ein großen Brocken am Haken

Und tatsächlich: Etwa eine Stunde, nachdem Schmitt an jenem Abend sein spezielles Waller-Gerät am Ufer des Alt‧arms postiert hatte, passiert es. „Ich hatte mir gerade ein bisschen die Beine vertreten, da hab ich gehört, wie die Spule abläuft“, schildert Schmitt. Er eilt zur Angel und haut sie mit einem Ruck an. „Der Fisch ist erstmal 50 Meter Richtung Brücke weggezogen“, erklärt Schmitt. „Da hab' ich schon gemerkt, dass ich was Großes dran hab.“

Geistesgegenwärtig ruft er seinen Angler-Freund Andi an, der ganz in der Nähe wohnt. Denn so einen großen Brocken würde er nicht allein aus dem Wasser bekommen, das ist Schmitt sofort klar. Wenige Minuten später ist sein Kumpel vor Ort. Inzwischen verfolgt Schmitt den Fisch und geht am Ufer entlang mit ihm auf und ab. „An einer Stelle liegt ein toter Ast im Wasser. Ich musste aufpassen, dass er da nicht reinschwimmt und sich verfängt.“

„Sie gönnen mir den Fang“

Gemeinsam mit seinem Kumpel gelingt es Schmitt schließlich nach etwa 20 Minuten, den Waller am Geländer eines Bachzuflusses ins flache Wasser zu ziehen. Zu zweit hieven sie den riesigen Fisch an Land. Seither hat Schmitt, der aus Eichen kommt und seit zehn Jahren angelt, von seinen Vereinskollegen viel Anerkennung bekommen. „Sie gönnen mir den Fang“, freut sich der 23-Jährige, der beim Autohaus Staaf in Heldenbergen seine KfZ-Lehre gemacht hat und in diesen Tagen seine Meisterprüfung absolviert.

Dabei geht es in diesem Fall durchaus auch um Fragen des ökologischen Gleichgewichts im Altarm. Denn für einen Besatz mit derart großen Fischen ist das beinahe 200 Meter lange, zehn Meter breite und gut zwei Meter tiefe Gewässer eigentlich zu klein. Im Grunde handelt es sich bei dem Alt‧arm, der für den Heldenberger Verein quasi als Angelteich fungiert, um ein stehendes Gewässer. Eine Verbindung zur Nidder besteht lediglich bei Hochwasser über ein Ausgleichsrohr im Uferdamm. Bei Normalpegel pumpen die Mitglieder der AG Niddertal das Wasser aus der Nidder in den Altarm, um dort das Niveau zu halten.

Sogar kleine Hunde sind gefährdet

„Die Welse fressen natürlich viele der kleineren Fische weg“, erklärt Schmitt. „Der Bestand an Schleien ist zum Beispiel schon stark zurückgegangen. Die Waller schnappen aber auch nach Wasservögeln oder Nutrias. Sogar kleine Hunde, die von ihren Herrchen hier beim Gassigehen gern mal zum Schwimmen ins Wasser gelassen werden, sind gefährdet.“

Nun liegt der Waller selbst portioniert in der Tiefkühltruhe. Aber von seinem Kaliber gibt es noch einige mehr im Nidder-Altarm, da sind sich die Heldenberger Angler sicher. „Ich werde weiter versuchen, wieder so einen an die Angel zu kriegen“, meint Schmitt. „Aber ob ich das Glück noch mal haben werde, ist fraglich.“

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