Nidderau

Windecker Landfrauen zwischen Volkstanz und Facebook

Nidderau. Sie sind Meisterinnen am Ofen und am Herd. Doch wer Landfrauen nur auf ihre Koch- und Backkünste reduziert, der kennt sie nicht wirklich. Landfrauen leisten viel mehr. In einer Serie stellen wir die verschiedenen Ortsgruppen und ihre jeweiligen Besonderheiten vor.

Von Jan-Otto Weber

Dass es bei den Windecker Landfrauen nicht an Engagement mangelt, wird beim Besuch unserer Zeitung bei der Vorsitzenden Rosel Bauer sofort klar. Im Wohnzimmer ist ein Tisch aufgebaut, der einem Messestand gleicht: Infobroschüren zu Aktionen und Veranstaltungen, ein Textblatt des Windecker Landfrauenlieds (es geht ums Feiern nach getaner Arbeit) und ein Buch mit dem Titel „Feste feiern, feste schaffen – mit den Windecker Landfrauen durch das Jahr“. Die Beiträge wurden zum 40-jährigen Bestehen des Vereins im Jahr 2002 von den Mitgliedern „gesammelt, gedichtet, erdacht und ausprobiert“.

Rosel Bauer geht in den Wintergarten voran, wo bereits fünf weitere Landfrauen warten. Auch Bauers Schwiegertochter Christin und die Enkel Joy und Jaden sind dabei. Ein Flyer des Landesverbands zur Mitgliedergewinnung macht die Runde: „Landfrauenvereine mit Ideen gesucht!“

Nachwuchs ist ein großes Thema

„Der Nachwuchs ist auch bei uns ein großes Thema“, sagt Bauer. „Landfrauenvereine haben ein Image-Problem“, pflichtet Ingrid Bauscher bei, „obwohl wir uns mit so vielen Dingen befassen, die auch für Junge wichtig wären.“

Rosel Bauer greift zum Seminar-Programm des Landesverbandes: Die Kurse drehen sich nicht nur um Gesundheit und Ernährung, sondern bieten auch Fortbildungen im Umgang mit neuen Medien und zu Fotografie. Andere Themen lauten „Wohin mit meiner Wut“ und „Ist Höflichkeit noch eine Tugend?“ Die Teilnahme ist nicht auf Mitglieder beschränkt, für Landfrauen jedoch deutlich günstiger.

Jüngstes Mitglied ist 16 Jahre alt

„Das ist wirklich nichts Altbackenes“, betont Bauer, die selbst schon mit ihrer Enkelin Alexandra an Kursen zu Kalligraphie und kreativem Schreiben teilgenommen hat. Die knapp 16-Jährige ist das jüngste Mitglied des Windecker Ortsverbands. Den Altersdurchschnitt von Anfang 70 beeinflusst das jedoch kaum.

„Ich könnte für Euch eine Facebook-Seite einrichten“, schlägt Bauers Schwiegertochter Christin vor. Sie betreut bereits die Internetseite des Vereins. „Ich stolpere bei Facebook öfter mal über interessante Veranstaltungen. Vielleicht erreicht man so ein paar Jüngere.“

Aktion gegen Lebensmittelverschwendung

Der Vorschlag stößt auf allgemeine Zustimmung. „Wir sind immer offen für neue Ideen“, betont Bauer. Ihre Schwiegertochter ist ebenfalls Mitglied, hat aber noch keine richtige Anbindung zu den Aktivitäten des Vereins gefunden. „Ich bin da halt die einzige Junge“, meint die 36-Jährige. Dabei erreichen die Windecker Landfrauen mit ihren Vorträgen durchaus ein breites Publikum. Beim Käsemachen im Familienzentrum in diesem Frühjahr seien beispielsweise viele Jüngere und auch Männer dagewesen. Überhaupt sind Ernährungsthemen ein Steckenpferd des Ortsverbands. So haben die Frauen im Oktober 2016 selbstgekochte Marmelade im Rewe-Center und auf dem Herbstmarkt verkauft. Dabei waren gleich zwei Initiativen vereint: „Zu schade für die Tonne“ und die Landfrauenaktion „Landfrauen für Uganda – Mit Ziegen kommt die Hoffnung“.

Bauer hatte dazu eine Vereinbarung mit dem Rewe-Center geschlossen: Mit Obst und Gemüse, das nach Ladenschluss sonst weggeworfen worden wäre, kochten die aktiven Damen 220 Gläser Marmelade. Mit dem Erlös kaufte die Welthungerhilfe Ziegen zur Selbstversorgung von Familien in Uganda.

Aktionstag am Pfingstmontag

Die Vergeudung von Lebensmitteln und das Müllaufkommen durch Plastikverpackungen werden die Landfrauen auch am Pfingstmontag beim Aktionstag „Nidderau is(s)t im Klimawandel“ auf Hof Buchwald thematisieren. Zudem hat Rosel Bauer bereits zahlreiche Kochprojekte mit Kindern begleitet. Im Winter backen die Landfrauen Plätzchen für die Wunschzettelaktion der Bürgerstiftung zugunsten bedürftiger Familien. „Ich wurde auch schon angesprochen, ob wir nicht einen Kochkurs anbieten könnten mit Ideen und Rezepten, wie man in einer halben Stunde eine vollwertige Mahlzeit auf den Tisch bringt“, erzählt Bauer. „Junge Frauen haben heute mit Familie und Beruf eben nicht so viel Zeit.“

Stolz sind die Windecker Landfrauen auch auf ihre Tanzgruppe, die als letzte im Bezirk Hanau noch den klassischen Volkstanz pflege. „Das ist Hirntraining, fördert die Fitness und bringt gute Laune“, wirbt Bauer. Überhaupt ist die Gemeinschaft die große Stärke des Vereins, dessen Mitglieder auch aus Heldenbergen oder Erbstadt kommen, wo es keine eigenen Ortsverbände gibt. „Die Landfrauen haben auf jeden Fall meine Ehe gerettet“, sagt die 66-jährige Vorsitzende halb im Scherz, halb im Ernst. „Es tut gut, wenn man mal rauskommt aus den eigenen vier Wänden. Und wenn man sieht, wie es anderswo zugeht, merkt man, dass man es daheim gar nicht so schlecht hat“, lachen die Damen.

Ortsverein WindeckenGründungsjahr: 1962Mitglieder: 65Aktivitäten: Volkstanzgruppe (Übungsstunde mittwochs um 20 Uhr in der Willi-Salzmann-Halle Windecken), Begleitung von Kinderkochprojekten an der Albert-Schweitzer-Schule, Vorträge und Bildungsveranstaltungen, Tagesausflüge, regelmäßige Teilnahme am Deutschen Landfrauentag, Durchführung von sozialen und Umwelt-Projekten in Kooperation mit anderen Vereinen und Institutionen wie zum Beispiel die Wunschzettelaktion gemeinsam mit der Bürgerstiftung Nidderau, Erstellen des Erntedankschmucks in der StiftskircheTreffen: montags alle 14 Tage um 20 UhrVorsitzende: Rosel BauerKontakt: Telefon 0 61 87/ 2 30 45 oder per E-Mail an r.bauer@landfrauenverein-windecken.de ››

landfrauenverein-windecken.de

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