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Schicker Schutz: Christin Bauer und die Windecker Landfrauen nähen Mundschutz aus Baumwolle (links). Arbeit am laufenden Band: Mahmoud und andere Geflüchtete nähen ehrenamtlich Masken

Flüchtlinge und Windecker Landfrauen nähen Schutzmasken in der Corona-Krise

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Mundschutze sind in der Corona-Krise gefragt wie nie. Die Windecker Landfrauen nähen daher selbst Mundchutze aus Baumwolle. Und Flüchtlinge fertigen Schutzmatzken in Nidderau.

 „Applaudieren am offenen Fenster reicht nicht, um unsere Pflegekräfte zu unterstützen.“ Das war ein Satz, der auch die Windecker Landfrauen dazu bewegt hat, Mundschutz aus Baumwolltüchern zu nähen. Und zwar für diejenigen, die ihn derzeit dringend gebrauchen könnten: die lokalen Pflegeeinrichtungen.

Stoffmundschutz kann als Ergänzung zu handelsüblichen Masken

Ein Mundschutz aus Stoff bietet keinen hundertprozentigen Schutz vor der Ansteckung mit dem Coronavirus, kann aber laut Mitteilung der Landfrauen gut als Ergänzung unter einer handelsüblichen Maske getragen werden, um diese länger einsetzen zu können. Das könnte helfen, die durch die hohe Nachfrage knapper werdende Schutzausrüstung nachhaltiger und sparsamer einzusetzen. Außerdem sollen die Masken dafür sorgen, dass sich ihr Träger nicht ständig ins Gesicht fasst, womit eine Infektionsmöglichkeit verhindert werden könnte.

Wer sich an der Aktion der Windecker Landfrauen beteiligen möchte, kann eine Anleitung zum Anfertigen der Mundschutzmasken von Christin Bauer unter der Mobiltelefonnummer 01 76/ 40 79 84 87 erhalten. Fertige Masken können bei Familie Bauer in der Chemnitzer Straße 5 in Windecken abgegeben werden. Die Masken werden von dort aus an Ort und Stelle geliefert, wo sie einer Infektionsschutzmaßnahme unterzogen werden.

Geflüchtete Schneider fertigen Schutzmasken

Es ist noch eines von vielen Beispielen der ehrenamtlichen Hilfe – und doch ist es ganz besonders. Vor einigen Tagen erhielt ein Mitglied des Vorstandes der Nidderauer Flüchtlingshilfe einen Brief eines Windecker Neubürgers. „Omar will in dieser schwierigen Zeit etwas an die Menschen zurückgeben, die ihm und seiner Familie so großzügig in Deutschland geholfen haben“, teilt die Flüchtlingshilfe mit.

Omar ist von Beruf Schneider und bot in seinem Brief an, für die Bürger von Nidderau Mundschutzmasken zu nähen. „Ich wünsche allen Menschen auf der Welt das Beste“, schreibt er. „Wenn Gott will, wird diese Tragödie bald enden. Ich kann zu Hause Masken herstellen. Es gibt viele Flüchtlinge, die mir helfen, meine Frau, meine Töchter. Wir werden Tag und Nacht daran arbeiten, diesen großartigen Menschen, die uns ihre Türen geöffnet haben, etwas anzubieten.“ 

Helfer organisieren sich in Whatsapp-Gruppen

Omars Worte wirkten bei den Helfern wie eine Initialzündung für ein neues Projekt. Spontan wurden in den letzten Tagen durch Aufrufe in Rundmails und Whatsapp-Gruppen neben Nähmaschinen auch Material wie Gummilitze, Schrägband und Baumwollstoffe gesammelt. Auch gelang es, weitere Menschen zu finden, die nun ebenfalls Mundschutzmasken nähen.

„An der Spitze steht Mahmoud, der ebenfalls Schneider von Beruf ist und seit Tagen rund um die Uhr näht“, so die Flüchtlingshelfer. Inzwischen haben die ersten Masken die Helfer erreicht. Auch die Bewohner und Mitarbeiter in der Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete in der Liebigstraße in Heldenbergen und in der Niddertalstraße in Eichen wurden schon mit Masken beliefert. „Diese Menschen, die auf engem Raum zusammen leben und täglich zur Arbeit müssen, tragen ein höheres Ansteckungsrisiko“, schreiben die Flüchtlingshelfer.

Abstandsregeln müssen trotz Masken eingehalten werden

Den Masken werden Zettel mit der Information beigelegt, dass der Mundschutz kein Medizinprodukt ist und die Abstandsregeln trotzdem eingehalten werden müssen. In erster Linie dienen die Masken dem Schutz der Menschen in der unmittelbaren Umgebung vor „feuchter Aussprache“ und damit der Verteilung der „viralen Tröpfchen“.

„In einem nächsten Schritt sollen die Masken den Mitarbeitern der Stadtverwaltung, welche die Aktion sehr begrüßt, sowie in Arztpraxen und Betreuungsheimen angeboten werden“, so der Verein, der noch Spenden entgegen nimmt. 

In Bruchköbel verschenkt eine Änderungsschneiderei ihre selbstgenähten Masken. Die Aktion ist ein voller Erfolg. In Hanau wurde die Bevölkerung dazu aufgerufen, in der Öffentlichkeit Schutzmasken zu tragen.

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