Die einst kunstvolle Bemalung an der Friedhofsmauer zeigt seit Jahren ein klägliches Bild.

Nidderau

Windecker Friedhofsmauer soll abgerissen werden

Nidderau. Abgeplatzter Putz, schiefes Gemäuer, bröckelnde Fundamente: Die Friedhofsmauer in Windecken ist in einem schlechten Zustand. Der Ortsbeirat beklagt dies seit Jahren und forderte wiederholt eine Sanierung. Nun wollte das Gremium gemeinsam mit dem Bau- und Strukturausschuss sowie der Verwaltungsspitze Klarheit schaffen

Von Jan-Otto Weber

„Die Mauerecken neigen sich deutlich nach außen, an manchen Stellen ist das Gitter an den Einlassungen aus dem Fundament gebrochen. In den nächsten zwei bis drei Jahren könnten Teile einstürzen“, schilderte Garten- und Landschaftsplaner Harald Kirschenlohr den Ernst der Lage. Akut betroffen ist der gesamte Frontbereich zur Eugen-Kaiser-Straße hin sowie die seitliche Einfriedung bis zum Hauptweg, der vor der Trauerhalle quer über das Gelände verläuft. Mittelfristig müssten aber auch die restlichen Mauerabschnitte näher untersucht werden, so Kirschenlohr.

Sanierung würde mindestens 138 000 Euro kosten

Für die jetzige Sanierung hatte der Planer im Auftrag der Verwaltung sechs verschiedene Varianten entwickelt. Doch selbst das günstigste Angebot von rund 138 000 Euro übersteigt deutlich den vom Magistrat festgelegten Haushaltsansatz von 100 000 Euro. Dabei schlägt schon allein der Abriss von Mauer, Zaun und Fundament nach DIN-Abrechnung mit 30 000 Euro zu Buche. „Ursprünglich waren mal 170 000 Euro als Mittel eingesetzt“, erinnerte Ortsbeiratsmitglied Heinz Homeyer (SPD). „Den Bürgern wäre es am liebsten, wenn wir die Mauer wieder so erhalten wie sie mal war. Mit dem jetzigen Haushaltsansatz sehen wir jedoch keine Möglichkeit für eine nachhaltige Sanierung.“

Einem Erhalt der Mauer erteilte Kirschenlohr eine deutliche Absage. „Die ursprünglichen Fundamente gründen nicht sehr tief. Sie können nicht tragen, was im Lauf der Jahrzehnte darauf gebaut wurde. Sie können oben so viel restaurieren wie sie wollen, wenn unten das Fundament fehlt.“

Charakteristisches Eingangstor soll bleiben

Einig sind sich die Gremienvertreter darüber, dass nach Abriss der jetzigen Einfriedung samt Fundament das schmiedeeiserne Eingangstor als charakteristisches Merkmal überholt und mit zwei neuen Pfeilern aus gefasstem, dunklen Schichtbeton in Natursteinoptik wieder installiert werden soll. Auch der Baumbestand und die noch intakten Hecken sollen erhalten bleiben. Der Ortsbeirat wünscht sich zudem einen grünen Doppelstabmattenzaun in einer Höhe von 1,40 Meter. Eine Variante, die nur aus Hecken besteht, kommt für die Ortsbeiräte nicht infrage. „Die Bezeichnung Friedhof kommt schließlich von Einfriedung“, so Homeyer.

Die Ausschussmitglieder wollen hingegen zusätzlich die Variante berechnen lassen, bei der der Zaun durch eine reine Bepflanzung ersetzt würde. Laut Kirschenlohr gebe es auch weniger pflegeintensive Gehölze, die man frei wachsen lassen könne, ohne sie zweimal im Jahr schneiden zu müssen. Zudem komme man nicht daran vorbei, die Ecken der Einfriedung in abschüssigem Gelände mit Betonwinkelsteinen zu sichern und mit Bodendeckern zu bepflanzen, um sich das Mähen zu sparen. Bürgermeister Gerhardt Schultheiß (SPD) regte zudem ein Standsicherheitsgutachten für den Rest der Mauer an.

Umwidmung in Bauland kein Thema

Ein heikler Aspekt kam am Rande der Diskussion ebenfalls zur Sprache: Die Umwidmung des nordwestlichen Teils des Friedhofs als Wohnbauland nach Ablauf der noch wenigen verbliebenen Gräber. Doch Bürgermeister Schultheiß wies solche Überlegungen bei diesem emotional besetzten Thema deutlich zurück. „Damit sind zu viele Eingriffe verbunden. Wer weiß, wie sich die Trends bei Bestattungen und die Stadt entwickeln. Vielleicht brauchen wir den Platz noch. Das Areal kommt außerdem für Baumbestattungen infrage.“

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