Katy Wohlert hat im Mai die Leitung des AGO-Seniorenzentrums in Nidderau übernommen. Gemeinsam mit ihrem Team will sie den Ruf des Hauses wieder aufbessern. Foto: J. Weber

Nidderau

So will Katy Wohlert im AGO-Seniorenzentrum Pflege verbessern

Nidderau. Die Pflege alter oder kranker Menschen ist seit Jahren eines der meist diskutierten Themen in Deutschland. Vor allem die Qualität und der Fachkräftemangel stellen die Branche vor große Probleme. Auch über das AGO-Seniorenzentrum Nidderau gab es in der Vergangenheit die ein oder andere Beschwerde

Von Jan-Otto Weber

Vor fünf Monaten ist ein neues Führungsteam unter der Leitung von Katy Wohlert angetreten, um die Einrichtung wieder auf Vordermann zu bringen. „Ich liebe Herausforderungen“, sagt Wohlert. „Auch in meiner früheren Anstellung als Leiterin eines 189-Betten-Hauses in Erfurt gab es Beschwerden über die Qualität. Dabei hat sich herausgestellt, dass die Mitarbeiter nicht das eigentliche Problem waren. Ihnen hat der Leuchtturm gefehlt.“

Wohlert will Leuchtturm sein

Dieser Leuchtturm will Wohlert auch in Nidderau sein. Dabei weiß sie, dass gut ausgebildete Fachkräfte in der schlecht bezahlten Branche schwer zu bekommen sind. Beim Thema Gehalt stoße man schnell an Grenzen. „Die Pflege muss finanzierbar bleiben“, meint die 45-Jährige. „Schließlich müssen die Bewohner am Ende die Rechnung zahlen.“

Wohlert setzt deshalb auf andere Maßnahmen. „Wichtig sind die Arbeitsbedingungen wie verlässliche Dienstpläne, damit Freizeit und Familie planbar sind. Die Dienstpläne stehen bei uns am 15. eines Monats für den Folgemonat fest. Dabei versuchen wir, Wünsche der Mitarbeiter zu berücksichtigen. Etwa, dass eine alleinerziehende Mutter keine Spätdienste macht.“

Einmal im Monat gibt es ein Mitarbeiterfrühstück zum Austausch und zur Förderung des Zusammenhalts unter den Kollegen. Im Sommer wurde mit den Familien der Angestellten gegrillt. Es sollen regelmäßig Entwicklungsgespräche stattfinden. „Es gibt viel Potenzial“, ist sich Wohlert sicher. „Es geht darum, die Stärken der Mitarbeiter zu entdecken und sie entsprechend weiterzuqualifizieren. Dadurch steigt die Zufriedenheit und am Ende auch die Qualität der Pflege.“

Probleme der Vergangenheit überwinden

Die Probleme der Vergangenheit seien oft durch Überforderung der Pflegekräfte, intransparente Entscheidungen und Unsicherheiten durch wechselndes Führungspersonal entstanden. In den Monaten nach der Übernahme der AGO durch die Alloheim-Gruppe im Sommer 2016 (siehe Infokasten), wurde das Haus nur interimsmäßig geleitet.

Nun will Wohlert das Haus mit ihrem Team neu entwickeln. Als Vorteil sieht sie dabei, dass sie früher selbst „am Bett“ gearbeitet hat. Die 45-Jährige ist seit 1997 in der Branche tätig. Nach ihrem Examen und einigen Arbeitsjahren als Altenpflegerin hat sie eine Weiterbildung zur Qualitätsmanagerin gemacht. Sieben Jahre lang hat sie freiberuflich für den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) Pflegeeinrichtungen inspiziert, unter anderem auch das Seniorenzentrum in Nidderau. Es folgte die Ausbildung zur Pflegedienst und Einrichtungsleitung.

Bewohner am wichtigsten

Durch ihren Lebenslauf kennt Wohlert die Pflege also aus mehreren Perspektiven. Die wichtigste ist ihr allerdings die ihrer Bewohner. „Diese Menschen leben hier. Für viele ist es die letzte Station. Sie sind der Chef, ich der Dienstleister. Wenn man diese Einstellung vorlebt, zieht man die Mitarbeiter mit.“ Dieser „personenzentrierte Ansatz“ betrachte den Bewohner als ganzen Menschen und sehe nicht nur seinen zu pflegenden Körper.

Dabei will Wohlert natürlich auch die Angehörigen einbinden, und auch die AGO-Engel, eine Gruppe Ehrenamtlicher, die Besuchsdienste machen, sollen in das Gesamtkonzept eingebunden werden. „Ein respektvoller Umgang mit allen an der Pflege Beteiligten verhindert Frust und schweißt zusammen.“

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