Absperrband mit Aufschrift „Kinder dürfen laut sein“ in Nidderau
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Mit Absperrband und Kommentaren aus der Online-Petition untermauerte die Initiative zur Rettung des Abenteuerspielplatzes an der Höchster Straße in Eichen ihre Forderungen.

Über 500 Unterschriften gesammelt

Widerstand gegen Seniorenzentrum: Initiative will Spielplatz in Nidderau retten

  • Jan-Otto Weber
    vonJan-Otto Weber
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An der Höchster Straße in Nidderau soll auf dem Gelände eines Spielplatzes ein Seniorenzentrum entstehen. Die Bürger wehren sich gegen diese Pläne und haben mit einer Petition mehrere hundert Unterschriften gesammelt.

Nidderau – Wegen Corona sollte es keine große Veranstaltung werden. Dennoch hatte sich offenbar rumgesprochen, dass die Initiative zur Rettung des Abenteuerspielplatzes an der Höchster Straße in Eichen am Mittwochnachmittag ihre Petition an Bürgermeister Gerhard Schultheiß (SPD) und Ersten Stadtrat Rainer Vogel (Grüne) übergeben wollte.

Denn bei schönem Spätsommerwetter hatten sich Dutzende Bürger, viele Familien, Vertreter von Parteien und auch die zugeladenen Bürgermeisterkandidaten Andreas Bär (SPD) und Phil Studebaker (CDU) eingefunden.

Stadtparlament stimmt für Zusammenarbeit mit Alten- und Pflegezentren

Eine Mehrheit von SPD und Grünen (eine Enthaltung) hatte sich mit einer zusätzlichen Ja-Stimme aus der CDU-Fraktion Mitte Dezember 2019 im Stadtparlament für eine grundsätzliche Zusammenarbeit mit den Alten- und Pflegezentren des Main-Kinzig-Kreises zur Umsetzung des Dependance-Modells an der Höchster Straße ausgesprochen.

Die übrigen CDU-Abgeordneten stimmten seinerzeit dagegen. Die FWG enthielt sich, auch aufgrund einer anhängigen Klage die Nidderhalle betreffend.

Nidderau: Eicher kämpfen für ihren Abenteuerspielplatz

Mit rot-weißem Absperrband hatte die Eicher Initiative am Mittwoch die Fläche gekennzeichnet, die nach ihren Informationen durch den Bau des Seniorenzentrums wegfallen würde. Daran hatten die Initiatoren Zettel mit über 100 Kommentaren befestigt, die bei der Online-Petition abgegeben worden seien.

Dass der Spielplatz jetzt schon ein Generationentreff sei, er auch von der Grundschule und der Kita genutzt werde, Radfahrer gern hier rasteten, es schade sei um den Baumbestand, Kinder keine Lobby hätten, ein Seniorenzentrum ja eine gute Idee sei, aber nicht ausgerechnet hier.

Initiative betont Wichtigkeit des Spielplatzes in Nidderau

„Durch die Schließung des Spielplatzes während des Corona-Lockdowns ist uns allen noch mal umso mehr bewusst geworden, wie wichtig dieser Ort für die Familien in Eichen ist“, eröffnete Andrea Knapp ihr Plädoyer für den Erhalt des Freizeitareals, das nach derzeitiger Planung als Standort für ein Seniorenheim vorgesehen ist.

Die Initiatorinnen Jennifer Kurz-Malkmus und Andrea Knapp (von rechts) übergaben über 500 Unterschriften für den Erhalt des Abenteuerspielplatzes.

Die Senioren seien hier dem Lärm der Kinder ausgesetzt und fern ab von Verkehrsanbindung und Infrastruktur im Ort „gefangen“, meinte Mitinitiatorin Jennifer Kurz-Malkmus. Knapp ergänzte, die 40 Wohnplätze, die entstehen sollten, reichten ohnehin nicht, um den prognostizierten Bedarf für Nidderau zu decken. „Warum also zweimal bauen, statt gleich größer an einem anderen Ort?“ So entstehe ein dreistöckiges Gebäude, in dessen Schatten künftig die Kinder auf engstem Raum spielen müssten.

Nidderau: Bürgermeister verspricht Bürgern Beteiligung

Bürgermeister Schultheiß dankte zunächst der Initiative, deren Engagement er als wichtige Form der Bürgerbeteiligung wertschätze. Die abgesteckte Fläche entspreche jedoch „nie und nimmer“ der Grundfläche eines Seniorenzentrums, sondern sei zu groß bemessen.

„Bisher gibt es nur einen Vorentwurf, der aus November 2018 stammt“, erläuterte Schultheiß. „Wir haben immer gesagt, dass wir die Bürger beteiligen, sobald spruchreife Pläne vorliegen.“

Bürgermeister stellt klar: Nicht alle sind gegen Seniorenzentrum

Corona hätte die Entwicklung ausgebremst, so der Rathauschef. Derzeit denke die Verwaltung darüber nach, in der Nidderhalle die Pläne unter Corona-konformen Bedingungen auszustellen, eventuell auch veranschaulicht durch eine 3-D-Animation, damit sich die Bürger damit vertraut machen könnten. Zudem betonte er, dass es durchaus auch Befürworter für ein Seniorenzentrum in Eichen gebe und beispielsweise der örtliche Arbeitskreis Dorfentwicklung und der Seniorenbeirat einbezogen worden sei.

Die Unterschriften wurden an Bürgermeister Gerhard Schultheiß (SPD) übergeben.

Zudem könne ein Seniorenzentrum im Erdgeschoss Infrastruktur in Form eines Ladens, Cafés oder einer Arztpraxis mit sich bringen. Das Dependance-Modell der APZ setze gerade auf die Integration der Senioren in ihrem Heimatdorf. Der Kontakt mit Kindern werde als „belebender Faktor“ gesehen.

Kita-Ausbau: Teil des Spielplatzes in Nidderau wird wegfallen

„Deshalb ist für uns auch die Möglichkeit, zwei Kita-Gruppen in dem Neubau unterzubringen, ein wichtiger Aspekt“, erläuterte Schultheiß. Stadtrat Vogel ergänzte, dass das Gebäude in diesem Fall näher an die benachbarte Kita heranrücken würde, wodurch eine bauliche Verbindung möglich sei. „Selbst wenn wir die bestehende Kita um zwei benötigte Gruppen erweitern, wird ein Teil des Spielplatzes unabhängig vom Bau des Seniorenzentrums wegfallen“, machte Vogel klar. „Ein baulicher Eingriff ist ein unumstößlicher Fakt.“

Abseits aller politischen Diskussionen könnten am Ende auch Gerichte ein Wörtchen über den Bau des Seniorenzentrums mitreden. Denn ähnlich wie bei der benachbarten Nidderhalle, erwägen Anwohner wohl auch beim geplanten Seniorenzentrum rechtliche Schritte, wie am Mittwoch am Rande zu erfahren war.

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