Sie wollen Unternehmern unter die Arme greifen: Wirtschaftspate Günter Stoll (rechts), Wirtschaftsförderin Tanja Woltz und Bürgermeister Gerhard Schultheiß (SPD).
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Sie wollen Unternehmern unter die Arme greifen: Wirtschaftspate Günter Stoll (rechts), Wirtschaftsförderin Tanja Woltz und Bürgermeister Gerhard Schultheiß (SPD).

Blick von außen hilft

Verein der Wirtschaftspaten berät künftig Unternehmer und Gründer Der Blick von außen hilft

  • Jan-Otto Weber
    vonJan-Otto Weber
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Nidderau – Mehr für ansässige Firmen tun, Neugründungen unterstützen, Neuansiedlungen den Weg ebnen – die Wirtschaftsförderung war schon lange vor dem Bürgermeisterwahlkampf ein zentrales kommunalpolitisches Thema in Nidderau. Vor allem die CDU pocht immer wieder darauf, Unternehmer besser zu unterstützen, um langfristig die Einnahmen aus der Gewerbesteuer zu steigern.

Bürgermeister Gerhard Schultheiß (SPD) reagierte schließlich mit der geforderten Einrichtung einer Stabsstelle für Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing. Nachdem Dr. Sarah Hüller, die im Januar die Position angetreten hatte, nach nur wenigen Monaten wieder kündigte, hat im Juni Tanja Woltz die Aufgabe übernommen (wir berichteten). Mit der Einführung einer monatlichen Sprechstunde der „Wirtschaftspaten“ kann sie nun ein zentrales Angebot präsentieren.

„Frau Dr. Hüller hatte bereits den Draht zu den Wirtschaftspaten aufgenommen“, erklärt Bürgermeister Schultheiß. „Gerade in diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist eine solche Beratung wichtig“, sagt der Rathauschef – auch mit Blick auf die Entwicklungen bei der Norma Group in Maintal, Thermo Fisher in Langenselbold oder auch die geplante Werkschließung der Continental Automotive GmbH in Karben.

„Wir schaffen damit in der Stadt eine erste Anlaufstelle für alle Gewerbetreibenden und Unternehmer, die eine praxisnahe Beratung benötigen“, erläutert Woltz. „So können wir Gewerbeanmeldungen fördern und vielleicht dazu beitragen, dass Unternehmen nicht schließen müssen, wenn sie beispielsweise keinen Nachfolger finden.“

Günter Stoll, der selbst 47 Jahre als Bankkaufmann tätig war – die meiste Zeit im Kreditgeschäft bei der Frankfurter Sparkasse, zuletzt als Abteilungsleiter –, wird erstmals am 22. September ab 9 Uhr im Familienzentrum als „Wirtschaftspate“ zur Verfügung stehen (siehe Infokasten). „Unsere rund 40 Mitglieder kommen aus dem gesamten Rhein-Main-Gebiet“, erklärt der 71-Jährige, der selbst in Altenstadt lebt. „Alle verfügen über eine 35- bis 40-jährige Berufserfahrung und sind ehemalige Fach- und Führungskräfte aus dem Banken- und Dienstleistungssektor, der Industrie und dem Handel.“

Rund 100 000 Beratungsgespräche habe der Verein seit seiner Gründung im Jahr 2002 geleistet, der von seinem Sitz in Bruchköbel aus Klienten in Hessen und Rheinland-Pfalz betreut. Das Netzwerk ist breit aufgestellt: Es bestehen Kooperationen mit Hochschulen und Jobcentern sowie Beratungsangebote in gymnasialen Oberstufen. Zudem ist der Verein Mitglied bei Verbänden und Institutionen wie der Unternehmensbörse Hessen, wo Firmeninhaber ihre Unternehmen veräußern können, wenn es nötig ist.

Das Beratungsangebot richtet sich unter anderem an Unternehmensgründer, etwa bei Erstellung von Business- und Finanzplänen, über Marketing und Vertrieb bis hin zu Gesprächsbegleitung bei Kreditgebern wie der WI-Bank oder Bürgschaftsbanken. „Wenn wir der Ansicht sind, dass die Geschäftsidee nicht trägt oder der Gründer überfordert ist, raten wir auch von einer Gründung ab“, so Stoll, der betont, dass die Vereinsmitglieder als Ruheständler völlig unabhängig sind und vor Aufnahme als Wirtschaftspaten ein Auswahlverfahren durchlaufen.

Andererseits Unternehmer können zudem ihre Bilanzen analysieren und einen Geschäftsplan erstellen lassen. „Gerade Kleinunternehmer kommen oft nicht aus der Krise und wissen nicht, warum ihr Umsatz einbricht“, berichtet Stoll. „Manchmal helfen kleine Denkanstöße, zum Beispiel ein Produkt in einer neuen Farbe anzubieten. Die Klienten sagen dann, da hätten sie auch selbst drauf kommen können. Aber der Blick von außen hilft eben.“

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