An dieser Kreuzung scheiden sich die Geister: Einige Bürger sind unzufrieden mit der Entscheidung der Unfallkommission des Main-Kinzig-Kreises für eine Ampelanlage zur Regulierung des Unfallschwerpunkts an der Ortsumgehung Nidderau. Das Verkehrsministerium und Hessen Mobil hingegen sehen darin die funktionalere und schnellere Lösung. Archivfoto: Jan-Otto Weber

Nidderau

Unfallschwerpunkt B45: Darum gibt es keinen Kreisel

Nidderau. Dem Schrecken folgt Stück für Stück die Erleichterung: Seit Einrichtung der Tempo-50-Beschilderung im November gab es auf der Ortsumgehung Nidderau am Abzweig Karben bis auf einen Zusammenstoß keinen Unfall mehr. Eine Ampelanlage soll ab dem Sommer langfristig für eine Entschärfung des Unfallschwerpunktes sorgen.

Von Jan-Otto WeberDoch eben diese Entscheidung der Unfallkommission stößt nicht bei allen Bürgern auf Zustimmung. Nicht wenige fürchten, dass sich durch eine Ampelanlage im morgendlichen Berufsverkehr große Rückstaus bilden könnten, inklusive mehr Lärm und Abgase. Andere sehen auch bei einer Ampel noch eine erhöhte Unfallgefahr und bevorzugen stattdessen den Bau eines Kreisverkehrs.

„An dem allseits bekannten Unfallschwerpunkt muss zwingend ein Kreisel entstehen“, fordert auch Kai Hoffmann, einer der beiden Söhne des am 30. Oktober tödlich verunglückten Motorradfahrers aus Altenstadt. Hoffmann und sein Bruder Benjamin Passehl, die sich seit dem Unfalltod ihres Vaters intensiv mit der Situation rund um die Ortsumgehung befassen, haben sich mit ihren Fragen auch an Hessen Mobil und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) gewandt.

Kosten spielten laut Minister keine Rolle

Die Antwortschreiben geben Aufschluss zu den Hintergründen der Entscheidung für den Bau einer Ampelanlage. So erklärt Minister Al-Wazir: „In diesem Zusammenhang hat mir meine Fachabteilung bestätigt, dass eine Lichtzeichenanlage aufgrund der zeitlichen Unterbrechung und Trennung der Verkehrsströme gegenüber der Errichtung eines Kreisverkehrsplatzes besser geeignet ist, Zusammenstöße im Einmündungsbereich der K 246 in die B 45/ B 521 wirksam zu verhindern. Unabhängig hiervon wäre die Errichtung eines Kreisverkehrsplatzes vor dem Hintergrund eines durchzuführenden Baurechtsverfahrens nur mit weitaus größerem zeitlichen Verlauf zu realisieren. Ich kann Ihnen versichern, dass die Frage der Kosten bei der Entscheidung, eine Lichtzeichenanlage und keinen Kreisverkehrsplatz einzurichten, keine Rolle gespielt hat.“

Hessen Mobil beruft sich auf „grundsätzliche Regeleinsatzempfehlungen“: „Nach den Planungsrichtlinien für Bundesstraßen kommen für die vorhandene dreiarmige Knotenpunktsform eine Verknüpfung der Entwurfsklasse der übergeordneten B 45 mit der Entwurfsklasse der untergeordneten K 246 als Kreisverkehrsanlage nicht in Betracht. Deshalb war und ist diese Ausbauform nicht weiter zu verfolgen.“

Ampelanlage kann kurzfristig installiert werden

Davon unabhängig sei auch aufgrund des konkreten Unfallgeschehens der Umbau zu einem Kreisverkehrsplatz von vorneherein deshalb nicht möglich, weil die erforderliche Leistungsfähigkeit über diese Knotenpunktslösung nicht erreicht werden könne, so die Landesbehörde weiter.

„Anhand der aktuell vor Ort erfassten Verkehrsmengen ist dies über eine entsprechende Berechnung nachgewiesen. Überlegungen zum Platzbedarf eines Kreisverkehrsplatzes oder zum Aufwand für die Planung und den Bau sind damit in der Folge nicht zielführend. Die kurzfristige Realisierung einer Lichtsignalanlage ist dagegen in der ersten Jahreshälfte des kommenden Jahres möglich.“

Hessen Mobil sieht keine Fehlplanung

Zudem betont Hessen Mobil, „dass die Planung und der Bau der Ortsumgehung Nidderau, einschließlich des betroffenen Knotenpunktes, nach den gültigen Richtlinien und Vorschriften umgesetzt worden ist“. Die Baurechtschaffung sei über ein förmliches Planfeststellungsverfahren mit sämtlichen Stufen der Beteiligung und Einwendungen erfolgt.

Nach Abwägung aller Aspekte habe schließlich das Ministerium Baurecht geschaffen. „Insofern kann von Seiten Hessen Mobil kein Versäumnis bei der Planung und dem Bau der Ortsumgehung festgestellt werden.“

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