Die Kindergräber auf dem Friedhof in Heldenbergen sind liebevoll gestaltet. Auf der benachbarten Wiese soll eine Gedenkstätte für Sternenkinder entstehen. Auch hier werden Bestattungen möglich sein. Foto: Jan-Otto Weber

Nidderau

Sternenkinder: Ideen sammeln für einen Erinnerungsort

Nidderau. Engelsfiguren. Mit Sprüchen gravierte Steine. Kerzen. Ein buntes Windrädchen, das sich leise quietschend im Februarwind dreht. Blumen.

Von Jan-Otto Weber

Auf dem Friedhof Heldenbergen verleihen die Angehörigen ihrer Trauer besonders bei den Kindergräbern auf phantasievolle und liebevolle Weise Ausdruck. Gleich neben diesem Gräberfeld, auf einer etwa 400 Quadratmeter großen Fläche nahe des Eingangs an der Friedberger Straße, soll nach einstimmigem Beschluss der politischen Gremien eine Gedenk- und Grabstätte für Sternenkinder entstehen. An diesem Nachmittag haben sich einige Frauen auf dem Friedhof zusammengefunden, um Ideen und Gedanken zur Gestaltung eines solchen Ortes auszutauschen.

Regina Wilke von der städtischen Friedhofsverwaltung hat einen ganzen Aktenordner voller Ideen, Skizzen, Gesprächnotizen und Entwürfe mitgebracht. Wilke hat sie im Internet, von anderen Gedenkstätten und in Gesprächen gesammelt. Besonders ein Treffen im Familienzentrum mit betroffenen Familien hat wertvolle Anregungen gebracht.

Bereich mit Sitzmöglichkeiten

Auf jeden Fall soll es einen Bereich mit Sitzgelegenheiten geben, wo sich Angehörige auch länger aufhalten können. Es könnte eine Art natürlicher Pavillon aus Dachplatanen oder Hainbuchen sein. Die Anordnung des Grab- und Gedenkfeldes könnte strahlen- oder spiralförmig erfolgen und auf einem „Weg der Hoffnung beziehungsweise der Trauer“ begehbar sein.

Pflastersteine des Weges könnten mit Plaketten zur Erinnerung an Sternenkinder versehen werden. Ebenso sind im Gras eingelassene Gedenkplatten in sternform möglich, wie sie auch auf dem Hanauer Hauptfriedhof verlegt sind.

„Wertige Tafeln oder Schilder aus Messing mit Gravur sind für etwa 20 bis 40 Euro zu bekommen“, sagt eine der Frauen. Sie ist Goldschmiedin von Beruf und an diesem Nachmittag spontan mit der ihr befreundeten Hebamme Cornelia Meister aus Windecken zu dem Treffen gekommen. „Als Pendant zu so einer Plakette wäre auch ein Anhänger denkbar, den die Angehörigen als Erinnerung um den Hals tragen könnten.“

Skulptur denkbar

In der Mitte des Grabfeldes wäre eine Skulptur denkbar, zum Beispiel in Form eines Regenbogens. Die Idee, ein Wasserspiel oder eine Art Brunnen zu errichten, wird von der Gruppe schnell wieder verworfen. Die Kosten für die Errichtung und Wartung wären wohl zu hoch. „Im Haushalt gibt es derzeit noch kein Budget“, erklärt Regina Wilke. „Deshalb geht es zunächst darum, Anregungen und Wünsche zu sammeln. Ich erstelle daraus eine Vorlage, die ich bis Ende März dem Magistrat vorstellen soll.“ Ellen Neubert von der Bürgerstiftung sagt Unterstützung zu und ruft weitere Sponsoren auf, das Projekt zu fördern.

Simone Heider-Geiß, Pfarrerin der evangelischen Brückengemeinde Heldenbergen und Seelsorgerin am Klinikum Hanau, betont die Bedeutung von Ritualen. „Wir müssen bei allen Ideen auch an die Funktionalität eines solchen Ortes denken“, sagt sie. „Bei Bestattungen aber auch bei Trauerfeiern ohne Beisetzung müssen die Abläufe klar geregelt sein.“

Eines der zahlreichen Abschiedsrituale soll auf jeden Fall umgesetzt werden: die „Himmelspost“. Dabei bringen die Angehörigen ihre Gedanken in Worten oder Bildern zu Papier und werfen sie in einen Briefkasten. An einem festen Termin im Jahr werden diese Briefchen dann im Beisein der Familien vor Ort in einer Feuerschale verbrannt und so als Rauch zum Himmel gesendet.

Leitfaden für Trauernde

Weitere Formen des Abschieds, Ratschläge und Adressen von Beratungsstellen für Betroffene, Möglichkeiten der Beerdigung und des Gedenkens hat Regina Wilke bereits in einem Leitfaden für Trauernde zusammengefasst, der auf der Homepage der Stadt aber auch als Broschüre veröffentlicht werden soll. „Ich habe heute so viel Input gesammelt, das muss ich nun erstmal zu Papier bringen.“

Wer sich mit Ideen in den Gestaltungsprozess für die Sternenkinder-Gedenkstätte einbringen will oder seine künstlerische beziehungsweise finanzielle Unterstützung anbieten möchte, kann sich bei Friedhofsverwalterin Regina Wilke unter 0 61 87/ 29 91 73 oder per E-Mail an regina.wilke@nidderau.de melden.

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