Kommt sie oder kommt sie nicht? Der Betrieb der Niddertalbahn läuft selten störungsfrei. Pendler sind genervt. Politiker suchen nach Auswegen. Im Gespräch ist jetzt ein Wasserstoffantrieb. Archivfoto: Dagmar Gärtner

Nidderau

Ein Spottlied übers Lieschen: Pendler sind weiter frustriert

Nidderau/Schöneck/Niederdorfelden. Jetzt gibt es schon ein Spottlied über das „Lieschen“, die Bahnstrecke Frankfurt – Glauburg über Niederdorfelden, Kilianstädten und andere Orte auf der Route.

Von Rainer Habermann

Für Pendler nach Frankfurt ist sie ein Muss, und was sich auf dieser Linie, die vom Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) gemanagt wird, abspielt, ist heftig. Nachzulesen bei den täglichen Posts in der Facebook-Gruppe „Stockheimer Lieschen“, in der Pendler von und nach Frankfurt-Hauptbahnhof ihre Erfahrungen austauschen.

Unsere Zeitung hat mehrfach über die Beschwerden der auf die Niddertalbahn angewiesenen Pendler berichtet. Die unhaltbaren Zustände während einer Bauphase und der damit zusammenhängende Schienenersatzverkehr beschäftigten sogar das Niederdorfelder Gemeindeparlament in seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause.

Ausfallmeldungen in der App

Zugausfälle und erhebliche Verspätungen gehören allerdings zum Alltag auf dieser Strecke und sind nicht nur Ausnahmefälle während Bauarbeiten an Gleisen oder Anlagen. Alleine in der Woche vom 15. bis 21. Juli waren es deren drei, nebst etlichen Verspätungen im Bereich oberhalb 15 Minuten.

In der darauffolgenden Woche schauten auch schon wieder Dutzende Fahrgäste verdutzt auf die Ausfallmeldung in der RMV-App, sofern sie diese denn haben. Aber nicht alle haben sie. „Lieschen kommt und kommt nicht . . . hunderte von Leuten warten umsonst . . . keine Durchsagen . . .“, postet ein Gruppenmitglied. Am Ende kam es doch, das Stockheimer Lieschen: mit „nur“ 15 Minuten Verspätung. Dafür fiel dann der 18.16 Uhr ab Frankfurt komplett aus. Das Gleiche galt für die Bahn um 5.46 Uhr morgens ab Glauburg.

Dies alles sind nur Momentaufnahmen, die Glaubwürdigkeit der Gruppenmitglieder unterlegen aber Screenshots der entsprechenden RMV- oder DB-Navigator-Apps. Hinzu kommen Beschwerden über nicht funktionierende Klimaanlagen: eine Katastrophe bei Temperaturen oberhalb 35 Grad Celsius, wie sie erst kürzlich herrschten. Und so laufen zwar Machbarkeitsstudien über eine Elektrifizierung und den Ausbau der eingleisigen Strecke, bis zur Neuvergabe im Jahr 2028. Aber den Pendlern, die heute – und nach Ende der Sommerferien wohl wieder verstärkt die Bahn nutzen werden, hilft das wenig.

Der CDU-Landtagsabgeordnete Max Schad hat sich mit der Problematik beschäftigt und schlägt nun einen Wasserstoffantrieb für die Niddertalbahn vor. Zum Fahrplanwechsel 2022/2023 will der Rhein-Main-Verkehrsverbund einen entscheidenden Schritt zu sauberer und zukunftsweisender Mobilität gehen. 27 Züge sollen dann auf vier Strecken im Taunus mit Wasserstoff betrieben werden. Einen entsprechenden Großauftrag mit 500 Millionen Euro Gesamtvolumen hat eine Tochterfirma des Verkehrsverbunds vor wenigen Monaten erteilt.

Kommt der Wasserstoffantrieb?

„Wenn es uns gelingen sollte, auch die Niddertalbahn künftig mit Wasserstoff anzutreiben, könnte auf eine Elektrifizierung verzichtet und eine Kapazitätserweiterung schon früher als geplant umgesetzt werden“ so Schad.

Konkret erkundigt er sich bei Verkehrsminister Al-Wazir danach, welche Anforderungen grundsätzlich an eine Strecke gestellt werden, damit ein Wasserstoffantrieb in Frage kommt und ob der Einsatz von wasserstoffbetriebenen Zügen für die Strecke der Niddertalbahn bereits in Erwägung gezogen wurde.

An einer kurzfristigen Lösung wäre vor allem den Pendlern gelegen. Damit sie nicht weiter das von einem Gruppenmitglied gedichtete „Lieschen-Lied“ – frei nach der „Schwäbsche Eisenbahn“ – schmettern müssen: „Bleibt des Liessche bockisch stehn, müsse mir zu Fuß haam gehen. Jeder leeft dann gerne mit, denn des hält uns alle fit!“

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