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Schüler lernen auf Hof Buchwald die Natur kennen

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Ein Schaukasten für die "Erdfabrik": Die Schüler befüllen den selbst gegrabenen Schaukasten mit Sand, Mist, Holz und Laub, um den Regenwürmern einen attraktiven Lebensraum zu schaffen. Foto: Mike Bender
Ein Schaukasten für die "Erdfabrik": Die Schüler befüllen den selbst gegrabenen Schaukasten mit Sand, Mist, Holz und Laub, um den Regenwürmern einen attraktiven Lebensraum zu schaffen. Foto: Mike Bender

Nidderau. Im Matsch wühlen statt Mathe pauken – so lautet die Kurzfassung für den jüngsten Besuch von Bertha-von-Suttner-Schülern auf Hof Buchwald in Windecken. Denn Silke Vogel, Leiterin des Demonstrationsbetriebs für ökologischen Landbau, lenkt die Aufmerksamkeit der Jugendlichen auf das, was unter der Erde geschieht.

Von Mike Bender

„Heute soll unser selbstgebautes Regenwurm- und Wurzelschaufenster im Erdloch hinter dem Heizhaus mit Futter für die Regenwürmer befüllt werden“, erklärt Vogel, nachdem die Achtklässler beim Imbiss mit frischem Brot und Butter kräftig zugelangt haben. „Dann kann man den Würmern dabei zusehen, wie sie das Material in humusreichen Boden verwandeln.“

Monatliche Besuche der Schule

Seit August vergangenen Jahres besuchen die Schüler aus drei Klassen der Jahrgangsstufe acht einmal im Monat den Biohof. Dabei kooperiert die Bertha-von-Suttner-Schule mit der Bürgerstiftung Nidderau. Zusammen mit Silke Vogel, die seit letztem Jahr auch hessische Klimaschutzbotschafterin ist, und Umweltpädagogin Julia Grotti erarbeiten die Schüler ein Thema. Im letzten Jahr startete das Projekt zunächst mit der Besichtigung des Maislabyrinths „Erdtöne“, und die Gruppe lernte Hof und Tiere kennen.

Im Rahmen des „Schuljahrs des Klimas“ am Hof Buchwald dreht sich in diesem Jahr alles um die Auswirkungen des Klimas auf die Landwirtschaft, aber auch die der Landwirtschaft auf das Klima. Ganz real erfahrbar war dabei der Dürresommer des vergangenen Jahres. Mit einem großen Hammer trieben die Jugendlichen einen ein Meter langen Bodenprobenstab in die knochentrockene Erde und stellten so fest, dass die Durchfeuchtung der Böden sehr schlecht war.

Ein guter Ansatzpunkt also, um nun im Frühjahr nachzuschauen, wer auf dem Hof unter der Erde arbeitet, denn der gut zu bearbeitende Lößboden rund um den Hof ist die Grundvoraussetzung für die ertragreiche Landwirtschaft.

Reinknien in den Matsch

Und so knien sich die Jugendlichen beim Ausheben des Erdlochs trotz des Regens an diesem Märztag so richtig rein. Eine andere Gruppe zieht inzwischen los, um Sand, Mist, Holz und Laub zu sammeln, die anschließend in dem Loch aufgeschichtet werden. Durch eine seitlich im Boden eingelassene Glasscheibe sollen Besucher später eine gute Sicht auf die Regenwürmer in der „Erdfabrik“ bekommen.

Beim anschließenden „Fangen“ der Würmer sind allerdings nicht alle so begeistert dabei. Einige der Teenager ziehen die glitschigen Tiere vorsichtshalber mit einer zum Handschuh umfunktionierten Plastiktüte aus der Erde, während andere beherzt den Boden umpflügen.

Horst Körzinger, Vorsitzender der Bürgerstiftung, schaut den Jugendlichen dabei interessiert über die Schulter. „Ist denn am Mysterium vom teilbaren Regenwurm etwas dran?“, wendet er sich an Vogel. „Nein, teilen kann man sie zwar, aber es lebt nur der vordere Teil weiter“, entgegnet die Landwirtin. „Die Tiere leben bis zu zwei Meter tief im Boden. Ihr verzweigtes Röhrensystem ist eine unerlässliche Belüftung für den Boden und sorgt dafür, dass Wasser gut abfließen kann.“

Mulchschicht der Vögel

Im Herbst lässt Vogel auf den Feldern des Hofes eine Mulchschicht liegen. Größere Pflanzenteile nehme der Regenwurm mit in tiefere Schichten und sorge so für eine gute Nährstoffversorgung tiefwurzelnder Pflanzen, was sich wiederum direkt auf das Grundwasser auswirke.

„Die Gesellschaft braucht die Kenntnisse aus der Landwirtschaft, um zu verstehen, warum manches Würstchen im Supermarkt so billig ist“, sagt Vogel. „Muss denn jeder, der Politik machen will, studiert haben?“, fragt die gelernte Erzieherin und Religionspädagogin, die für die Grünen im Stadtparlament sitzt und sich auch in Verbänden engagiert. Stattdessen wäre es besser, wenn sich junge Menschen durch praktische Erfahrungen angeregt für ein Umweltthema interessierten.

Schüler lernen fleißig

„Man schafft Unmündigkeit, wenn man den Schülern nicht die Möglichkeit gibt, zu erfahren, wo ihre Lebensmittel herkommen.“ Dass viele Dinge bei den Schülern hängen bleiben und „keimen“, wie Vogel es beschreibt, zeigt sich, als Körzinger in die Runde fragt, wie die Jugendlichen Plastik vermeiden. Prompt kommen die Antworten: Pilze lose mit dem Einkaufskorb statt in Plastik abgepackt kaufen oder Joghurt im Glas. Das Umweltbewusstsein hat längt die jüngere Generation erreicht, wie ja auch gegenwärtig bei den freitäglichen Klimademonstrationen zu sehen ist.

„Was ich mir von den Schülerinnen und Schülern wünsche ist, dass vor allem sie nach dem Vorbild 'Fridays for Future' reden und ihre eigenen Gedanken teilen und nicht nur Erwachsene das Sagen haben“, sagt Vogel. Auf Hof Buchwald funktioniert das schon.

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