Katharne Mehrling in den Straßen von Berlin: Die Sängerin und Schauspielerin ist in Nidderau aufgewachsen, lebt aber heute in der Bundeshauptstadt. Foto: PM/Jérome Tripier-Mondancin

Nidderau/Berlin

Sängerin und Schauspielerin Katharine Mehrling erhält Preis

Nidderau/Berlin. In Hanau geboren, in Ostheim aufgewachsen – heute lebt die erfolgreiche Schauspielerin und Sängerin Katharine Mehrling in Berlin.

Von Gabriele Reinartz

Vor wenigen Tagen wurde sie im Rahmen der Bad Hersfelder Festspiele für ihre Rolle der Fanny Brice in „Funny Girl“ mit dem Großen Hersfeldpreis 2019 ausgezeichnet. Sie spiele mit außerordentlicher physischer Präsenz, begeistere die Zuschauer facettenreich und mit fulminanter Stimme, begründete die Jury ihre Entscheidung.

Mit Schauspielerei und Singen sich künstlerisch ausdrücken

Hinter all dem steckt ein Kraftakt, wie sie selbst verrät. „Sowohl Theaterspiel als auch Singen sind Handwerk, verbunden mit einer großen Portion Leidenschaft. Leichtigkeit auf der Bühne darzustellen, bedeutet Arbeit. Wenn man dann aber eine Basis geschaffen hat, kann man auf der Bühne fliegen.“ – „Funny Girl“ habe sie schon vorher in Dortmund und Nürnberg gespielt. Für Bad Hersfeld habe sie die Figur neu entdeckt. „Ich lerne noch immer jeden Abend von Fanny Brice, von ihrem unerschütterlichen Optimismus, von ihrem Glauben an sich selbst, trotz jeglicher Widerstände.“

In Produktionen wie dieser könne sie ihre beiden Berufe, Schauspielerin und Sängerin, kombinieren und ihrem Drang, sich künstlerisch auszudrücken, bestens nachkommen. „Ich schreibe ja auch eigene Songs. Mir stellte sich nie die Frage, etwas anderes als Künstlerin zu werden“, bilanziert sie.

Mehrling kommt aus einer musikalischen Familie

Und das wundert nicht. Denn Mehrling kommt aus einem sehr musikalischen Haushalt. „Eine Kindheit wie die meine würde man in einem hessischen Dorf, aus dem ich ja komme, überhaupt nicht vermuten. Meine Eltern hatten in Nidderau-Ostheim eine legendäre Musikkneipe, 'Die Tenne', die in der ganzen Region bekannt war. Jeden Abend spielte bei uns eine andere Band. Meine Mutter sang Chanson und Jazz, mein Vater spielte Klavier und Akkordeon“, erzählt sie. So ein familiärer Hintergrund präge schon sehr. „Es war daher selbstverständlich, dass auch ich relativ früh mit dem Singen anfing, genauer gesagt, mit drei Jahren. Musik wurde mir quasi in die Wiege gelegt.“

Schon als Teenager war ihr aber bewusst gewesen, dass sie mit ihren Sehnsüchten nicht in Ostheim bleiben konnte. „Nach der Schule, ich ging auf die Otto Hahn in Hanau, bin ich direkt nach London gezogen, um dort meine Schauspielausbildung zu machen.“ Sie habe dann auch dort gespielt, am Old Vic Theatre. „Ich war eine der ersten Deutschen, die im Londoner West End Theater spielten. Das war schon etwas sehr Besonderes“, sagt sie rückblickend.

Nach der Schule zog es sie nach London

Ihr Interesse an London ergab sich zufällig. „Ich jobbte damals bei einer Fluggesellschaft und konnte oft günstig nach London fliegen. Ich verliebte mich in diese Stadt und entschied daraufhin, mich dort ausbilden zu lassen. London inspirierte, faszinierte mich.“ Selbstverständlich sei die Metropole für die Ostheimerin zunächst ein Kulturschock gewesen. „Aber ich habe die Zeit dort sehr genossen, ich wolllte immer in die Großstadt.“ London wurde für Mehrling zwei Jahre zur Heimat, danach zog es sie für jeweils ein halbes Jahr zuerst nach Paris, dann nach New York.

Heute lebt sie in Berlin. „In Deutschland kam für mich eigentlich nur Berlin in Frage. Es ist kulturell am spannendsten. Ich bin sehr glücklich, dass ich dort auch meine künstlerische Heimat gefunden habe, zum Beispiel die Komische Oper, wo ich schon viele wunderbare Rollen gespielt habe.“ Auch die Bundeshauptstadt hat Mehrling sehr herzlich aufgenommen. Bereits fünfmal wurde sie dort mit dem Publikumspreis „Goldener Vorhang“ ausgezeichnet.

Regelmäßiger Besuch in Ostheim

Nach Ostheim kommt sie regelmäßig. Ihre Geschwister sind dort geblieben. Auch den hessischen Humor hat sie sich bewahrt. „Man trägt ja immer seine Heimat im Herzen mit sich. Außerdem liebe ich Bodenständigkeit, Ursprüngliches – bin halt in diesem Sinne ein Kind vom Lande geblieben.“ Und, ei sischer babbele sie noch Hessisch. Das verlerne man doch nicht. Die Melodie und vereinzelte Worte habe sie noch drauf.

Wenn in rund zehn Tagen die Bad Herfelder Festspiele zu Ende gehen, reist Mehrling nach New York und Indianapolis, wo sie zum zweiten Mal ein Konzert geben wird. Im Dezember steht sie für einen Weill-Abend in der Komischen Oper auf der Bühne. Gesungen werden Lieder, die Weill einst im Exil schrieb. Vielleicht sind auch dann ihre Geschwister wieder dabei, die, so oft sie können, zu den Konzerten und Produktionen ihrer jüngsten Schwester anreisen.

Und wenn tatsächlich mal nichts im Terminkalender steht, entspannt sich Mehrling bei einem guten Essen, gerne auch selber gekocht. Sport und Yoga stehen dagegen nur selten auf dem Programm. „Die Bühne ist Hochleistungssport genug“, sagt sie, „ich gehe dann lieber mit meinem Hund raus in die Natur.“

Der Große HersfeldpreisMit dem Großen Hersfeldpreis werden Darstellerinnen und Darsteller ausgezeichnet, die die weiträumige Bad Hersfelder Festspielstätte in Spiel und Sprache beherrschen und die sich in ihr als rollenausschöpfende Schauspielerpersönlichkeiten erweisen. Der erste Preisträger war im Jahr 1962 Hans Caninenberg. Zu den Preisträgern gehörten seitdem unter anderem auch Volker Lechtenbrink, Uwe Friedrichsen, Mario Adorf, Tilly Lauenstein, Helen Schneider, Christian Schmidt und Christian Nickel. Die Große Hersfeldpreis wird von der Stadt Bad Hersfeld und der Gesellschaft der Freunde der Stiftsruine alljährlich vergeben. fmi

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