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Offenes Format: Die Bürger diskutierten sowohl in großer Runde unter Moderation von Dr. Klaus Winkler als auch an vier „Mobilitätsinseln“. Nidderaus Bürgermeister Gerhard Schultheiß (SPD) und Erster Stadtrat Rainer Vogel (Grüne) stellten sich abschließend den Fragen auf dem „Roten Sofa“.

Bürgerforum

Reges Interesse beim zweiten regionalen Forum zum „Masterplan Mobilität“

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Konzentriert hörten die Bürger den Beiträgen der Vertreter des Regionalverbandes Frankfurt/Rhein-Main zu. Und ebenso konzentriert formulierten und diskutierten sie im Anschluss daran an den einzelnen „Mobilitätsinseln“ ihre Ideen und Wünsche zur Verbesserung der Infrastruktur in ihrer Region.

Etwa 80 Bürger waren am Donnerstagabend zum zweiten von vier regionalen Bürgerforen in die Willi-Salzmann-Halle in Windecken gekommen, um mit Vertretern des Regionalverbands etwa drei Stunden lang über den „Masterplan Mobilität“ zu diskutieren. Dieser soll die Verkehrswende in der Region auf den Weg bringen. 

An Mobilitätsinseln konnten die Teilnehmer konkrete Vorschläge zu den vier Themen „Wende im Kopf“, „Prozess“, „Machen“ und „Weiteres“ einbringen. Die Ergebnisse wurden festgehalten und anschließend in größerer Runde der jeweilige Tipp des Tages vorgestellt: Flächendeckendes Carsharing, die Belebung alter Bahnhöfe, Mitfahrbörsen bei Zugausfällen und die Mobilitätsbildung bereits im Kindesalter. Ein Aspekt, der bislang noch nicht in den Themenkatalogen auftauchte.

 „Ich finde, dass viel stärker ein Fokus auf kleinere Projekte gelegt werden sollte“, sagte beispielsweise einer der Teilnehmer. „Damit meine ich die zum Teil viel zu hohen Bordsteine für Rollstuhlfahrer oder kaputte Laternen. Das sind vergleichsweise kleine Projekte für wenig Geld, die man relativ einfach und schnell umsetzen könnte. Aber an wen müsste man sich da wenden, um diese anzustoßen?“

Stockheimer Lieschen eines der besprochenen Themen

Für Walter Heidrich aus Heldenbergen und Viola Haßdenteufel aus Ostheim sind es dagegen die Radwege für den Alltag, die einer dringenden Verbesserung bedürfen. „Um auf mein Auto verzichten zu können, muss ich mit dem Fahrrad zum Teil über Feldwege fahren“, erzählt Heidrich. Besonders in Heldenbergen und Eichen seien die Fahrradwege schlecht ausgebaut. „Es gibt einige kritische Stellen, an denen man die Straßenseite wechseln muss, weil der Radweg plötzlich endet.“ Haßdenteufel dagegen führt die zum Teil schlechten Straßenzustände an. „Wenn es dann so regnet wie in diesen Tagen, dann sind die Radwege zum Teil ziemlich rutschig.“

Wer Straßen baut, erntet Verkehr – dies war einer von zahlreichen Denkanstößen, die an verschiedenen Tafeln gesammelt wurden.

 „Warum tun wir uns so schwer?“, fragte Barbara Heilmann und bezog sich damit auch auf den Ausbau von Radwegen. „In Skandinavien und den Niederlanden sind breite Radwege gang und gäbe. Diese zu bauen sollte doch wesentlich günstiger sein als beispielsweise der Bau von U-Bahnen“, argumentierte sie. 

Auch das Stockheimer Lieschen, der Regionalzug zwischen Frankfurt und Stockheim/Glauburg, sollte endlich mal ausgebaut werden, war zu hören. Die Probleme seien doch bekannt. Zu wenig Fahrten pro Stunde und Unverlässigkeit, weil oft unpünktlich, waren die Kritikpunkte. Mehr Verbindungen in der Stunde wünschte sich auch Dennis Linke, der täglich mit dem Zug von Heldenbergen nach Frankfurt fährt. „Morgens ist der Zug brechend voll. Ich fände daher eine Alternative zum Zug gut, damit ich nicht nur auf diese eine Verbindung angewiesen wäre.“ 

Mobilitätsdezernent des Regionalverbandes Rouven Kötter (SPD) zeigt sich begeistert

Alois Müller aus Windecken schlug vor, außerhalb der Stoßzeiten vor allem in entlegeneren Ortsteilen auf ein Rufbussystem umzustellen, damit auch dort für Mobilität gesorgt sei. „Und der Bahnhof in Heldenbergen muss dringend barrierefrei werden. Für Fahrräder und Kinderwägen könnte man dieses Problem leicht mit Schiebeschienen lösen“, merkte er an. 

Eine Vereinheitlichung der Tempovorgaben innerhalb kurzer Straßenabschnitte war ebenfalls ein Wunsch, der an diesem Abend geäußert wurde. Beispiel Konrad-Adenauer-Allee: Während in Fahrtrichtung Heldenbergen in Höhe des Forums eine Tempo 30-Zone ist, beginnt nur wenige Meter danach eine Tempo 50-Zone. Eine Vereinheitlichung wäre eine wesentliche Verbesserung, war zu hören. Ausgebaute Radwege für den Alltag, bessere Taktung bei Zugverbindungen, Barrierefreiheit in Straßen und Bahnhöfen – die Wünsche und Ideen der Bürger aus Windecken und Umgebung waren vielseitig. Bleibt nun abzuwarten, was der Regionalverband daraus macht. 

Der Erste Beigeordnete und Mobilitätsdezernent des Regionalverbandes Rouven Kötter (SPD) zeigte sich im Nachhinein jedenfalls begeistert über die engagierte Beteiligung der Bürger: „Wir haben in unserer Region eine große Aufenthaltsqualität in den Städten, Dörfern und Landschaften. Wir brauchen aber auch Bewegungsqualität im Straßenraum, auf den Schienenstrecken und Wegen. Ich finde es stark, wie viele Menschen an der Erreichung dieses Zieles interessiert sind und daran mitarbeiten.“

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