Keine einfache Lösung in Sicht: Eine Enthärtung des Ostheimer Wassers würde teuer werden. Symbolbild: Pixabay/Henryk Niestrój

Nidderau

Ostheimer Wasser wird wohl hart bleiben

Nidderau. Ein buntes Programm und großes Bürgerinteresse kennzeichneten die 14. öffentliche Sitzung des Ostheimer Ortsbeirats am Mittwochabend im Kolleg über der Bürgerhaus-Gaststätte. Zehn Themen standen auf der Agenda des städtischen Gremiums, viele von ihnen allerdings nur zur Kenntnisnahme.

Von Rainer HabermannDoch gleich der erste Punkt erheischte allergrößte Aufmerksamkeit: vor allem bei den Anwohnern der Kirchgasse im Stadtteil, die wohl extra wegen dieses Themas gekommen waren. Hier ist nämlich die Unzufriedenheit mit der Parkplatzsituation groß. Anlieger beschwerten sich, dass sie, wenn sie manchmal abends von der Arbeit kämen, teilweise überhaupt keinen Platz mehr für ihr Auto vorfänden. Zudem werde es manchmal auch für Rettungsfahrzeuge eng, in der Kirchgasse an parkenden Pkw vorbeizukommen. Ob denn nicht eine Regelung gefunden werden könne, wenigstens teilweise auf dem Bürgersteig zu parken? Oder die Bürgersteige sogar zurückzubauen?

Parken in der Kirchgasse: Zwölf feste Parkplätze sollen markiert werden

Derartigen Gedanken konnte Alexandra Laubach vom Fachdienst Ordnungswesen, die an der Sitzung für diesen Tagesordnungspunkt teilnahm, allerdings nur eine Absage erteilen. Wohl aber konnte sie Lösungsvorschläge unterbreiten, die schließlich in der „Variante 3“ die Zustimmung der meisten anwesenden Bürger und das einmütige Nicken der Ortsbeiratsmitglieder fand. Demnach sollen zwölf feste Parkplätze markiert werden (mehr gehe nicht in der Kirchgasse) und das Parken dort zeitlich beschränkt, aber mit dem Vermerk „Anlieger frei“ versehen werden.

Weiter ging es mit Verkehrsfragen und dem leidigen Thema der Bushaltestelle am Ostheimer Bahnhof (unsere Zeitung berichtete) und der Art von Bussen, die sich bisher durch die Ringstraße „quälen“. Ortsvorsteher Klaus Mehrling (SPD) verlas eine Stellungnahme der Stadtverwaltung zum Sachstand, wonach ein Mietangebot der DB-Immobilen vorliege über eine monatliche Pacht von 394 Euro für eine knapp 1000 Quadratmeter große Freifläche nördlich vor dem Bahnhofsgebäude. Dort, fußnah zu den Bahngleisen, könnte nach den Vorstellungen des Ortsbeirats eine Bushaltestelle eingerichtet werden, was von den Anwohnern sehr gewünscht werde.

Allerdings sei dies nur eine Lösung auf Zeit: Die DB beabsichtigt bereits 2020 ein größeres Areal um jene Freifläche zu verkaufen, was die Lösung letztlich unattraktiv macht, da von der DB kein langfristiges Mietangebot gemacht werden könne. Und außerdem koste nach Schätzungen des Fachdienst Tiefbau alleine die Herstellung eines geschotterten Wendeplatzes für Busse an dieser Stelle rund 50 000 Euro. Doch eine Regelung müsse her, so der Ortsbeirat. Und so beschloss er einstimmig, eine deutliche Forderung an die Verwaltung zu richten, endlich „substanziell tätig zu werden“.

Kreiswerke erläutern Wasserversorgung

Teuer, unrentabel, hohe Folgekosten: So lässt sich kurz ein weiteres Thema im Ortsbeirat beschreiben, das die örtliche Wasserhärte und deren zentrale Enthärtung betrifft. Die Kreiswerke Main-Kinzig GmbH, die die gesamte Region mit dem gleich kühlen, aber sehr unterschiedlich harten Nass per Vertrag versorgt, hatte gleich drei leitende Mitarbeiter aufgeboten, im Ortsbeirat ihre Sicht auf die Kosten und Möglichkeiten einer Lieferung mit weichem oder zumindest weicherem Wasser zu erörtern.

Walter Bach vom Qualitätsmanagement des Versorgers lieferte die Fakten, und die sind in der Tat hart wie das Lebenselixier im Stadtteil: zwischen 21 und 23 Grad deutscher Härte (dH). Rund 2,5 Millionen Euro seien alleine aufzuwenden, um die Leitungssysteme und Anlagen für eine Enthärtung im sogenannten Membranverfahren zu erstellen. Denn wie bei so vielem ist eine einfache Lösung – Mischen mit anderem, weicherem Quellwasser – nicht so einfach, wie es sich anhört.

Grundwasserstände sind historisch niedrig

„Ortsnahe Quellen“ sind per Gesetz bei der Wasserlieferung unbedingt zu priorisieren. Und die liefern qualitativ hochwertigstes Trinkwasser; das einzige, was gefordert ist und von den Kreiswerken natürlich (wie von allen anderen Wasserversorgern auch) strengstens eingehalten wird. Hinzu käme die kostspielige Entsorgung von „Spülwasser“ in einer zentralen Enthärtungsanlage.

Schon allein die Menge aber könnte in naher Zukunft problematisch werden, bei anhaltenden, langen Trockenheitsperioden. O-Ton Walter Bach: „Die Grundwasserstände auch in unseren Brunnen sind bereits heute historisch niedrig.“ Niemand müsse sich ernste Sorgen machen, doch die Kreiswerke hätten bereits in diesem Jahr versucht, Großverbraucher von Wasser, etwa in der Landwirtschaft oder bei Sportvereinen, zu sensibilisieren im Umgang mit dem Verbrauch des doch kostbaren Nass.

Und auf eine pfiffige Bemerkung aus Zuhörerkreisen, ob denn nicht wenigstens hartes Wasser billiger abgegeben werden könne als weiches, wo doch so manche Waschmaschine wegen Verkalkung wesentlich früher ihren Geist aufgebe, konnte Bach auch nur antworten: „Eine unterschiedliche Bepreisung von Härten ist gesetzlich nicht vorgesehen; ebenso wenig eine Refinanzierung von Enthärtungsanlagen über den Wasserpreis“.

Das könnte Sie auch interessieren