Tanja Hubricht bei der Arbeit: Die Rinderhirtin aus Westfalen hat mit ihrem Pferd drei der Tiere in Nidderau aufgespürt und versucht sie ruhigzustellen.
+
Tanja Hubricht bei der Arbeit: Die Rinderhirtin aus Westfalen hat mit ihrem Pferd drei der Tiere in Nidderau aufgespürt und versucht sie ruhigzustellen.

Nidderau

Tiere in Nidderau verschwunden: Halterin setzt auf Spezialeinheit

  • Holger Weber-Stoppacher
    VonHolger Weber-Stoppacher
    schließen

In Nidderau sind speziell dafür ausgebildete Reiter entlaufenen Kühen auf der Spur. Vier der entlaufenden elf Tiere machen sich noch rar.

Nidderau – Gute eine Woche nachdem in Nidderau elf Rinder entlaufen waren, ist der Großteil der Herde wieder unter Kontrolle. Flüchtig sind derzeit nur noch vier Tiere. „Wir hoffen, dass wir sie an diesem Wochenende einfangen können“, zeigt sich Halterin Katja Jost zuversichtlich. Sie und ihr Mann Christoph haben beim Versuch, die Rinder wieder auf ihre Heimatweide zurückzuführen, in der vergangenen Woche professionelle Hilfe in Anspruch genommen.

Seit einigen Tagen sind zwischen Eichen und Höchst Marco und Tanja Hubricht mit ihrem Team im Einsatz. Vor zwei Jahren hat das Ehepaar aus Hagen die Firma mit dem Namen „Rinderhirten RH UG“ gegründet. Die Hubrichts haben sich unter anderem auf das Einfangen ausgebüchster Rinder spezialisiert und bilden auch bundesweit Reiter darin aus.

Tiere in Nidderau noch flüchtig: „Cowboys“ beweisen Ruhe

Das Wort „Cowboy“ hört Marco Hubricht in diesem Zusammenhang allerdings nicht gerne. „Wir sind alles andere als das, was man sich gemeinhin darunter vorstellt“, sagt der Westfale. Und Menschen, die meinten, sie könnten beim Einfangen der Tiere agieren „wie ein John Wayne im Western“, den zeige er bei seinen Lehrgängen gleich die Rote Karte, sagt er.

Anders als in Amerika könne man im dicht besiedelten Deutschland keine Rinder bis zur Ermüdung treiben. Für Hubricht und dessen Frau sowie deren speziell ausgebildeten Pferde liegt dagegen in der Ruhe die Kraft. „Manchmal verharren wir eine Viertelstunde in der gleichen Position“, skizziert er die Technik, wie er die Rinder ruhig stellt. Ihre Pferde haben einen siebten Sinn für die Rinder und können diese auch in dichtem Wald aufspüren.

Zu Pferd werden die Tiere überlistet: Reiter sind für Kühe unsichtbar

Die Hubrichts nutzen darüber hinaus den Vorteil, dass Rinder Menschen kaum wahrnehmen, wenn diese auf dem Rücken eines Pferdes sitzen. „Es ist uns in Nidderau gelungen, bis auf fünf Meter an sie heranzukommen und sie ruhigzustellen“, berichtet der Fachmann. In dieser Zeit versetzt ein hinzugerufener Veterinär die Tiere mit einem Schuss aus dem Blasrohr in einen Dämmerzustand. „Gelingt dies, kann man die Tiere am Seil wieder auf ihre Weide führen“, ergänzt Hubricht.

In Nidderau haben sie in den vergangenen Tagen auf diese Weise zwei Tiere eingefangen, wenngleich es ein hartes Stück Arbeit gewesen sei. „Einmal ist der Tierarzt zu spät gekommen, da sind sie uns wieder ausgebüchst.“ Mit einem Rope, so nennen die Rinderhirten fachmännisch das Lasso, könnten nur Jungtiere bis zu einem Gewicht von etwa 200 Kilogramm eingefangen werden. Bei Kolossen, wie sie derzeit zwischen Höchst und Eichen auf der Flucht sind, würde das nicht funktionieren. „Die Tiere bringen bis zu 450 Kilogramm auf die Waage, die können Sie mit einem Seil nicht bändigen“, winkt der Fachmann ab.

Tiere auf der Straße: Polizei warnt via Navi vor den Rindern

Seit Tagen werden Autofahrer auf der Bundesstraße 521 von ihren Navigationsgeräten zur besonderen Vorsicht zwischen Eichen und Höchst gebeten. Die Polizei hat den Warnhinweis einspeisen lassen, weil sich die Tiere auf beiden Seiten der Bundesstraße befinden und es nicht ausgeschlossen werden kann, dass sie versuchen, die Straße zu überqueren. Der Gedanke bereitet Christoph und Katja Jost bereits seit einigen Tagen schlaflose Nächte.

Rinderhirte Marco Hubricht schätzt die Lage dagegen relativ entspannt ein. Beim flüchtigen Teil der Herde habe sich eine neue Leitkuh herauskristallisiert, die kein Interesse daran habe, ihre neue Herde zur alten zurückzuführen. Dennoch: Vorsicht sei immer angebracht, sagt er.

Frankfurt Ironman: Tiere werden hoffentlich rechtzeitig eingefangen

Am kommenden Sonntag werden sich im Rahmen des Frankfurter Ironman-Triathlons auch Radfahrer auf dieser Strecke befinden. „Bis dahin sind Rinder hoffentlich wieder alle im Zaum“, hofft Katja Jost. Eine Gefahr gehe von den Tieren für Menschen nicht aus. Anders als etwa spanische Kampfstiere, an denen die Hubrichts unter anderem ausgebildet wurden, seien normale Rinder nicht aggressiv. Bei den Rindern in Nidderau handele es sich um völlig harmlose Tiere, so der Fachmann. Sie könnten nur dann gefährlich werden, wenn sie gereizt oder etwa von einem nicht angeleinten Hund provoziert würden. „Den könnten sie fälschlicherweise für einen Wolf halten“, warnt Hubricht. (Holger Weber)

In Maintal sind ebenfalls Spezialeinheiten zum Wohle der Tiere unterwegs: Der Feldhamster ist in Hessen vom Aussterben bedroht. Manfred Sattler hilft dabei, ihren Bestand jährlich zu erfassen.

Das könnte Sie auch interessieren