1. Startseite
  2. Region
  3. Nidderau

In Nidderaus Neuer Mitte wird rege gebaut

Erstellt: Aktualisiert:

Im Baugebiet hinter dem Einkaufszentrum Nidder Forum reihen sich die Ein- und Mehrfamilienhäuser aneinander. Doch nicht jeder kann sich ein solches Zuhause leisten. (Foto: J. Weber)
Im Baugebiet hinter dem Einkaufszentrum Nidder Forum reihen sich die Ein- und Mehrfamilienhäuser aneinander. Doch nicht jeder kann sich ein solches Zuhause leisten. (Foto: J. Weber)

Nidderau. „In Nidderau tut sich was“, stellt Bürgermeister Gerhard Schultheiß in der Oktober-Ausgabe des städtischen Mitteilungsblattes „Bürgerpost“ fest und blickt dabei mit Stolz auf die rege Wohnungsbautätigkeit in der Neuen Mitte.

Von Jan-Otto Weber

Verfolgt man jedoch die Diskussionen in Internetforen, stößt man auch auf Kritiker. Bezahlbarer Wohnraum wird knapp und auch die Flüchtlinge harren in ihren Sammelunterkünften auf eine angemessene Unterbringung. Wir machen eine Bestandsaufnahme.

Es ist eine der großen politischen Herausforderungen der Gegenwart. „Wenn Wohnen unbezahlbar wird – was muss die neue Regierung tun?“ lautete etwa der Titel der ARD-Sendung „Hart aber fair“ am vergangenen Montag. Frankfurts Einwohnerzahl wächst seit Jahren. Im vergangenen Jahr zählte die Stadt knapp 730 000 Einwohner, ein Rekord. Schätzungen zufolge könnten bis zum Jahr 2030 weitere 80 000 Menschen nach Frankfurt ziehen. Der Druck auf den Wohnungsmarkt wird also weiter steigen. Das wirkt sich auch auf das Umland aus, wie sich etwa am Beispiel des gerade veröffentlichten Maintaler Mietspiegels zeigt (wir berichteten).

122 Wohnbaugrundstücke standen zum Verkauf

Wer es sich leisten kann, nutzt die Niedrigzinsphase und baut oder kauft Wohneigentum. Auch in Nidderau. Wie die Stadt in der „Bürgerpost“ mitteilt, standen in den vergangenen Jahren 175 Bauplätze verschiedenster Größe und für unterschiedliche Bebauung zur Verfügung. Aktuell könnten von der Stadt jedoch keine Bauplätze mehr erworben werden.

Im Baugebiet „Neue Mitte“ standen demnach 122 Wohnbaugrundstücke zum Verkauf. „100 Wohnbaugrundstücke wurden bereits veräußert, was einen bisherigen Erlös von rund 19 Millionen Euro erbrachte“, so die Mitteilung. „Darunter der Grundstücksverkauf des Geschosswohnungsbau, mit 3,56 Millionen Euro. Mit dem Verkauf der restlichen 22 Grundstücke wird sich der Gesamterlös auf rund 20,98 Millionen Euro summieren.“

Weitere Baugebiet werden vorbereitet

Auch in den Baugebieten „Verlängerte Wehrstraße“ in Eichen oder „Auf der Specke“ in Erbstadt sind keine Grundstücke mehr zu haben. Dort hat die Stadt zusammen etwa 3,9 Millionen Euro erlöst. Weitere Baugebiete werden derzeit vorbereitet, heißt es aus dem Rathaus. „Wir verfügen in Nidderau noch über 40 Hektar Zuwachsfläche, die bereits im Flächennutzungsplan vorgesehen sind“, erklärt Bürgermeister Schultheiß auf Anfrage unserer Zeitung. „Dazu zählen die Erweiterung der Allee Süd und Allee Mitte entlang der Ortsumgehung oder das Baugebiet Mühlweide in Ostheim. Dort wird es bis zur Baureife aber sicher noch drei Jahre dauern.“

Schultheiß macht die weitere Ausweisung von Bauland von Faktoren wie dem Erschließungsaufwand und der Infrastruktur abhängig. Der Entwicklungsschwerpunkt liege dabei in Windecken und Heldenbergen, wie Bauamtsleiter Steffen Schomburg betont. Zugleich würden in den Stadtteilen auch „Innenentwicklungspotenziale“ ausgeschöpft. Baulücken sollen geschlossen werden, das für Eichen bereits gestartete Leerstandskataster soll Bebauungs- und Umnutzungsmöglichkeiten aufzeigen.

Mischgebiet jenseits der B 521 als Option

Eine derzeit wieder aktuelle Option, über die bereits seit Jahren diskutiert wird, ist das Mischgebiet jenseits der B 521 in Eichen. Eine Realisierung wurde in jüngerer Vergangenheit vonseiten der Stadt abgelehnt – eben wegen des unrentablen Erschließungsaufwands. Doch nun ist ein Investor auf den Plan getreten, der sich das Projekt offenbar durchaus gewinnbringend vorstellen kann (wir berichteten). „Die Gespräche zwischen Investor und Verwaltung laufen“, so Schultheiß. „Dass das Thema noch vor Weihnachten in die Gremien geht, kann ich jedoch nicht versprechen.“

Mit 800 bis 1000 neuen Mitbürgern rechnet der Rathauschef allein in der Neuen Mitte, wie er kürzlich beim Richtfest für die Mehrfamilienhäuser der Firma VT Ingenieurbau sagte (siehe untenstehenden Artikel). Nidderau kratzt damit an der 20 000-Einwohner-Marke. Ein Zuwachs, der für die Größe der Stadt verkraftbar sei, so Schultheiß. „Es ist wichtig, dass sich die Menschen hier wohlfühlen.“

Wohnraum ist kontroverses Thema

Doch fühlen sich wirklich alle wohl? Nicht jeder kann sich einen Bauplatz für 350 Euro oder eine Eigentumswohnung für 3000 Euro pro Quadratmeter in der Neuen Mitte leisten. Die Diskussionen, die beispielsweise in lokalen Foren bei Facebook über bezahlbaren Wohnraum geführt werden, verdeutlichen die Relevanz des Themas. Nutzer berichten unter anderem von Schwierigkeiten, eine Wohnung zu finden. Bei der Stadt sind derzeit etwa 80 Personen gemeldet, die geförderten Wohnraum suchen.

Hinzu kommen die Flüchtlinge, die nach wie vor in Sammelunterkünften zum Beispiel in der Liebigstraße im Gewerbegebiet in Heldenbergen auf eine angemessene Unterbringung warten. Immer wieder kommt es zu Konflikten unter den Bewohnern. Die Stadt setzt sogar einen privaten Sicherheitsdienst ein. Wohlfühlen sieht anders aus. Immerhin wurden nun die Containerunterkünfte am Blauhaus in Windecken aufgelöst und auch am Sportplatz in Erbstadt sollten die Container in diesen Tagen abgeholt werden.

Städtisch geförderten Wohnraum schaffen

Grundsätzlich ist sich die Stadt der Probleme bewusst und will in den nächsten Monaten städtisch geförderten Wohnraum schaffen. Die Politik hat dafür Mittel im Doppelhaushalt 2017/2018 vorgesehen. „Mit Haushaltsresten stehen uns etwa zwei Millionen Euro zur Verfügung, mit denen wir ein gutes Konzept realisieren können“, so Schultheiß.

Bei einem Treffen am gestrigen Freitag sollten „ganz gezielt Ideen entwickelt werden“, wo und in welcher Weise gebaut werden könnte. Wichtig sei eine „zügige Baurechtsschaffung“, so Schultheiß. „Wir müssen uns sputen.“ Welche Grundstücke infrage kommen, wollte der Bürgermeister noch nicht sagen. „Darüber werden zunächst die Gremien informiert.“

Auch interessant