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Nidderauer Marktplatz-Spektakel sorgt für Lachsalven

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Sorgten fürso manchen Lachanfall: Torsten Sträter, Kabarettist aus dem Ruhrgebiet und bekennender Mützenträger, und das musikalische Duo „Das Lumpenpack“. Foto: Pauly
Sorgten fürso manchen Lachanfall: Torsten Sträter, Kabarettist aus dem Ruhrgebiet und bekennender Mützenträger, und das musikalische Duo „Das Lumpenpack“. Foto: Pauly

Nidderau. Bei bestem Wetter konnte auch das Abendprogramm des diesjährigen Marktplatz-Spektakels, organisiert vom Nidderauer Kulturbeirat und der Gemeinde Schöneck, auf dem Windecker Marktplatz zwischen historischen Fachwerkhäusern stattfinden.

Von Andrea Pauly

Nach dem Duo „Das Lumpenpack“, alias Max Kennel und Jonas Meyer aus Stuttgart, zwei jungen Ausnahmetalenten der deutschen Comedy-Szene, gehörte die Nacht dem Mann mit der Mütze aus dem Ruhrgebiet. Kabarettist Torsten Sträter schaffte es mit dem locker inszenierten Programm „Es ist nie zu spät, unpünktlich zu sein“, sein Publikum mehr als drei Stunden inklusive Pause bestens zu unterhalten und allenthalben herzliches Gelächter über seinen ganz speziellen Humor zu evozieren.

Seit 2001 bieten die Stadt Nidderau und die Gemeinde Schöneck dieses Spektakel, das im Wechsel als Schlossplatz-Spektakel um das historische Schloss Büdesheim und als Markplatz-Spektakel auf dem Windecker Marktplatz stattfindet. Neben lokalen Sponsoren unterstützten auch diese Veranstaltung die Kulturstiftung der Sparkasse Hanau, die Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen und der Kultursommer Main-Kinzig-Fulda. Schon beim Duo Lumpenpack wurde klar, dass die bis dato gestellten Stuhlreihen nicht reichen würden, aber man hatte vorgesorgt. Und es wurden vor Sträters Auftritt noch einige Plätze ergänzt, so dass der Marktplatz „pickepacke“ voll war mit Kleinkunst-Fans, die den Abend sichtlich genossen.

„Das Lumpenpack“ „Wir sind zwei, einer spielt Klampfe und der andere tanzt“, heißt üblicherweise das Vorstellungslied von Max Kennel und Jonas Meyer bei ihrem Programm „Steil-geh-Tour“. Sympathisch und auf den ersten Blick unspektakulär zogen die beiden jungen Männer die wohlgesonnene Aufmerksamkeit der Zuschauer gleich auf sich und garnierten ihre Lieder mit Konfetti, Anekdoten und Tiergedichten über Dobermänner, Enten und Wiesel.

Mit dieser Mischung gewann „Das Lumpenpack“ 2015 unter anderem den NDR Comedy Contest und 2016 den Prix-Pantheon-Publikumspreis. Auch die beiden jungen Männer, einer von ihnen bezeichnenderweise ehemaliger Lehramtsstudent mit „A3-Laminierführerschein und Mandala-Diplom“, kommen ursprünglich aus einer dörflichen Gegend, wo alle glücklich sein können, vorausgesetzt sie sind „hetero, katholisch und weiß“. Verlachte Heilpraktiker, „Crocs“-Schuhe und „Guacamole aus dem Thermomix“ waren weitere Liederthemen des „Lumpenpacks“, bevor sie sich verabschiedeten.

Torsten SträterDann war es Zeit für den Raum – oder besser Marktplatz – einnehmenden Torsten Sträter, der direkt verkündete, dass er nun zwei Monate Sommerpause hatte, sein Programm vergessen sei und dass er aber heute Abend auch seinen Spaß haben wolle mit den Zuschauern. Von daher müsse man sich keine Sorgen machen.

Das Programm habe auch einen roten Faden, „auch wenn Ihnen der erst am Dienstag bewusst wird“, grinste Sträter, der unter seiner Mütze und den Scheinwerfern sichtlich schwitzte, worüber er sich wortreich beklagte, aber was ebenso deutlich zu sehen war. So tat er gegen Ende der Show dann etwas höchst Seltenes, indem er die Kopfbedeckung abnahm und sich mit einem Handtuch ordentlich den Kopf rubbelte. Man konnte die Erleichterung nachempfinden.

Rührung beim Publikum Das Aussehen des Windecker Marktplatzes mit seinen Fachwerkhäusern hatte es Sträter gleich besonders angetan: „Ich dachte erst, dass sei nur eine Theater- oder Filmkulisse wie aus Game of Thrones. Ein schöner Ort, habe auf dem Weg hierher sogar ein Einhorn gesehen“ amüsierte er sich. Und schon ging es ab ins Sträter'sche Universum zwischen Arztbesuchen, Schrittzählern, All-Inclusive-Urlaub – mediterraner Mastbetrieb mit Poolhaltung –, Sprüche seiner geliebten Mutter, die vor vier Jahren verstarb und der Sträter immer noch SMS schreibt, was zu aufschlussreichen neuen Kontakten führe, wie der Kabarettist erzählte.

Geschichten über einen abstrus gelaufenen Afrika-Besuch, einen von der Familie erzwungenen Sonntagsspaziergang und ein paar „Penis-Witze“ folgten. Am Ende, als dann aber wirklich nach einigen Ankündigungen desselben „Schluss“ war, erzählte der aus Dortmund stammende Kabarettist noch eine wahre Anekdote über seine Oma, die so herzerfrischend war und von Sträter abschließend so kommentiert wurde, dass sie neben den Lachsalven auch noch für ein wenig Rührung beim Publikum sorgte – er hat eben auch ein großes Herz, „Der Sträter“.

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