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Nidderau: Unternehmensumfragen von IHK und Stadt im Ausschuss vorgestellt

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Von: Jan-Otto Weber

Richtungsweiser: Schilder zeigen an der Kreuzung Windecker Straße / Büdesheimer Straße / Konrad-Adenauer-Allee in Heldenbergen den Weg zu ortsansässigen Unternehmen. Wohin sich der Wirtschaftsstandort entwickelt, haben IHK und Stadt in Umfragen ermittelt.
Richtungsweiser: Schilder zeigen an der Kreuzung Windecker Straße / Büdesheimer Straße / Konrad-Adenauer-Allee in Heldenbergen den Weg zu ortsansässigen Unternehmen. Wohin sich der Wirtschaftsstandort entwickelt, haben IHK und Stadt in Umfragen ermittelt. © Jan-Otto Weber

Wie zufrieden sind ortsansässige Unternehmen mit dem Wirtschaftsstandort Nidderau? Dazu gab es in den vergangenen beiden Jahren gleich zwei Befragungen – eine der Industrie- und Handelskammer Hanau–Gelnhausen–Schlüchtern und eine der Stadt Nidderau.

Nidderau – Ergebnis: Es ist noch Luft nach oben. Aber: Die Tendenz zeigt eine Verbesserung auf, wie Bürgermeister Andreas Bär (SPD) gemeinsam mit Selina Lukas von der IHK am Mittwochabend anhand einer Präsentation im Haupt- und Finanzausschuss aufzeigte.

Dass man nicht von mehr als einer Tendenz sprechen könne, liege daran, dass der Rücklauf eher mäßig gewesen sei, erläuterte Lukas. Von 198 Nidderauer Unternehmen, die den von mehreren IHKs standardisierten Fragebogen zu insgesamt 36 harten und weichen Standortfaktoren bekommen hätten, antworteten lediglich 21. Doch dies treffe auch auf die anderen der sieben größten Kommunen des Main-Kinzig-Kreises zu, die für die Befragung ausgewählt worden waren (Hanau, Maintal, Gelnhausen, Bruchköbel, Langenselbold und Schlüchtern).

Nur Tendenzaussagen möglich

Ein weiterer Umstand, der die Vergleichbarkeit der Umfragen erschwert: Während die IHK nur Unternehmen berücksichtigt hat, die im Handelsregister stehen, hat die Stadt Nidderau etwa auch Handwerksbetriebe einbezogen. Hinzu kommt der Faktor Zeit. So fand die Befragung der IHK im vierten Quartal 2020 statt, unter dem unmittelbaren Eindruck der Corona-Krise. Die Studie der Stadt Nidderau wurde im Jahr 2021 durchgeführt, unter Federführung von Wirtschaftsförderin Tanja Woltz. Wobei die Stelle erst im Januar 2020 geschaffen wurde.

Der Erkenntnisgewinn der Umfragen liege deshalb auch nicht darin, nach „Schuldigen“ zu suchen, sondern Verbesserungsmöglichkeiten zu identifizieren, erklärte Lukas. Für Bürgermeister Bär war es zudem wichtig, darauf hinzuweisen, was sich seither schon getan hat.

Bürgermeister Bär verweist auf geplante Projekte

So hatten die Befragungen ergeben, dass die Unternehmen den Standortfaktoren Breitbandanbindung, Mobilfunknetz sowie Verfügbarkeit von Gewerbeflächen und Wohnraum eine hohe Bedeutung zumessen, jedoch wenig zufrieden mit dem Status quo sind. Immerhin: Nidderau liegt mit der durchschnittlichen „Schulnote“ 3 besser als der Durchschnitt der übrigen MKK-Kommunen der IHK-Studie. Bär verwies auf den Glasfaserausbau der Gewerbegebiete durch den Kreis, der im Sommer abgeschlossen sein soll, sowie auf den neuen Mobilfunkmast in Erbstadt und die geplante Nachrüstung bestehender Masten auf 5G-Standard. Am Lindenbäumchen habe sich einiges getan, zusätzliche Gewerbeflächen sollen mit dem Gebiet Bücherweg II in Windecken und durch die Erweiterung an der Friedberger Straße in Heldenbergen entstehen. Als Beispiele für Wohnraumentwicklung erwähnte Bär das Baugebiet Mühlweide in Ostheim und den vierten Bauabschnitt der Specke in Erbstadt.

Als zentrale Herausforderung der nächsten fünf Jahre definieren die Unternehmen die Digitalisierung und die Anwerbung von Fachkräften. Beides seien keine spezifischen Nidderauer Themen, stellte IHK-Vertreterin Selina Lukas fest: „Die Verfügbarkeit an Fachkräften ist trotz Corona allgemein schlechter geworden.“

Wirtschaftsförderung unterstützt Firmen

Doch auch hier sieht Bär die Stadt auf einem guten Weg. Mit Tanja Woltz gebe es nun in der Stadtverwaltung eine direkte und kompetente Ansprechpartnerin, die Beratungs- und Förderungsangebote sowie Kontakte vermitteln könne. Auch angemahnte Standortfaktoren wie Verlässlichkeit und Erreichbarkeit der Verwaltung dürften dadurch künftig besser bewertet werden.

Und auch bei den weichen Standortfaktoren ist der Rathauschef zuversichtlich. Etwa in puncto Gesundheitsversorgung durch das geplante Medizinische Versorgungszentrum in Eichen. Durch die geplante Umgestaltung des Marktplatzes und der Ortsdurchfahrt Heldenbergen sollen zudem die Ortskerne attraktiver und die Lebensqualität verbessert werden, die in beiden Umfragen bereits gut bewertet wird. Zudem arbeite die Stadt an ihrem Image, nicht zuletzt durch die Digitalisierung von Serviceangeboten und ein neues Erscheinungsbild samt Slogan. (Von Jan-Otto Weber)

Steuern und Abgaben wichtigster Faktor

Die Höhe der kommunalen Abgaben und Steuern ist laut IHK-Befragung mit einem Wert von 1,5 der wichtigste Standortfaktor für Gewerbetreibende. Zugleich sind die Unternehmen damit am wenigsten zufrieden. Während der Wert im Durchschnitt der sieben größten MKK-Kommunen bei der Schulnote 3,6 liegt, kommt Nidderau auf etwa 4,9. Doch wenn es nach Kämmerer Rainer Vogel (Grüne) geht, wird sich daran auch zum kommenden Doppelhaushalt 2023/2024 wohl nicht viel ändern. Die von der Opposition am Mittwochabend im Ausschuss aufgezeigten finanziellen Spielräume wurden von Vogel gleich wieder kassiert. Allein die Defizite durch die Erhöhung der Kreisumlage und der Flüchtlingsbetreuung beliefen sich auf eine Million Euro. Eine weitere Million fehle bei der Einkommenssteuer. Die Mehreinnahmen bei der Gewerbesteuer seien auf einen Einmaleffekt zurückzuführen. Die Folgen durch Corona und die bevorstehende Grundsteuerreform seien noch nicht abzusehen. (jow)

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