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Nidderau: Trampelpfade sollen durch Nidder-Querung aus Aue verschwinden

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Von: Jan-Otto Weber

Anhand von Luftaufnahmen wurden die aktuell vorhandenen Trampelpfade erfasst, die aus Sicht der Stadtverwaltung die Unruhe in der Aue dokumentieren. Sie ziehen sich vom Feuerwehrhaus in Heldenbergen (oberer Bildrand) bis zur Willi-Salzmann-Halle (unten, nicht im Bild).
Anhand von Luftaufnahmen wurden die aktuell vorhandenen Trampelpfade erfasst, die aus Sicht der Stadtverwaltung die Unruhe in der Aue dokumentieren. Sie ziehen sich vom Feuerwehrhaus in Heldenbergen (oberer Bildrand) bis zur Willi-Salzmann-Halle (unten, nicht im Bild). © Stadt Nidderau

Die Entscheidung über die Nidder-Querung wird nicht wie zunächst geplant in der Stadtverordnetensitzung am 22. September getroffen, sondern voraussichtlich erst am 20. Oktober. Dies empfahl der Ausschuss für Stadtentwicklung, Infrastruktur und Klimaschutz (SIK) in seiner Sitzung am Montagabend im Familienzentrum auf Vorschlag der Verwaltung und Antrag der SPD.

Nidderau – Dadurch ergibt sich die Möglichkeit, das Projekt auf der Bürgerversammlung am Mittwoch, 19. Oktober, der Öffentlichkeit vorzustellen und zu diskutieren. Der Kritik von Anette Abel (FWG) und Thomas Warlich (CDU), dieser Schritt komme zu spät und nur auf Druck einer aktuellen Online-Petition, entgegnete Bürgermeister Andreas Bär (SPD): „Sie fordern immer Bürgerbeteiligung und beschweren sich jetzt, wenn sie stattfindet.“

Auch inhaltlich wurde die Grobkonzeption „zur Aufwertung und Beruhigung der Nidderaue“ im Rahmen des 2018 beschlossenen Flurbereinigungsverfahrens im Ausschuss diskutiert. Zur „zweiten Lesung“, zu der auch einige Bürger gekommen waren – darunter die Initiatoren der Online-Petition gegen den Ausbau der Rundwege und vor allem der umstrittenen „Schlangenbrücke“ –, stellte Erster Stadtrat Rainer Vogel (Grüne) die historische Entwicklung des Auengebiets und die aktuelle Planung ausgiebig vor, um Missverständnisse und falsche Behauptungen auszuräumen.

Aue ist kein streng geschütztes FFH-Gebiet

So handele es sich bei der Nidderaue im betreffenden Bereich zwischen Heldenbergen und Windecken nicht wie im Petitionstext behauptet um ein Fauna-Flora-Habitat (FFH), sondern um ein Landschaftsschutzgebiet im „Auenverbund Wetterau“. Die Idee, eine Nidder-Querung als fußläufige Verbindung vom Stadtzentrum zum Bahnhof Nidderau zu schaffen, sei bereits Jahrzehnte alt. Deren Umsetzung sei Bestandteil der von den Stadtverordneten im Jahr 2018 beschlossen Flurbereinigung.

Erste Überlegungen, die Querung über einen Damm oder einen Holzsteg zu realisieren, seien aufgrund der Lage quer zur Fließrichtung der Nidder verworfen worden, erklärte Vogel. Die nun geplante Stahlbrücke, die statisch mit wenigen Pfeilern auskomme, stelle für den Fluss das geringste Hindernis dar. „Im Übrigen wird auch die Renaturierung des Altarms mit Bauarbeiten und schwerem Gerät verbunden sein“, so der Umweltdezernent zu den Bedenken bezüglich des baulichen Eingriffs in die Landschaft. „Die Natur wird sich das Gelände im Lauf der Zeit zurückerobern.“

Behörden halten Konzept für genehmigungsfähig

Bei mehreren Begehungen mit Experten und Behördenvertretern seien vor allem die Trampelpfade in der Aue, verursacht durch Spaziergänger und „Gassigeher“ inklusive freilaufender Hunde, als Störfaktor für eine intakte Biotopentwicklung ausgemacht worden. Mithilfe befestigter „attraktiver“ Rundwege und der Brücke sowie der Schaffung von einer oder zwei Hundewiesen sollen die Besucher gelenkt und aus den sensiblen Auenbereichen herausgehalten werden. „Die Behörden halten das Konzept dafür geeignet und sehen es deshalb als genehmigungsfähig an“, so Vogel. „Die Petition hingegen ignoriert, was die übergeordneten Behörden empfehlen.“

Belastbare Zahlen zum im Konzept angeführten „Besucherdruck“ für die Aue oder eine „standardisierte Bewertung“ zum Nutzen für die Nahmobilität, wie von FWG und CDU verlangt, konnte Vogel hingegen ebenso wenig liefern wie konkrete Zusagen zur finanziellen Förderung des Projekts. „Wir planen eine Brücke für mehrere Millionen Euro, während sich die Bürger um Inflation und Energiepreise sorgen. Das passt nicht in die Zeit“, kritisierte CDU-Vertreter Hans-Günter Frech.

Opposition fordert belastbare Zahlen

Wie Vogel erklärte, würde das Gesamtprojekt abzüglich möglicher Förderungen die Stadt etwa 1,3 Millionen Euro netto kosten. Die in den Sitzungsunterlagen angeführten Förderquoten von 70 Prozent und mehr basierten auf Voranfragen mit Fördermittelgebern. Bürgermeister Bär wies darauf hin, dass sich die Investition im Ergebnishaushalt über viele Jahre verteile. Natürlich könne es keine verbindliche Fördermittelzusage geben, wenn das Projekt noch nicht beschlossen und noch kein Förderantrag gestellt worden sei.

Daniela Wißner, Leiterin des Eigenbetriebes Stadtwerke Nidderau, betonte, es handele sich in diesem Projektstadium um ein Grobkonzept. Sollte die Politik es befürworten, müsse als nächstes die Planung ausgeschrieben werden. Im weiteren Verlauf finde eine Grundlagenermittlung statt. „Eine standardisierte Bewertung ist bei schienengebundenem Verkehr üblich“, so Wißner. „Bei Fuß- und Radwegen hingegen wird die Genehmigungsplanung eingereicht. Dann bekommen wir gesagt, welche Zahlen wir zu liefern haben.“

Müll: Stadtrat Vogel will mehr aufklären

Der auch von SPD-Vertreter Vinzenz Bailey geäußerten Befürchtung, dass von der geplanten Brücke Müll in die Aue geworfen werden könnte, entgegnete Vogel, dass bereits jetzt auf einer viel größeren Fläche entlang der Trampelpfade und der Uferrandstreifen Müll eingebracht werde. Er setze hier auf Aufklärung und Vernunft der Bevölkerung sowie verstärkte Reinigung. Auch eine Lichtverschmutzung lasse sich durch moderne Beleuchtungskonzepte der Brücke minimieren. Von Hochwasser sei die Brücke nicht gefährdet, Glätte im Winter könne durch einen speziellen Belag vorgebeugt werden. Die Kosten für Herstellung und Wartung der asphaltierten Wege seien erfahrungsgemäß auf Dauer geringer, als nach Hochwasserereignissen geschotterte Wege wieder herrichten zu müssen.

Beschluss erst nach Bürgerversammlung

Der Antrag von FWG-Vertreterin Abel, die Wegekonzeption und den Brückenbau in dem Konzept fallen zu lassen, fand nur die Zustimmung der CDU-Vertreter und wurde abgelehnt. Bei Enthaltung Abels stimmten alle Ausschussmitglieder der Verschiebung des Beschlusses über die Großkonzeption auf den Termin nach der Bürgerversammlung zu. (Von Jan-Otto Weber)

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