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Nidderau: Stadt setzt Bürgerwünsche auf den Friedhöfen um / „Gärtnerbetreute Grabanlage“ in Prüfung

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Memoriam-Garten: Auf dem Friedhof in Schöneck-Kilianstädten hat die Treuhand dieses Muster einer „Gärtnerbetreute Grabanlage“ vor einiger Zeit angelegt. Dort werden die Grabstellen sehr gut nachgefragt.
Memoriam-Garten: Auf dem Friedhof in Schöneck-Kilianstädten hat die Treuhand dieses Muster einer „Gärtnerbetreute Grabanlage“ vor einiger Zeit angelegt. Dort werden die Grabstellen sehr gut nachgefragt. © Thomas Seifert

Auf den Friedhöfen der Stadt wird es in diesem Jahr Bestattungsalternativen geben. Der Magistrat verhandelt zum Beispiel mit einem Träger von „Gärtnerbetreuten Grabanlagen“ über Umsetzungsmöglichkeiten. Zudem ist auf Antrag der CDU eine Friedhofserweiterung in Ostheim für Baumbestattungen in der Diskussion, wo gegenwärtig eine Blühwiese angelegt ist.

Nidderau – Das Thema soll am kommenden Montag (19.30 Uhr, Willi-Salzmann-Halle) im Ausschuss für Stadtentwicklung beraten werden. Außerdem hat die Stadt Anregungen und Wünsche von Bürgern von den Friedhofsbegehungen aufgenommen und inzwischen einige umgesetzt.

Ein gemeinsamer Antrag, die Möglichkeit „Gärtnerbetreute Grabanlagen“ auf allen Friedhöfen zu schaffen, wurde bereits Ende September von SPD und Grünen in der Stadtverordnetenversammlung gestellt. Der Magistrat wird gebeten, die Einrichtung eines solchen Grabfeldes durch die Treuhandstelle für Dauergrabpflege Hessen-Thüringen GmbH vorzunehmen. Vorzugsweise soll die gärtnerbetreute Grabanlage mittels eines Pilotprojektes auf dem Windecker Friedhof umgesetzt werden. Die Einrichtung weiterer gärtnerbetreuter Grabanlagen auf allen Nidderauer Friedhöfen soll im Rahmen einer Evaluation des Pilotprojektes geprüft werden.

Immer mehr ungepflegte Gräber

Die Antragsteller begründeten den Antrag mit der zunehmenden Zahl von ungepflegten Gräbern. Die Beweggründe der mangelnden Grabpflege seien unterschiedlich: keine Hinterbliebenen, die sich um die Grabpflege kümmern, mangelndes Interesse an der letzten Ruhestätte des Angehörigen. Oftmals sei es aber auch fehlende Zeit oder die körperliche Verfassung der Nachkommen, um sich um die letzte Ruhestätte kümmern zu können, heißt es in der Begründung weiter.

Die Erweiterung der Bestattungsform um „Gärtnerbetreute Grabanlage“, bei der die Pflege für 25 Jahre über einen Gärtner (organisiert durch die Treuhandstelle) gesichert sei, würde eine Bestattung ermöglichen, wo Angehörige, aber auch der Verstorbene, sich abgesichert fühlen und die Grabstelle vertraglich gesichert gepflegt würde. Auch der frühzeitige Ankauf der Grabstelle sei möglich, sodass das Sterbegeld hierfür zielsicher verwendet werden kann.

Positive Erfahrungen in Schöneck und Niederdorfelden

Die „Gärtnerbetreuten Gräber“ würden die bisherigen Bestattungsformen würdevoll erweitern, sind die Antragsteller sicher. Solche Flächen würden durch die Treuhandstelle organisiert, angelegt und unterhalten. Eine Erweiterung erfolge nach Bedarf. Die Unterhaltung der Flächen obliege dann der Treuhandstelle, das heißt die Pflege zwischen den Gräbern und auch die Wege des Grabfeldes. In Schöneck und Niederdorfelden gibt es dieses Angebot schon seit 2019. Wie die Friedhofsverwaltungen der beiden Kommunen auf Nachfrage unserer Redaktion berichteten, gibt es bislang durchweg positive Erfahrungen. Das Angebot soll deshalb in beiden Kommunen erweitert werden.

Zur Nidderauer Parlamentssitzung im November hatte die CDU den Antrag auf „Einrichtung einer Baumbestattungsanlage auf der Erweiterungsfläche des Ostheimer Friedhofs (derzeitige Blühwiese) mit Bepflanzung mit etwa 100 Hochstammbäumen“ eingebracht, der einstimmig in den Ausschuss unter Beiladung des Ortsbeirats Ostheim zur endgültigen Beschlussfassung überwiesen wurde.

Urnenbestattung liegt im Trend

Immer mehr Menschen bevorzugten eine Urnenbestattung nach einer Einäscherung, so die CDU. Der Ostheimer Friedhof biete mit seiner ortsnahen Lage die Möglichkeit für Baumbestattungen, bereits jetzt seien die vorhandenen Anlagen gut genutzt. Die Erweiterungsfläche direkt über dem Friedhof (Ostseite) biete genügend Platz. Eine parkähnliche Anlage biete auch zusätzlich Erholungsraum. Gleichzeitig dienten die neuen Bäume dem Klimaschutz. Eine Finanzierung eines Teils der Maßnahme mit Spenden könne man sich bei den Christdemokraten vorstellen.

Im Rahmen der Friedhofsbegehungen mit Bürgermeister Andreas Bär im Sommer hatten Bürger einige Wünsche geäußert. Nach Prüfung und Freigabe des Haushalts seien bereits einige Anregungen unter der Federführung der zuständigen Sachbearbeiterin Friedhofsverwaltung, Regina Wilke, umgesetzt worden, heißt es in einer Mitteilung aus dem Rathaus. Dazu gehört die Instandsetzung des Wegs auf dem Friedhof in Windecken, was aus Gründen der Verkehrssicherheit auch notwendig gewesen sei. In Absprache mit der Reservistenkameradschaft Hanau seien im August bereits die Kriegsgräber und das Mahnmal in Windecken gereinigt worden.

Bänke und Gedenksteine in Ostheim und Erbstadt

Auf dem Friedhof in Ostheim sei eine Zaunlücke geschlossen, eine Bank am Eingang abgebaut und Schilder erneuert worden. Das Feld für anonyme Urnenbestattungen habe einen Gedenkstein erhalten. Demnächst soll auch hier zusammen mit der Reservistenkameradschaft Hanau das Mahnmal aufbereitet werden.

Auch in Erbstadt sei das Grabfeld mit den Urnenrasengräbern mit einem Gedenkstein aufgewertet worden, sodass man nun schon am Eingang erahnen könne, dass im hinteren Teil des Friedhofs Verstorbene bestattet sind. Zudem gebe es eine zusätzliche Sitzbank im Bereich der Bestattungsbäume, berichtet die Verwaltung. Für die Stadtteile Erbstadt und Eichen sei zudem der Wunsch geäußert worden, auch in diesen Stadtteilfriedhöfen jeweils ein Grabfeld für Sargrasengrabstätten zu schaffen. Die Friedhofsverwaltung habe auch diese Anregung zeitnah umsetzen können. Diese pflegeleichten Sargrasengrabstätten würden von der Friedhofsverwaltung einheitlich im Rasen angelegt und für die Dauer der gesamten Nutzungszeit von 25 Jahren in einfacher Form gepflegt, betont Wilke.

Der Ausschuss für Stadtentwicklung, Infrastruktur und Klimaschutz berät am Montag, 17. Januar, 19.30 Uhr in der Willi-Salzmann-Halle Windecken unter anderem über Baumgräber in Ostheim. (Thomas Seifert)

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