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Nidderau: Reformiertes Pfarrhaus Windecken erhält Bundesdenkmalpreis für Handwerk

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Von: Jan-Otto Weber

Diez Eichler (Fünfter von links) und Roswitha Bruggaier empfingen am Mittwoch inmitten ihrer preisgekrönten Handwerker die mit 5000 Euro dotierte Auszeichnung auf Schloss Biebrich in Wiesbaden. Zudem freuten sich die Eigentümer über die Wertschätzung durch die Anwesenheit von Bürgermeister Andreas Bär (Dritter von links) und Erstem Stadtrat Rainer Vogel (links).
Diez Eichler (Fünfter von links) und Roswitha Bruggaier empfingen am Mittwoch inmitten ihrer preisgekrönten Handwerker die mit 5000 Euro dotierte Auszeichnung auf Schloss Biebrich in Wiesbaden. Zudem freuten sich die Eigentümer über die Wertschätzung durch die Anwesenheit von Bürgermeister Andreas Bär (Dritter von links) und Erstem Stadtrat Rainer Vogel (links). © Paul Müller (PM)

Über die Bedeutung des ehemaligen reformierten Pfarrhauses in Windecken, gleich neben der Stiftskirche gelegen, hat unsere Zeitung seit dessen aufwändiger Sanierung in den Jahren 2014 bis 2017 mehrfach berichtet. Für ihre Mühe und Akribie wurden die Eigentümer Diez Eichler und Roswitha Bruggaier mit einem zweiten Platz beim Hessischen Denkmalschutzpreis 2018 gewürdigt.

Nidderau – Schon damals hatte die Jury betont, dass dies „ohne engagierte und professionelle Architekten-, Restauratoren- und Handwerksbetriebe nicht möglich“ gewesen wäre. Mit dem „Bundespreis für Handwerk in der Denkmalpflege“ wurden diesen Mittwoch auf Schloss Biebrich in Wiesbaden nun auch die beteiligten Gewerke ausgezeichnet. Die Festrede bei der Preisverleihung hielt Staatsministerin Angela Dorn. Diesmal erhielt das Pfarrhaus sogar einen ersten Preis, dotiert mit 5000 Euro. Die an den Restaurierungsmaßnahmen beteiligten Handwerksbetriebe (siehe Infokasten) erhielten Ehrenurkunden.

„Mit dem Erwerb des ehemaligen Pfarrhauses der reformierten Gemeinde Windecken 2014 durch Roswitha Bruggaier und Diez Eichler erlebte der eindrucksvolle Bau von 1717 neben der Pfarrkirche eine Wiedergeburt“, so die Begründung der Jury. „In enger Abstimmung mit dem Denkmalamt, unter fachkundiger Anleitung qualifizierter Handwerker und unterstützt durch die archivalischen Recherchen der Eigentümer konnte der historische Bauzustand einfühlsam wiedergewonnen werden.“

„Historisches Zeugnis bewahrt“

Bis in die kleinsten Details sei die originale Substanz und Intention wiederhergestellt und in der konsequenten Nutzung denkmalgerechter Materialien und Techniken ein historisches Zeugnis bewahrt und für die Zukunft ertüchtigt worden, so die Jury weiter. „Dem Interesse und der Anteilnahme der Öffentlichkeit wurde nicht nur am Tag des offenen Denkmals Genüge getan. Die vorbildliche Instandsetzung wird von der Jury mit dem ersten Preis ausgezeichnet.“

Ausgezeichnete Arbeit: das denkmalgerecht sanierte ehemalige reformierte Pfarrhaus in der Windecker Altstadt.
Ausgezeichnete Arbeit: das denkmalgerecht sanierte ehemalige reformierte Pfarrhaus in der Windecker Altstadt. © Roland Rossner/Deutsche Stiftung Denkmalschutz

Insgesamt wurden am Mittwoch sechs Denkmaleigentümer und 39 Handwerker unterschiedlicher Gewerke aus Hessen ausgezeichnet. Die Preisverleihung erfolgte zusammen mit dem Präsidenten des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), Hans Peter Wollseifer, und Dr. Steffen Skudelny, Vorstand der Deutschen Stiftung Denkmalschutz.

Die Besonderheit der Auszeichnung wird nicht zuletzt durch die Modalitäten der Vergabe unterstrichen: Denn der von der Stiftung gemeinsam mit dem Zentralverband gestiftete Preis wird jährlich lediglich in zwei Bundesländern an private Eigentümer verliehen, die bei der Bewahrung ihres Denkmals in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Handwerk Herausragendes geleistet haben. Im Jahr 2021 wurde der Preis in den Bundesländern Hessen und Schleswig-Holstein ausgeschrieben, 2022 stehen Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt an.

Preisträger und Beteiligte

Eigentümer: Roswitha Bruggaier und Diez Eichler, Kirchplatz 2, Nidderau-Windecken
Bauleiter: Martin Meier, Brunnenstr. 2, Nidderau-Windecken
Tischlerhandwerk (Fenster und Türen): Tischlerei Kremer GmbH, Brotweg 3, Villmar
Parkettlegerhandwerk (Holzdielen, Treppe): Parkett Sill, Michael Sill, Friedrich-Ebert-Str. 14, Nidderau-Windecken
Maurer- und Betonbauerhandwerk: Alex-Baudekoration GmbH, Bedro Ujkanovic, Birsteiner Str. 3, Frankfurt Dachdeckerhandwerk: Dachdeckermeisterbetrieb Michael Geyer, Hauptstr. 44, Glauburg Metallbauerhandwerk (Außengeländer): Metallmanufaktur, Dirk Velte, An den drei Hasen 21, Oberursel Die Jury bestand aus Vertretern des Ministeriums für Wissenschaft und Kunst, Landesamts für Denkmalpflege Hessen, der Beratungsstelle für Handwerk und Denkmalpflege Probstei Johannisberg Fulda, der Architekten- und Stadtplanerkammer sowie der Arbeitsgemeinschaft der Hessischen Handwerkskammern, des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. (jow)

Entsprechend groß war am Mittwochabend die Freude bei Eigentümern und Handwerkern in der Rotunde des Biebricher Schlosses. „Wir lagen uns in den Armen“, schildert Diez Eichler den Moment. „Es war deutlich erkennbar, dass wir alle als Team und nicht als Einzelgewerke gearbeitet haben. Wir haben bei der Sanierung alle gemeinsam eine Idee verfolgt, geleitet von der Frage: Wie will das Haus es haben?“

Der Hauptdank gebühre Bauleiter Martin Meier, betont Eichler und vergisst dabei auch nicht den ursprünglichen Architekten und Zimmermann Johann Georg Baron, der seinerzeit auch den Turm der benachbarten Stiftskirche errichtete. „Ohne die vorzügliche Handwerksarbeit von damals könnten wir 300 Jahre später nicht diesen Preis entgegennehmen“, würdigt der Vorsitzende des Arbeitskreises Stadtgeschichte die Handwerksleistungen, die über die Jahrhunderte in Verbindung stünden.

Und so ermutigen die „Neu-Windecker“ Bruggaier und Eichler auch andere Eigentümer in der Windecker Altstadt und anderswo, sich ihrer Schätze anzunehmen. „Wir sind sicher keine reichen Leute“, betont das Musikerpaar. „Natürlich haben wir Schulden aufgenommen. Aber dank der Denkmalförderung und der Möglichkeit der steuerlichen Abschreibung lohnt es sich, den Erwerb und die Sanierung alter Häuser in Betracht zu ziehen. (Von Jan-Otto Weber)

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