Corinna Wagner am Ausweisterminal „Speed Capture“, an dem Nidderauer im Bürgerbüro ein digitales Passbild, Fingerabdrücke und die Unterschrift erstellen können. Das ist fester Bestandteil des Digitalisierungsprozesses im Rathaus.
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Corinna Wagner am Ausweisterminal „Speed Capture“, an dem Nidderauer im Bürgerbüro ein digitales Passbild, Fingerabdrücke und die Unterschrift erstellen können. Das ist fester Bestandteil des Digitalisierungsprozesses im Rathaus.

Plakate, Gastronomie und Hund anmelden: Digitale Angebote sollen in Nidderau Prozesse erleichtern

  • vonThomas Seifert
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„Die Stadtverwaltung nutzt schon seit 2013 die Plattform civento, um Zug um Zug die Digitalisierung von Vorgängen zwischen Bürgern und Verwaltung, aber auch intern und im Verbund zwischen beiden Ebenen voranzutreiben“, stellte Corinna Wagner, Fachbereichsleiterin Innere Verwaltung, zusammen mit Carolin Stadtmüller, Digitalisierungsbeauftragte von Nidderau, fest.

Nidderau – „Auslöser der verstärkten Bemühungen um die Digitalisierung von Verwaltungsvorgängen war die EU-Dienstleistungsrichtlinie von 2006, in der beispielhaft dargestellt worden ist, wie sich ein portugiesischer Friseur künftig in den Mitgliedsländern online ein weiteres berufliches Standbein mittels einer Gewerbeanmeldung schaffen kann. Die Stadt hat sich schon recht früh dafür entschieden, bei der Digitalisierung mit der Ekom21 zusammenzuarbeiten, dem größten kommunalen IT-Dienstleistungsunternehmen in Hessen“, blickt Wagner zurück.

Das Unternehmen Ekom21 entwickelte in Kooperation mit dem Land Hessen den „Baukasten“ civento, der Standardprozesse für Fachverfahren zur Verfügung stellt. „Mit den verschiedenen Komponenten von civento können die verschiedensten Prozesse zwischen Bürgern und Verwaltung, aber auch der interne Workflow komplett digital abgewickelt werden“, beschreibt Corinna Wagner die Möglichkeiten des Werkzeugs.

Über ein Antragsportal kann in Nidderau inzwischen schon eine Reihe von Angeboten online angeboten werden. Dazu gehören Anträge auf Sondernutzung, Anträge auf Plakatierung, Hundeanmeldung, vorübergehende Gaststättenerlaubnis, Anträge auf Stundung von Kommunalabgaben, Adressverwaltung für Vereine sowie Beantragung von Vereinsförderung und Meldungen für die Sportlerehrung. Intern werden Pressemitteilungen und amtliche Bekanntmachungen über civento abgewickelt, zählt die Digitalisierungsbeauftragte auf.

Nicht über civento, aber ebenfalls online, laufen Platzanfragen für Kinderbetreuung, das Bürger- und Ratsinformationssystem sowie der Digitale Sitzungsdienst, das Wahlportal Votemanager mit Ergebnisdienst und Beantragung von Wahlscheinen, das elektronische Vergabeportal, die Buchung von Veranstaltungskarten, Kauf von Karten für das Schwimmbad mit ePayment, der Newsletter der Stadt, das Anregungs- und Ereignismanagement, der Branchenstadtplan, das Kommunale Immobilienportal, eine interaktive Bauplatzdatenbank, der Onlinekatalog und die Onleihe der Stadtbücherei, Eintragung von Angeboten und Events in den Veranstaltungskalender der Vereine und ein Online-Abfallkalender.

„Die Onlinebestellung von Sperrmüllabfuhr ist gerade in einer vielversprechenden Testphase, die Einführung kommt voraussichtlich in 2021“, fügte die Digitalisierungsbeauftragte hinzu. Außerdem läuft der Rechnungsworkflow bereits digital. Zudem können sich Antragsteller im Bürgerbüro an einem Ausweisterminal namens „Speed Capture“ – was so viel heißt wie „schnelle Erfassung“ – Passbild, Fingerabdrücke und Unterschrift digital für einen Personalausweis oder Pass erstellen lassen, die der Sachbearbeiter dann sofort in den Antrag einfügen kann.

Ein weiteres Projekt unter civento ist OLAV (Online-Anträge und Online-Vorgänge bis hin zur Archivierung), wobei die unterschiedlichsten Fachbereiche, die mit einem Vorgang befasst sind, auf alle digitalen Dokumente zugreifen können. Derzeit wird noch daran gearbeitet, alle Standesamtsprozesse zu digitalisieren und einen Digitalen Briefkasten einzurichten. „Diese Projekte wollen wir noch in diesem Jahr abschließen“, betont die Fachbereichsleiterin.

Damit nicht genug, die Stadt will auch im kommenden Jahr die Digitalisierung weiter vorantreiben. Neben der bereits erwähnten Sperrmüllanmeldung soll eine Online-Terminanmeldung für das gesamte Rathaus folgen, wird die Einführung der eAkte forciert, steht ein Bewerberportal auf der Agenda und die Nidderauer Geschichtswege sollen digital „begangen“ werden können, zählt Corinna Wagner auf.

Ein zentrales Projekt wird die Aufsetzung einer neuen Webseite der Stadt sein, auf der man dann über die Volltextsuche alle Informationen zum gewünschten Vorgang bekommt und gleich auf die notwendigen Formulare weitergeleitet wird. Hierfür erwirbt die Stadt mit Mitteln des Landes Hessen in Höhe von rund 43 000 Euro aus dem Programm „Starke Heimat Hessen“ ein „Grundgerüst, das von den Fachbereichen in Eigenregie mittels verschiedenster einfacher Tools mit Inhalt und Angeboten gefüllt und gepflegt werden kann. Zu dem Paket gehören auch Schulungen der Digitalisierungslotsen in den Fachbereichen, ein Content-Management-System sowie die Einrichtung von Homeoffice-Plätzen mit VPN-Zugängen“, erläutert Corinna Wagner im Gespräch mit dem HANAUER ANZEIGER.

Ziel ist es, stellt Corinna Wagner fest, mittels des Bürger- und Servicekontos Hessen mit einmaliger Identifizierung in Zukunft an sieben Tagen die Woche und täglich an 24 Stunden den Zugriff auf sämtliche Kommunalen-, Landes- und Bundesleistungen zu ermöglichen. „Die Akzeptanz der digitalen Angebote noch könnte besser sein, aber im Bereich Bürgerbüro ist zum Beispiel der Passautomat nicht mehr wegzudenken“, glauben die beiden städtischen Digitalisierungsbeauftragten fest daran, dass sich immer mehr BürgerInnen von den Möglichkeiten der Erledigung von vielen Vorgängen vom heimischen Sofa überzeugen lassen.

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