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Nidderau: Petitions-Führer lehnen auch nach Ausschusssitzungen Brücke durch Nidderaue ab

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Von: Jan-Otto Weber

Das Grobkonzept zur Nidder-Querung in der Aue zwischen den Stadtteilen Heldenbergen und Windecken sieht den Bau einer „Schlangenbrücke“ vor. Visualisierung: Büro pronatur
Das Grobkonzept zur Nidder-Querung in der Aue zwischen den Stadtteilen Heldenbergen und Windecken sieht den Bau einer „Schlangenbrücke“ vor. Daran gibt es starke Kritik. © Visualisierung: Büro pronatur

Das sogenannte Projekt Nidder-Querung, ein Konzept zur Beruhigung und Renaturierung der Aue zwischen Heldenbergen und Windecken, das auch befestigte Rundwege und eine Fuß- und Radwegbrücke von der Neuen Mitte in Richtung Bahnhof vorsieht, wird zurzeit intensiv diskutiert.

Nidderau – Während SPD und Grüne das Konzept grundsätzlich befürworten, üben FWG und CDU Kritik. Zudem haben Bürger vor gut zwei Wochen eine Online-Petition gegen das Projekt ins Leben gerufen. Und es gibt einen ersten Erfolg. So soll das Konzept nicht wie ursprünglich vorgesehen in der Stadtverordnetensitzung am 22. September beschlossen werden, sondern erst am 20. Oktober. Einen Tag zuvor wird das Projekt Thema bei einer Bürgerversammlung werden, wie Bürgermeister Andreas Bär (SPD) am Montag im Bauausschuss mitteilte.

Dort und auch im Umweltausschuss am Dienstag hatte Erster Stadtrat Rainer Vogel (Grüne) das Grobkonzept noch einmal vorgestellt. Doch die Petitionsführer Antonia Gutberlet und Michael Reis ließen sich dadurch nicht überzeugen. „Wir möchten in diesem Zusammenhang erwähnen, dass wir fassungslos sind!“, teilt Gutberlet auf Anfrage unserer Zeitung mit. „Fassungslos darüber, wie vor allem am Montag über unsere Petition und uns als Bürger und in diesem Fall als Initiatoren gesprochen wurde. An unserer Einstellung zum Bau der Brücke ändert sich nichts.“

Keine Stützpfeiler und asphaltierten Wege

Dass die Brücke über und nicht durch die Aue gebaut werde, wie von Stadtrat Vogel ausgeführt, ändere nichts daran, dass die Stützpfeiler in der Aue platziert werden müssten. „Unsere Bedenken, dass durch den Bau als auch anschließend durch die Nutzung der Brücke und der asphaltierten Wege die Landschaft massiv gestört, dort lebende Tiere verdrängt oder gar getötet sowie die Brut- und Setzzeit dauerhaft gestört wird, wurde als ‘Interpretation der Petitionsinitiatoren’ abgetan“, so Gutberlet.

Antonia Gutberlet
Antonia Gutberlet aus Nidderau hat gemeinsam mit Michael Reis eine Online-Petition gegen die Nidder-Querung gestartet. © Archivfoto: Jan-Otto Weber

Das Argument für die Wegeführung seien weiterhin die Hundebesitzer, die aktuell durch die Auen spazieren gingen und bereits jetzt Müll hinterlassen und die Natur stören würden. Doch die Frage, wie zukünftig vermieden werden soll, dass Hundebesitzer trotz Brücke und Rundweg durch die Auen spazieren, gab es aus Sicht von Gutberlet „keine klare Antwort“.

„An dieser Stelle möchten wir anmerken, dass bisher keine Hinweisschilder am Landschaftsschutzgebiet stehen, die auf ‘Regeln’ (zum Beispiel ‘Betreten verboten’, ‘Hunde bitte anleinen’, ‘Müll bitte mit nach Hause nehmen’, usw.) hinweisen“, schreibt die Nidderauerin. „Wir glauben nicht, dass durch asphaltierte Wege und eine Brücke keine Hundebesitzer mehr durch die Aue spazieren, da Wiesen und Feldwege bevorzugt werden. Man bedenke, wie heiß Asphalt im Sommer wird. Vor allem in dieser Zeit weichen die Hundebesitzer noch mehr auf Wiesen, Felder, Wälder und Stellen, an denen es Wasser gibt, aus.“

Aktuell keine Hinweisschilder zu Landschaftsschutzgebiet

Auch die geplante Hundewiese nahe der Salzmann-Halle zwischen Heldenberger Straße, Konrad-Adenauer-Allee und Nidder ist in den Augen von Gutberlet keine Lösung, da sie im Überschwemmungsgebiet und direkt gegenüber von Wohnhäusern liege. „Aus unserer Sicht ist hier Ärger vorprogrammiert, da sich die Anwohner schnell durch das Bellen der Hunde gestört fühlen.“

Auch die in diesem Stadium des Projekts noch nicht genau zu beziffernden Gesamtkosten und Förderquoten sprechen aus Sicht der Petitionsführer gegen das Vorhaben. Zudem übt Gutberlet Kritik am im September 2018 einstimmig gefassten Flurbereinigungsbeschluss, wo von einer „fehlenden fußläufigen Anbindung zwischen dem Bahnhof Nidderau-Heldenbergen und der Stadtmitte“ die Rede sei. „Hier wird damit argumentiert, dass die Brücke eine deutliche Abkürzung sei“, führt Gutberlet aus. „Die Frage, die wir uns stellen ist jedoch: Ist es das wert? Wie viele Menschen nutzen am Ende tatsächlich diese Brücke, um zum Bahnhof zu kommen? Wie viele Menschen fahren vom Bahnhof Nidderau-Heldenbergen aus und kommen aus der Richtung der Stadtmitte? Uns stellt sich auch die Frage, wie diese Art von Brücke sich dem Landschaftsbild einfügt.“

Grüne laden zu Spaziergang durch die Aue

Viele Fragen also, die im Oktober bei der Bürgerversammlung nach Klärung verlangen. Die Nidderauer Grünen wollen nicht so lange warten. Um sich vor Ort ein Bild zum Projekt Nidder-Querung zu machen, laden sie zum Spaziergang durch die Aue ein. Treffpunkt ist am Samstag, 17. September, um 14 Uhr an der Sporthalle der Bertha-von-Suttner-Schule. (Von Jan-Otto Weber)

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