Hoffnungsschimmer am Horizont: Karsten Schäfer aus Windecken wünscht sich mehr Respekt im Wahlkampf und gemeinsamen Gestaltungswillen.
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Hoffnungsschimmer am Horizont: Karsten Schäfer aus Windecken wünscht sich mehr Respekt im Wahlkampf und gemeinsamen Gestaltungswillen.

Kommunalwahl

Nidderau: Neubürger Karsten Schäfer ist abgeschreckt von Anfeindungen der Parteien

  • Jan-Otto Weber
    vonJan-Otto Weber
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Karsten Schäfer fühlt sich rundum wohl in Nidderau. Vor zweieinhalb Jahren ist der 50-Jährige, der ursprünglich aus Frankfurt stammt, mit seiner Frau von Schöneck nach Windecken gezogen. „Nidderau ist als Stadt sehr sympathisch“, sagt der Verlagskaufmann und Autor. Was ihn jedoch massiv stört, sind die gegenseitigen Anfeindungen der Parteien im Wahlkampf, die das positive Bild der Stadt zerstören.

Nidderau - „In Nidderau gibt es einerseits eine tolle Infrastruktur mit Kino und Schwimmbad, die nichts vermissen lässt. Andererseits finde ich die Stadtteile mit ihrem Vereinsleben sehr charmant“, lobt Schäfer. Umso abschreckender wirken auf Schäfer die Auswüchse im Wahlkampf, den er im Internet verfolgt. „Ich finde es höchst bedauerlich, dass es scheinbar normal ist, dass sich permanent angegangen und angefeindet werden muss“, schreibt er Mitte Februar in einem Nidderauer Politikforum bei Facebook. „Ja, es ist Wahlkampf, und ich bin der Letzte, der etwas dagegen hat, wenn man leidenschaftlich diskutiert und seinen Standpunkt vertritt. Aber bitte schön mit einem gewissen Niveau und vor allem nicht mit persönlichen Anfeindungen.“

Dass die politischen Parteien nicht zimperlich miteinander umgehen, habe er schon im Bürgermeisterwahlkampf festgestellt, schildert Schäfer im Gespräch mit unserer Zeitung. Da habe er sich teilweise an amerikanische Verhältnisse im Präsidentschaftswahlkampf zwischen Donald Trump und Joe Biden erinnert gefühlt.

Schon Bürgermeisterwahlkampf erinnerte an amerikanische Verhältnisse

„Glauben denn die Parteien, dass wir alle nicht mitbekommen, was im Internet abgeht?“, fragt Schäfer. „Da werden irgendwelche Fake-Profile ohne Foto und mit Fantasie-Namen erstellt, um den politischen Gegner vorzuführen oder zu beleidigen. Ist das wirklich nötig?“

Wo soll es hinführen, wenn die politischen Kontrahenten mangels Argumenten und Fakten stattdessen Falschaussagen und persönliche Angriffe setzen? Und wie wolle man vor allem junge Menschen dazu bringen, sich für Politik zu interessieren, wenn das bedeute, dass es zugehe wie im Wilden Westen?

Positive Reaktionen auf Statement im Internet

„Gefühlt bekleckern sich hier übrigens alle Parteien nicht gerade mit Ruhm“, findet Schäfer, auch wenn ihm derzeit vor allem die Wortgefechte zwischen den Freien Wählern und der SPD im Internet auffallen. „Ich würde mich wirklich gerne politisch engagieren und meine Stadt mitgestalten“, schreibt der Neu-Nidderauer auf Facebook. „Aber wenn das bedeutet, dass man sich gegenseitig öffentlich zerfleischen muss, lass ich das lieber.“

Die Reaktionen auf sein engagiertes Statement lassen nicht lange auf sich warten. Schäfer erntet Lob von allen Seiten, die führenden Köpfe der Parteien bieten ihm Gespräche an. Tatsächlich tendiert Schäfer auch bereits zu einer politischen Gruppierung, die er vor der Wahl aber lieber nicht öffentlich nennen möchte. Er hofft, dass sich alle Parteien seine Worte zu Herzen nehmen.

Wohnraum in der Neuen Mitte war Schäfer zu teuer

Dafür kann er aber bereits sagen, welche Themen ihn interessieren. Bezahlbarer Wohnraum ist eines davon. „Wir sind nach Windecken gezogen, weil es im Umkreis vom Arbeitsort Frankfurt gerade noch darstellbar war“, erklärt Schäfer. „Allerdings konnten wir es uns nicht leisten, in die Neue Mitte zu ziehen.“

Überhaupt sind soziale Themen sein Steckenpferd. Familie, Jugend, Senioren – Schäfer will sich gern einbringen und mitgestalten. Doch auch Infrastruktur-Themen wie die Anbindung an schnelles Internet sind ihm persönlich schon aus beruflichen Gründen wichtig.

50-Jähriger ist bereit, Verantwortung zu übernehmen

Bislang habe er sich noch nie politisch engagiert, auch wenn er immer schon interessiert gewesen sei. „Das kam bei mir mit dem Alter“, scherzt Schäfer und setzt ernster hinzu: „Es wird immer viel über alles Mögliche geschimpft. Aber die Wenigsten sind bereit, Verantwortung zu übernehmen – nicht zuletzt, weil Politiker immer öfter angefeindet werden.“

Dass sich dies in Nidderau nach der Kommunalwahl wieder bessert, ist seine große Hoffnung. „Letztlich wollen wir doch – hoffentlich – alle das Gleiche“, schreibt Schäfer in seinem Facebook-Statement. „Nämlich unser Nidderau lebens- und liebenswert gestalten!“ (Jan-otto Weber)

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