Heinz Ross hat neue Hinweistafeln auf die Brut- und Setzzeit in seinem Revier aufgestellt.
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Heinz Ross hat neue Hinweistafeln auf die Brut- und Setzzeit in seinem Revier aufgestellt.

Zerstörungswut

Nidderau: Jagdpächter Heinz Ross ärgert sich über sinnlose Taten in Ostheim

Die Brut-, Setz- und Aufzuchtzeit ist in vollem Gange. Für viele Wildtiere wird die freie Landschaft in diese Zeit dann zu einer Art Kinderstube für ihren Nachwuchs. Doch immer wieder werden die Tiere durch Spaziergänger oder gar Vandalismus gestört.

Nidderau – Mit Appellen machen Vertreter der einzelnen Landesregierungen, der Naturschutzverbände und der Jagdverbände darauf aufmerksam, dass vor allem Hundebesitzer und Reiter Rücksicht auf das Wild nehmen sollen. Auch Kommunen, wie beispielsweise nun auch Nidderau beteiligen sich an den Appellen.

So hat Nidderau in diesem Jahr seinen Jagdpächtern aufwendige Schautafeln mit dem Hinweis auf die Schonzeit der Wildtiere zur Verfügung gestellt. „Wir waren darüber sehr erfreut, haben Holzpfähle gekauft und die Schautafel entlang den Wiesen aufgestellt“, berichtet der Ostheimer Jagdpächter Heinz Ross. Aber wenige Tage später das Entsetzen. Die Tafeln waren zum großen Teil abgerissen, zerstört oder einfach mitgenommen.

Jagdpächter zweifelt an Verstand der Leute

„Wer macht so etwas Sinnloses? Das kann doch nur reine Zerstörungswut sein“, zweifelt Ross am Verstand so mancher Mitbürger. Der Appell an die Hundehalter, die Reiter und die Spaziergänger in dieser Zeit möglichst auf den Wegen zu bleiben und die Wiesen nicht zu betreten, erfolge doch nicht ohne Grund. Einige Tierarten, wie zum Beispiel der Hase oder das Schwarzwild, haben bereits Nachwuchs. Bei anderen Arten sind die weiblichen Tiere hochtragend. In diesem Zustand sind sie in ihrer Bewegungsfreiheit und Fluchtmöglichkeit stark eingeschränkt. Auch die am Boden brütenden Vogelarten wie Ente, Gans, Rebhuhn, Fasan, Kiebitz und Lerche beginnen jetzt ihr Brutgeschäft. Stöbernde Hunde sind dann eine Gefahr für diese Tiere. Aber auch Reiter oder Spaziergänger werden zu einer Gefahr für Bodenbrüter und Wildtiere.

In Nidderau gibt es noch keine generelle Anleinpflicht für Hunde während dieser Zeit, in der der Nachwuchs in der Natur heranwächst. Noch begnügt man sich im Rathaus mit Aufklärung und dem Appell an die Vernunft der Mitbürger. Denn hat ein Hund ein Wildtier gewittert, kommt es nicht selten vor, dass er diesem nachstellt. Es muss nicht zu Angriffen kommen, denn alleine die Störung und Panik, die bei einem Wildtier ausgelöst wird, bedeutet höchsten Stress und kann zum Verlust der Brut führen.

Pflicht, die Natur pfleglich zu behandeln

Die Fachbereiche Ordnungswesen und Umwelt appellieren deshalb an alle Hundebesitzer, die Hunde in diesen sensiblen Bereichen nur angeleint spazieren zu führen, den Asphaltweg zu benutzen und nicht quer über die Wiesen zu laufen. „Jeder hat zwar ein Recht auf Erholung in der Natur, aber ebenso auch die Pflicht, Natur und Landschaft pfleglich zu behandeln“, gibt Ross in diesem Zusammenhang zu bedenken. Gerade wegen der Coronapandemie und den vielen Einschränkungen würde es momentan viel mehr Menschen in die freie Natur ziehen.

„Für viele sind das ganz neue Erfahrungen, mit denen aber auch Gefahren verbunden seien können“, macht der Jagdpächter auf die andere Seite der Medaille aufmerksam. Begegnet beispielsweise ein frei laufender Hund einer Bache mit Frischlingen, so kann das für den Hund böse enden. Denn so ein Muttertier, das seinen Nachwuchs in Gefahr wähnt, greift mit seinen spitzen Zähnen sofort an. Egal wie groß oder klein der Hund auf der anderen Seite ist. Gefährlich kann es auch für Spaziergänger in den Abendstunden werden, wenn die Jäger auf Wildschweinjagd gehen.

Übertragung der Schweinepest droht

Dann kann möglicherweise in der Dämmerung ein Fehlschuss versehentlich einen Spaziergänger treffen. Auch droht momentan der Ausbruch der Schweinepest. Sollte sich ein Wildschwein mit dieser Krankheit infizieren, droht dann in Folge auch die Tötung von Tausenden von Hausschweinen.

Ross und auch der Pächter der Nachbarjagd, Hans Heilmann, werden in den nächsten Tagen nicht nur die fehlenden Schilder wieder ersetzen, sondern werden noch mehr entlang der Wiesen aufstellen. „Bei den Wiesen hier zwischen Ostheim und Eichen handelt es sich zudem um FFH-Gebiet, also um ein Gebiet, das dem Erhalt wild lebender Pflanzen- und Tierarten und ihrer natürlichen Lebensräume dient“ so Ross abschließend. Jürgen W. Niehoff

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