Legt den Dirigentenstab aus der Hand: Florian Adam-Neumann.
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Legt den Dirigentenstab aus der Hand: Florian Adam-Neumann. Fünf Jahre hatte er als Aufbauhelfer und Leiter des Sinfonischen Blasorchesters des Posaunenchors Eichen-Erbstadt gewirkt.

Florian Adam-Neumann hört als Dirigent des Sinfonischen Blasorchesters Eichen-Erbstadt auf - Das ist der Grund

  • Jan Max Gepperth
    vonJan Max Gepperth
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Nachdem er den Posaunenchor Eichen-Erbstadt wieder aufgebaut hat, hört Florian Adam-Neumann als Dirigent des Sinfonischen Blasorchesters Eichen-Erbstadt auf.

Nidderau – Er war maßgeblich daran beteiligt, dass der daniederliegende Posaunenchor Eichen-Erbstadt als Sinfonisches Blasorchester eine Auferstehung feierte und nicht nur in der Stadt viel beachtete Konzerte gab und sogar den Titel „Deutscher Meister“ nach Nidderau holte. „Ich bin der Überzeugung, dass ein Orchester immer wieder einen Dirigentenwechsel braucht, deshalb habe ich mich entschlossen, die Corona-Pause zu diesem Schritt zu nutzen“, so Florian Adam-Neumann im Gespräch mit dem Hanauer Anzeiger.

Als der Musiklehrer und Posaunist im März 2015 endgültig seinen Wohnort Köln aufgab und nach Eichen zog, war der Posaunenchor Eichen-Erbstadt nicht mehr spielfähig, es gab keine Proben und Auftritte mehr. In Absprache mit der damaligen Pfarrerin Stracke entwarf Florian Adam-Neumann ein Konzept, um die Tradition von kirchlicher und säkularer Musik unter dem neuen Namen Sinfonisches Blasorchester des Posaunenchors Eichen-Erbstadt (SiBo) fortzuführen. „Ich habe bewusst diesen Namen gewählt, um ehemaligen und neuen Musikern zu signalisieren, dass wir zwar ein Laienorchester etablieren wollten, aber doch mit einem gewissen musikalischen Anspruch“, blickte Adam-Neumann auf den Neuanfang zurück.

Neuaufbau gelang erstaunlich schnell

Auch mit Hilfe von Musikern des Blasorchestern Nidderau (BON), die bis zur vollen Stärke des SiBo vakante Instrumente ersetzen, gelang der Neuaufbau erstaunlich schnell. „Viele ehemalige Mitglieder des Posaunenchors waren offensichtlich vom Konzept überzeugt und fanden schnell den Weg zurück zu den Proben“, sagt der Dirigent. Bereits 2015 gab es ein Galakonzert in der KuS-Halle in Heldenbergen und wieder regelmäßige Gottesdienstbegleitungen in unterschiedlichen Besetzungen.

Ein Jahr später setzte das SiBo mit dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft in der Kategorie „Big Band“ dem Comeback die Krone auf. „Ich hatte den Musikern gesagt, wir fahren nach Lindau/Harz und haben nichts zu verlieren. Wir wollen Spaß haben und solch ein Event einfach mal live erleben“, erinnert sich der Orchesterleiter, „dass wir dann gleich Erster werden, hätte keiner von uns gedacht. Aber es war ein unvergessliches Erlebnis.“

Dem folgten weitere Veranstaltungen, auf die Florian Adam-Neumann mit Stolz, aber auch mit Wehmut zurückblickt, wohl wissend, dass sie in dieser Form vermutlich nicht wiederholbar sind. „Wir haben zusammen mit Sancto Petrolio auf dem Hof Buchwald ein fantastisches Event organisiert, ebenso wie die Kirchenplatz-Serenade in Eichen oder der Gewinn der Hessenmeisterschaft in den Kategorien Orchester und Big Band, die Sonnwendfeier in Eichen, die Teilnahme am Luther-Tattoo oder die erste SiBo-Hüttengaudi in Erbstadt sind Höhepunkte während meiner Dirigentenzeit.“

Silbermedaille bei der „German Championship of Music“

Es folgten eine Silbermedaille bei der „German Championship of Music“, Auftritte beim Neujahrsempfang der Stadt mit der Verleihung des Kulturförderpreises an das SiBo und gemeinsame Probetage mit dem Musikkorps Schwarz Rot Köln, um nur einige zu nennen. Parallel gelang es Adam-Neumann mit seinen Mitstreitern, bereits 2016 wieder ein kleines Jugendorchester ins Leben zu rufen. „Nach einer Kooperation mit der Musikschule

hat das SiBo inzwischen die Ausbildung des Nachwuchses wieder erfolgreich in eigene Hände genommen. Aktuell sind 29 Kinder und Jugendliche in Ausbildung, das Orchester umfasst 35 Musiker“, berichtet Adam-Neumann.

„Jeder Dirigent hat seine eigene Philosophie und Herangehensweise. Ich habe immer den Fokus auf den Spaß an der Musik gelegt und dass beim Publikum die Emotionen, mit denen Musik gemacht wird, auch ankommen. Da darf ruhig mal ein falscher Ton raus, den kann man sowieso nicht zurückholen. Aber die Spielfreude muss beim Publikum ankommen und das ist uns offensichtlich nach dessen Reaktionen bei den vielen Auftritten fast immer gelungen“, zog Florian Adam-Neumann ein positives Resümee.

Arbeit als Musiklehrer habe sich durch Corona verändert

„Durch Corona hat sich die Arbeit als Musiklehrer an der Käthe-Kollwitz-Schule doch sehr verändert, parallel dazu habe ich mein Hobby Mode zu einem Nebenberuf gemacht. Meine Dirigentenstelle in Groß-Zimmern habe ich auch aufgegeben, leite nur noch das Musikkorps Bickenbach und bin noch in Großen-Linden als Posaunist selbst aktiv“, so der Musiker.

Um die Zukunft des SiBo ist es Florian Adam-Neumann nicht bange: „Wenn ich sehe, wieviel qualifizierte und sehr gut ausgebildete Musiker und Dirigenten sich um meine Nachfolge bewerben, kann ich nur feststellen, dass sich das SiBo in den vergangenen Jahren einen sehr guten Ruf erarbeitet hat, in der Szene bekannt ist und für seine Qualität geschätzt wird.“

Er werde dem Sinfonischen Blasorchester immer verbunden bleiben und – wenn gewünscht – auch mit Rat und Tat zur Seite stehen. Denn mit den fünf Jahren Dirigententätigkeit seien auch unvergessliche Momente verbunden, wie den seiner Hochzeit in Mainz, wo das gesamte Orchester anwesend gewesen war und – wie immer als Schlusspunkt bei Konzerten unter seiner Leitung – den Choral „Ich bete an die Macht der Liebe“ gespielt hätte.

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