Sowohl bei einem Brand in der Windecker Altstadt im Juni 2017 (Foto) als auch bei einem Feuer vergangene Woche in Erbstadt rückten die Kameraden aus Hanau mit ihrer Drehleiter zur Unterstützung an. Demnächst können sich die Wehren in Nidderau wieder selbst behelfen. Zudem soll die Drehleiter vom Standort Windecken aus auch in Schöneck und Hammersbach zum Einsatz kommen. Archivfoto: Feuerwehr Nidderau/Göppel

Nidderau

Nidderau: Feuerwehr-Drehleiter nach einem Jahr Reparatur zurück

Nidderau. Das Warten hat ein Ende. In den kommenden zwei Wochen soll der Drehleiterwagen der Feuerwehr Nidderau nach rund einem Jahr Reparatur- und Wartungsarbeiten wieder am Standort Windecken eintreffen.

Von Jan-Otto Weber

Angesichts der langen Wartezeit hatte sich in den vergangenen Monaten bereits ein gewisses Unverständnis unter den Kameraden vor Ort breit gemacht. Doch wie Kreisbrandinspektor Markus Busanni auf Anfrage unserer Zeitung versichert, hat alles seine Richtigkeit.

Spezialwerkstatt musste gefunden werden

„Es gibt in ganz Deutschland nur eine handvoll Firmen, die solche feuerwehrtechnischen Arbeiten durchführen können“, erläutert Busanni. „Wir mussten zunächst Angebote einholen und die Finanzmittel zur Verfügung stellen. Und dann ist es natürlich so, dass solche Spezialwerkstätten auch volle Auftragsbücher haben.“Zudem habe die Firma, die in der Nähe von Karlsruhe ansässig ist, bei dieser Gelegenheit gleich einen „großen Check“ durchgeführt, der alle zehn Jahre bei Fahrzeugen dieser Art vorgeschrieben sei. „Der Korb und die Elektroleitungen wurden erneuert, die Hydraulikschläuche überholt und auch die Fahrzeugstützen wurden aufgewertet“, erklärt Busanni die umfangreichen technischen Anforderungen. „Bei einer Länge von rund 30 Metern in ausgefahrenem Zustand hat die Leiter schon einen gewissen Hebel. Da müssen die technischen Einrichtungen in Zusammenspiel mit dem Bordcomputer einwandfrei funktionieren.“

Rost an den Leitersprossen

Der eigentliche Grund für die Reparatur des Hubrettungsfahrzeugs vom Typ DLK23–12CC Vario waren jedoch die Leitersprossen, die von Rost angegriffen waren. „Die Sprossen sind zum Schutz und zur besseren Trittsicherheit mit Gummimanschetten ummantelt“, erklärt Busanni. „Darunter hatte sich Wasser gesammelt, was zu Schäden am Metall geführt hat.“Bei einer Überprüfung durch den „Feuerwehr-Tüv“ sei dieser Mangel entdeckt worden, weshalb sich die Kreisbrandinspektion für eine Reparatur entschieden habe. Dazu sei der sogenannte Leiterpark komplett in seine fünf Teile zerlegt und überarbeitet worden.

Reparatur- und Wartung so teuer wie Anschaffung

Damit, dass sich die Arbeiten so lange hinziehen würden, hatte aber offenbar vor Ort niemand gerechnet. Jedenfalls wurden in den vergangenen Wochen die Stimmen unter den Nidderauer Kameraden lauter, die an der Wirtschaftlichkeit der Anschaffung des Drehleiterwagens und seiner Reparatur zweifelten, wie unserer Zeitung zugetragen wurde. Immerhin hatte das Fahrzeug Baujahr 1993, das zuvor im Dienst einer niederländischen Berufsfeuerwehr gestanden hatte, bei seiner Übergabe im November 2014 bereits 93 000 Kilometer auf dem Tacho. Statt einer mittleren sechsstelligen Summe für ein neues Fahrzeug hatten sich der Main-Kinzig-Kreis (40 000 Euro) und die Stadt Nidderau (29 000 Euro) die verhältnismäßig geringen Anschaffungskosten geteilt. „Es ist ein sehr gutes Fahrzeug, robust und solide“, befand Kreisbrandinspektor Busanni seinerzeit bei der Übergabe. Die jetzigen Reparatur- und Wartungskosten belaufen sich laut Busanni auf etwa die gleiche Summe.

Drehleiter aus Hanau musste zuletzt mit ausrücken

Offiziell wollte sich zu dem Thema in Nidderau zuletzt niemand äußern. Bürgermeister Gerhard Schultheiß verwies auf die Zuständigkeit der Kreisbranddirektion. Und Stadtbrandinspektor Volker Reis sagte auf Anfrage unserer Zeitung lediglich: „Unsere Mannschaft ist gut ausgebildet und wartet auf die Rückkehr ihres 'Schätzchens'. Wir blicken positiv in die Zukunft.“Dabei hätte man die Drehleiter im zurückliegenden Jahr gut gebrauchen können. Etwa als im Juni ein Dachstuhlbrand am Schlitzerhof die Bewohner der Windecker Altstadt aufschreckte. Oder als vergangene Woche ein Feuer im Stadtteil Erbstadt mehrere Wohnungen in einem Haus zerstörte und einen Schaden von etwa einer halben Million Euro anrichtete. Beide Male waren die Kameraden aus Hanau mit der Drehleiter zur Unterstützung angerückt.

Einsatzgebiet auch Schöneck und Hammersbach

„Die Sicherheit der Bevölkerung war zu jedem Zeitpunkt gewährleistet“, versichert Kreisbrandinspektor Busanni. „Dafür haben wir ausgeklügelte Einsatz- und Alarmierungspläne, auch über die Kreisgrenzen hinweg.“ Dennoch ist auch Busanni „froh und dankbar“, dass bald wieder ein Drehleiterwagen im westlichen Main-Kinzig-Kreis stationiert ist. „Ich rechne damit, dass das Fahrzeug in den kommenden 14 Tagen wieder nach Windecken zurückkehrt. Von dort aus ist dann wieder das Einsatzgebiet Nidderau sowie Schöneck und Hammersbach abgedeckt.“

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