Freut sich auf die Arbeit im neuen Nidderauer Parlament: David Marohn.
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Freut sich auf die Arbeit im neuen Nidderauer Parlament: David Marohn.

Der 20-jährige David Marohn hat ein Mandat für die FDP geholt

Ein neues Gesicht im neuen Nidderauer Parlament

  • Yvonne Backhaus-Arnold
    vonYvonne Backhaus-Arnold
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David Marohn eines der neuen Gesichter im neuen Stadtparlament, das sich am 21. April konstituieren wird. Der 20-Jährige hat ein Mandat für die FDP gewonnen. Erst im vergangenen Jahr haben die Liberalen – unterstützt von Anke Pfeil und der Schönecker FDP – einen Stadtverband aus der Taufe gehoben, Marohn war unter den Gründungsmitgliedern.

Nidderau - Eigentlich kommt David Marohn aus einem konservativen Haushalt. Vater und Großvater sind in der CDU, die Großmutter auch. Eine politische Familie also, aber keine dogmatische. Als er mit 18 in die FDP eintrat, ließen sie ihn machen. Da habe er sich wiedergefunden, sagt Marohn ganz staatsmännisch. Einige Persönlichkeiten hätten ihn angesprochen, Christian Lindner, der Bundesvorsitzende, Marc Buschmann, seit Oktober 2017 Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der Bundestagsfraktion, die Bundestagsabgeordnete Linda Teutberg. Auch wie der Thüringer Thomas Kemmerich und die Diskussionen um seine Ministerpräsidentenwahl mit Stimmen von AfD, CDU und FDP geführt habe, habe ihn beeindruckt.

Marohn passt perfekt ins FDP-Schema. Jung. Vernetzt. Digital. Diskussionsfreudig. Und gerne mal mit einem anderen Standpunkt im Gepäck. Wir treffen den Nachwuchspolitiker an einem sonnigen Mittag am Nidder Forum. Die Sonne scheint. Manche essen Eis. Marohn hat gerade Urlaub, muss aber lernen für die Klausuren, die anstehen, wenn sein Duales Studium wieder beginnt. Er ist im vierten Semester – die letzten beiden haben komplett online stattgefunden. Nur bei den Klausuren gibt es eine Präsenzpflicht an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Mannheim. Das Studium, Digital Business Management, ist aufgeteilt in Theorie und Praxis, drei Monate Studium, danach die gleiche Zeit im Ausbildungsbetrieb Fresenius in Bad Vilbel.

Der Studiengang mit dem englischen Titel beinhaltet viel Betriebswirtschaft und den Schwerpunkt digitale Transformation. Wo braucht man IT? Welche Prozesse in Unternehmen eignen sich überhaupt für die digitale Transformation? „Ich bin aber nicht der, der irgendetwas programmiert“, stellt der junge Mann mit der Brille klar. Gute Argumente zu finden, hat David Marohn schon ganz früh gelernt.

„Mit drei älteren Brüdern bleibt das nicht aus“, sagt er und lacht. Die Familie lebt in Windecken. Der 20-Jährige ist Pfadfinder beim Stamm Wartbaum, hilft im Verein aber auch sonst, wo er kann. Und er schwimmt gern, war Trainer bei der DLRG. Nach dem Abitur am Franziskanergymnasium und dem Studienbeginn ist die Zeit für Hobbys weniger geworden. Aber das sei ja normal, sagt Marohn.

Ausschussarbeit wollen sie auf mehreren Schultern verteilen

Für die Kommunalpolitik will er sich Zeit nehmen. „Ich bin der Neue im Parlament“, sagt der 20-Jährige und schiebt hinterher, „ich werde nichts umkrempeln, aber gute Ideen einbringen.“ Ankommen. Beobachten. Einblicke sammeln. Mit Vertretern von CDU und SPD hat Marohn sich bereits ausgetauscht, Grüne und Freie Wähler werden sicher noch folgen. Der Nachwuchspolitiker hofft, dass es mit allen Parteien gut funktioniert. „Die anderen haben signalisiert, dass ich jederzeit Fragen stellen kann und nicht unerwünscht bin. Das nimmt mir ein bisschen von der Aufregung.“

Die Liste für die Kommunalwahl umfasste acht Namen. Dieter Tien stand auf Platz 1, Marohn direkt dahinter. Dass er am Ende 1400 Stimmen erhalten und nach vorn kumuliert werden würde, konnte er wohl nicht ahnen. Tien nahm’s sportlich, ließ seinem jungen Mitstreiter – immerhin war das auch die Entscheidung der Wähler – den Vortritt.

Die Arbeit wollen sie sich künftig ohnehin aufteilen. Stimmrecht hat Marohn als Einzelkämpfer ohne Fraktion nur in der Stadtverordnetenversammlung, nicht aber in den Ausschüssen. Hier gibt es nur ein Teilnahme- und Informationsrecht. Die Arbeit in den Ausschüssen teilen sie sich auf. Tien hat Interesse am Haupt- und Finanzausschuss bekundet, will dort als Gast zuhören und seinen Parteikollegen informieren, damit der im Parlament eine gute Entscheidung treffen kann. „Es gibt genug Möglichkeiten, sich zu engagieren“, ist sich Marohn sicher.

Nidderau als Arbeitsplatz attraktiver machen

Der Plan klingt ganz einfach: Etwas für die Stadt bewirken, Ideen einbringen und sich im Idealfall vor Ort als politische Partei etablieren, „um in fünf Jahren ein paar Prozentpunkte mehr zu bekommen“. „Nidderau ist eine tolle Stadt. Die Größe ist perfekt. Man muss nicht unbedingt woanders hin, um seine Wege zu erledigen“, findet er und leitet direkt zu den politischen Ideen der FDP über. Den Marktplatz in Windecken wiederbeleben und Nidderau als Arbeitsplatz attraktiver machen, damit die Leute hier arbeiten können und nicht nach Frankfurt pendeln müssen. „Das wäre doch sinnvoll und noch dazu ökologisch“, findet der 20-Jährige. Dass es im Parlament eine Reihe neuer junger Gesichter gibt, freut ihn.

Anke Pfeil hat ihm übrigens gratuliert zum Mandat, und wie andere Ortsverbände und die Kreis-FDP auch, weiter ihre Unterstützung zugesagt. Jetzt muss Marohn nur noch die Daumen drücken, dass es am 21. April keinen Stau auf der Autobahn gibt. Ausgerechnet am Tag der konstituierenden Sitzung steht eine Klausur an. In Mannheim. Aber er schafft’s sicher, rechtzeitig zurück in Nidderau zu sein. (Von Yvonne Backhaus-Arnold)

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