Balkon mit Aussicht: Andreas Bär vor der Linse unseres
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Balkon mit Aussicht: Andreas Bär vor der Linse unseres

Wahlen

Bürgermeisterwahl in Nidderau: Andreas Bär ist Nidderauer durch und durch

  • Yvonne Backhaus-Arnold
    vonYvonne Backhaus-Arnold
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Am 29. November findet die Bürgermeisterwahl in Nidderau statt. Zur Wahl stehen Andreas Bär (SPD) und Phil Studebaker (CDU). Wir stellen die Kandidaten vor. Nun präsentieren wir Andreas Bär.

Nidderau – Was für eine Aussicht. Von Andreas Bärs Balkon aus zeigt Nidderau sich an diesem Nachmittag von seiner schönsten Seite. Sonne, blauer Himmel, der Blick geht über die Nidderauen, wo einzelne Spaziergänger unterwegs sind, die Neue Mitte und Heldenbergen bis zum Feldberg am Horizont. Auf der Wiese nebenan grasen drei Ziegen. „Wenn die Nidder im März über die Ufer tritt, sind dort unten manchmal sogar Kanufahrer auf Tour“, erzählt der 37-Jährige.

Allzu viel Zeit, die Aussicht zu genießen, hat Andreas Bär aktuell nicht. Seit Monaten ist der Sozialdemokrat im Wahlkampfmodus. Die Tage sind vollgepackt. Aufgeregt wirkt er, ein bisschen angespannt. Gerade hat er die nächste Pressemitteilung auf den Weg gebracht. Reagieren auf Aussagen der CDU … Aber um Politik soll es heute gar nicht gehen, sondern um den Menschen Andreas Bär.

Bär lehnt Promotionsangebot ab, um zu unterrichten

Der wächst mit zwei großen Brüdern in Windecken auf. Der eine ist sieben, der andere zehn Jahre älter. Manchmal ärgern sie ihn, aber eigentlich sei er das Nesthäkchen gewesen, fast ein Einzelkind. Nach dem Abitur an der Hohen Landesschule in Hanau tendiert Bär dazu, Wirtschaft zu studieren. Die Noten sind gut, die Welt der Zahlen liegt ihm. Warum also nicht? Dann absolviert er seinen Zivildienst in der Martin-Luther-Stiftung in Hanau und orientiert sich neu – auch dank der vielen Begegnungen, die er in diesen Monaten hat. „Nach dem Zivildienst wusste ich, dass ich was mit Menschen machen möchte“, so Bär. Gesagt. Getan. Er studiert Mathematik und Politikwissenschaften („Das waren schon meine Leistungskurse“) auf Gymnasiallehramt an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt. 2008 macht er sein Examen, schließt das Studium mit einer glatten Eins ab.

Das anschließende Promotionsangebot lehnt er ab, will lieber unterrichten, am liebsten an einem Hanauer Gymnasium. Da eine Rückkehr als Lehrer an seine alte Schule für ihn nicht in Frage kommt, beginnt Bär seine berufliche Laufbahn 2008 schließlich an der Karl-Rehbein-Schule, dem anderen Hanauer Gymnasium. Hier ist er seit 2016 Oberstudienrat, absolvierte 2019 noch eine Qualifizierung für Schulleiter in Hessen. Am meisten unterrichtet er bis heute Mathematik, betreut normalerweise als Klassenlehrer eine Fünfte und immer auch einen Leistungskurs. „Es ist ein ganz toller Beruf“, schwärmt Bär, „man begleitet die Schüler, sieht, wie sie groß werden, und bleibt dabei selbst jung.“

Schröder begeisterte Bär nachhaltig für die SPD

Politik hat Bär nebenher immer gemacht. 2002 ist er in die SPD eingetreten, hat die Jusos in Nidderau neu gegründet und seine Stadt von 2006 bis 2016 für die Sozialdemokraten im Kreistag vertreten. 2016 wird er SPD-Fraktionsvorsitzender in Nidderau, 2019 Bürgermeisterkandidat. Als er seinen Eltern von der Kandidatur berichtet, reagieren diese überrascht. Ungläubig. Heute ist Vater Bär sein größter Fürsprecher und immer an vorderster Front dabei, wenn ein neues Banner gehängt werden muss.

Warum die SPD? Bär muss nicht lange überlegen. Das Nein von Gerhard Schröder zum Irakkrieg habe ihn nachhaltig begeistert, aber auch der geschichtliche Hintergrund der Partei, sich für Gerechtigkeit und Freiheit einzusetzen.

Privat ist nicht immer alles so geradlinig gelaufen wie in Beruf und Politik. Von der Mutter seines Sohnes ist Bär getrennt, hat heute eine neue Partnerin. Der Sohn ist mittlerweile zehn Jahre alt und regelmäßig zu Besuch. Am Kühlschrank hängen viele von ihm gemalte Bilder. Daneben steht der Tischkicker, dahinter ein großer Holztisch mit acht Stühlen. Andreas Bär ist ein geselliger Mensch mit Loriots Best off auf DVD, der sich gern mit Freunden trifft. Kochen, am liebsten gerade Sommerrollen und viel Gemüse. Plaudern, oft über Politik. Wandern. Zuletzt waren sie wegen Corona in der Rhön unterwegs. „Wenn man wieder bedenkenlos reisen darf, möchte ich unbedingt mal zum Wandern nach Korsika“, erzählt der Mann mit den kurzen schwarzen Haaren und dem Vollbart. Bekannte von früher sagen über ihn, dass er das Herz am rechten Fleck hat.

Bär ist leidenschaftlicher Musiker

Im unteren Geschoss hat Bär gerade jede Menge Möbel von Freunden gelagert, die umbauen. „Macht man halt“, sagt er. Hier ist auch der alte Probenraum mit Amateurstudio. Deutsch-Rock. Den Namen der Band will der 37-Jährige nicht verraten. Nur so viel: Eine eigene CD und zwei Wochen Deutschland-Tour wie erträumt, gab’s nicht, dafür unvergessene Zeiten an der Gitarre oder am Bass und beim Liederschreiben.

Eigentlich wollte Andreas Bär gerade Fritzi und Lotti mit Futter anlocken, aber die haben sich aus dem Staub gemacht. Den beiden Stubentigern, die er vor zwei Jahren aus dem Tierheim zu sich nach Hause geholt hat, ist der Trubel an diesem Nachmittag eindeutig zu groß.

Viel Herzblut aber wenig Talent beim Fußball

Freiwillige Feuerwehr Windecken, Kulturverein Schlosskeller Windecken, Förderverein der Pfadfinder – Bär hat etliche Fördermitgliedschaften. Aus Überzeugung und aus Verbundenheit. Aktiv ist er als Vorsitzender des Förderkreises der Windecker Kurt-Schumacher-Schule und im Windecker Schützenclub 1906. Hier schießt er regelmäßig mit der Großkaliberpistole. Fußball hat er auch mal probiert als Kind. In der Verteidigung. „Aber da war es wie mit der Musik: Ich war mit viel Herzblut, aber nicht mit viel Talent dabei.“ Dass er bei dieser Aussage über sich selbst schmunzeln kann, sagt viel aus über den Menschen Andreas Bär.

Nach positiven Charaktereigenschaften gefragt, zögert der Nidderauer kurz: „Ehrgeizig. Immer offen für Neues. Begeisterungsfähig.“ Und die negativen? Bär lacht. „Ehrgeizig. Immer offen für Neues. Begeisterungsfähig.“

Über den Nidderauen wird es langsam dunkel. Zeit zu gehen. Kurze Pause für den SPD-Bürgermeisterkandidaten Andreas Bär. Fritzi und Lotti warten auch schon am Treppenaufgang.

Das Porträt zu Phil Studebaker (CDU) finden sie hier

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