Unterricht auf allen Kanälen: Schulleiter Harald Klose (von links) spricht mit Lehrerin Karina Bauer (auf dem Bildschirm) über den Online-Unterricht. Im Hintergrund lauschen Horst Körzinger und Michael Kopf von der Bürgerstiftung sowie Lehrer Ole Friedrich gemeinsam mit den Schülern der Jahrgangsstufe 10.
+
Unterricht auf allen Kanälen: Schulleiter Harald Klose (von links) spricht mit Lehrerin Karina Bauer (auf dem Bildschirm) über den Online-Unterricht. Im Hintergrund lauschen Horst Körzinger und Michael Kopf von der Bürgerstiftung sowie Lehrer Ole Friedrich gemeinsam mit den Schülern der Jahrgangsstufe 10.

Digitalisierung

Nidderau: Bertha-von-Suttner-Schule schafft über 200 Tablets an

Zwei iPads und 15 Kopfhörer mit Mikrofonen fehlten am Ende zur digitalen Ausstattung der Bertha-von-Suttner-Schule. Diese spendete die Bürgerstiftung Nidderau am vergangenen Freitag der Schule mit ihren 900 Schülern. Damit sind in den vergangenen Monaten insgesamt 144 iPads an Schüler der Bertha-von-Schule ausgeliefert worden. Weitere 74 Geräte folgen im nächsten Monat.

Nidderau – Die seien dann aber nur noch für Lehrer bestimmt, wie Schulleiter Harald Klose den Vertretern der Bürgerstiftung Nidderau, Horst Körzinger und Michael Kopf, berichtet.

Warum dann aber noch die Spende der Bürgerstiftung mit einem Gesamtwert von über 1500 Euro? „Diese Rechner sind für Schüler bestimmt, die erst nach Ablauf der Antragsfrist auf unsere Schule gekommen sind und die über keine elektronischen Geräte zu Hause verfügen“, klärt Klose auf.

„Nachhilfe“ für die Lehrer

Als im Laufe des ersten Lockdowns im Frühjahr vergangenen Jahres mit den ersten Schulschließungen klar wurde, dass die Kinder bei einer weiteren Schulschließung nicht ohne jeglichen Unterricht bleiben dürften, begann man an der „Bertha“ mit den Vorbereitungen für einen Online-Unterricht, also für einen Unterricht, bei dem die Schüler zu Hause bleiben konnten. „Dafür wurden nicht nur die Schüler im Umgang mit den elektronischen Medien geschult, sondern auch die Lehrer erhielten ‘Nachhilfe’ für die neue Unterrichtsform“, klärt der IT-Fachmann an der Schule, Ole Friedrich, auf.

Damit war die Bertha-von-Suttner-Schule eine der ersten Schulen, die sich mithilfe des Main-Kinzig-Kreises so frühzeitig auf den elektronischen Unterricht vorbereiten konnte. „Sicher hat da am Anfang nicht alles reibungslos geklappt. Aber so eine Pandemie gibt es ja auch nicht jeden Tag“, räumt Klose ein. Probleme gab es beispielsweise bei der Beschaffung der elektronischen Geräte, und auch mit der Technik hat es am Anfang etwas gehapert.

Schwangere Lehrerin unterrichtet aus dem Homeoffice

Auch Lehrerin Carina Bauer, die den Deutschunterricht an diesem Tag für die Abschlussklasse wegen ihrer fortgeschrittenen Schwangerschaft von zu Hause aus online gibt, kann dieser Art von Unterricht positive Seiten abgewinnen: „Ich gebe am Anfang der Schulstunde eine Aufgabe. Die Schüler fangen mit der Bearbeitung an, und ich kann mich dann anschließend bei jedem Einzelnen einschalten und sehen, was er schreibt und ihn sofort korrigieren oder loben“, beschreibt sie. „Das geht im normalen Unterricht nicht.“

Auch der Schulleiter bemängelt zwar das Fehlen sozialer Kontakte unter den Schülern bei Schulschließung, dafür würden sie aber den Umgang mit den elektronischen Medien lernen und vor allem am eigenen Leib erfahren, wie wichtig die Einhaltung von Strukturen und Regeln ist. „Deshalb werden wir das Online-Lernen oder zumindest den Umgang mit den elektronischen Medien in irgendeiner Form zusätzlich beibehalten.“

Wechselunterricht im Wochenrhythmus

Ansonsten aber atmet Harald Klose hörbar auf, weil die Inzidenzzahlen wegen der Pandemie langsam absinken und der Präsenzunterricht in greifbare Nähe rückt. Zurzeit findet der Unterricht noch im Wechsel statt, das bedeutet, dass die Hälfte der Klasse in der Schule unterrichtet wird und die andere Hälfte parallel dazu zu Hause. Nach Ablauf einer Woche wechseln dann die Gruppen.

Wie IT-Spezialist Friedrich aber ausdrücklich betont, sind alle Lehrer und alle Schüler während der üblichen Unterrichtszeit beim Online-Unterricht über die Microsoft Plattform Teams jederzeit erreichbar und auch ansprechbar. In den letzten drei Monaten seien so allein an der Bertha-von-Suttner-Schule über 60 000 Aktivitäten auf der Internetplattform Teams zustande gekommen.

Schulleiter befürchtet Bildungsdefizit

Auch wenn Klose und Friedrich im Großen und Ganzen recht zufrieden sind, wie ihre Schule die vielen Corona-bedingten Einschränkungen in letzter Zeit gemeistert hat, so müssen beide doch eingestehen, dass bei vielen Schülern ein Bildungsdefizit zurückbleibt. „Wie groß das im Einzelnen ist, das hängt vom sozialen Umfeld und vor allem von der Familie des jeweiligen Schülers ab“ so Klose.

Nach seiner Einschätzung wird die Pandemie bei 20 oder 30 Prozent der Schüler zu Lernrückständen führen, die in den kommenden Jahren irgendwie wieder aufgeholt werden müssten. Vielleicht kann dabei auch wieder die Technik helfen. Jürgen W. Niehoff

Das könnte Sie auch interessieren