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Nidderau: Ausschuss stimmt Bietverfahren für bezahlbaren Wohnraum am Mühlberg in Windecken zu

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Die Mühlbergstraße in Windecken: Hier, auf der Wiese gegenüber der Bestandsbebauung, sollen zu je einem Drittel Wohnungen mit geförderten und preisgünstigen sowie freien Mieten entstehen.
Die Mühlbergstraße in Windecken: Hier, auf der Wiese gegenüber der Bestandsbebauung, sollen zu je einem Drittel Wohnungen mit geförderten und preisgünstigen sowie freien Mieten entstehen. © Jan-Otto Weber

Grünes Licht vom Ausschuss für Stadtentwicklung, Infrastruktur und Klimaschutz für den Start des Bietverfahrens zur Bebauung der rund 1800 Quadratmeter großen Fläche am Mühlberg in Windecken.

Nidderau – Wohnraumnot, vor allem die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum, ist spätestens mit der Sorge um die Unterbringung von anerkannten Flüchtlingen auch in Nidderau zum Problem geworden. Deshalb wurde vor etwa zwei Jahren vonseiten der Verwaltung angeregt, am Ortsrand von Windecken neuen Wohnraum entstehen zu lassen.

Da sich aus Angst vor einem möglichen Brennpunkt sofort Protest in der Bevölkerung im naheliegenden Wohngebiet Mühlberg regte, wurde vorgeschlagen, die Bebauung zu je einem Drittel in geförderten Wohnraum, preisgünstigen Wohnraum und freies Wohnen aufzuteilen.

Seitens der Stadt wurden sodann Voranfragen beim Kreisbauamt und den übergeordneten Behörden gestellt, zumal dieser Bereich des Mühlbergs im aktuellen regionalen Flächennutzungsplan als Baugebiet noch gar nicht enthalten ist. Diese Anfragen wurden unter der Voraussetzung, dass öffentliche Belange nicht beeinträchtigt sind und auch die Erschließung gesichert ist, nach Paragraph 35 Baugesetzbuch positiv beschieden.

Voranfragen bei Behörden positiv

Nachdem die größten Hürden genommen sind, können das Stadtparlament und seine Gremien den Startschuss für das Vorhaben geben. Als Erstes galt es deshalb am Montagabend, die Zustimmung des Ausschusses für Stadtentwicklung zu gewinnen. Nachdem Bürgermeister Andreas Bär (SPD) dem Ausschuss die Vorarbeiten seiner Verwaltung noch einmal dargelegt und auch über die wohlwollende Prüfung der übergeordneten Behörden berichtet hatte, entwickelte sich doch noch eine Diskussion um die Gewichtung der Aspekte, nach denen die Wohnungen gebaut werden sollen, nämlich sozial, wirtschaftlich und ökologisch.

Während Tim Koczkowiak (Grüne) forderte, dass der ökologische Gesichtspunkt ganz oben anstehen müsse, gaben Bär und die übrigen Fraktionen zu bedenken, dass sozialer Wohnungsbau wohl kaum nach reinen ökologischen Gesichtspunkten geplant werden könne. Das sei dann nicht mehr wirtschaftlich. Allerdings, so räumte Bär schlichtend ein, sei die heutige Bauweise bereits sehr klimaneutral ausgerichtet.

Bauen nach „ökologischen Gesichtspunkten“

Deshalb wurde schließlich dem Kompromissvorschlag des neuen Bauamtsleiters Bernd Dassinger einstimmig zugestimmt. Danach soll in die Aufforderung zur Teilnahme an dem Bietverfahren zur Erstellung der Wohnungen der Zusatz „nach ökologischen Gesichtspunkten“ aufgenommen werden, ohne dies genauer zu spezifizieren. „Das erfolgt dann später bei der Auswahl der Bieter“, so Dassinger.

Ähnlich ausgiebig wurde anschließend die Diskussion um den Antrag der Verwaltung auf Änderung des Bebauungsplans „Mühlweide“ in Ostheim geführt. Hierzu lagen der Verwaltung zwei Anträge auf Umwandlung zweier Grundstücke von Grünflächen hin zu Bauland zwischen den Straßen In den Pfortenwiesen und Heckenwingert vor.

Aus den Reihen der Ausschussmitglieder gab es dazu erhebliche Bedenken. So war schon 1984 in Erwägung gezogen worden, über die beiden Grundstücke und dann weiter unterhalb der Wohnbebauung Mühlweide eine Art Umgehungsstraße an Ostheim vorbei bis Windecken zu führen und auch dort den Verkehr an Windecken vorbei in Richtung Wartbaum bis zur B45 zu leiten. Der Plan sei dann später wieder in den Schubladen verschwunden, weil Hessen Mobil als Straßenbaulastträger frühzeitig abgewunken hatte. Und heute ist das Gebiet südlich von Windecken in Richtung Wartbaum ein Grüngürtel, der aus ökologischen Gründen nicht bebaut werden darf.

Kaum Hoffnung auf „kleine Umgehung“

Trotzdem wurde anschließend einstimmig beschlossen, den Antrag der Verwaltung von ihr noch einmal überarbeiten zu lassen und dabei eine Abwägung hinsichtlich der Vor- und Nachteile für die Stadt bei der Änderung des Bebauungsplans vorzunehmen. „Denn möglicherweise verbauen wir uns als Stadt durch die Änderung des Bebauungsplans an dieser Stelle die Möglichkeit zukünftiger Innenstadtgestaltungen“, so der Ausschussvorsitzende Helmut Brück.

Aufgeschoben wurde auch eine mögliche Erweiterung des Ostheimer Friedhofs durch die Anlage von Bestattungsbäumen. Dazu soll demnächst eine Ortsbegehung des Ausschusses zusammen mit dem Ortsbeirat stattfinden. Zurückgestellt wurde zudem der CDU-Antrag auf Ermittlung freier Dächer für Photovoltaikanlagen, da die Grünen einen Änderungsantrag auf Verpflichtung der Bauherren zur Installation derartiger Anlagen auf den Dächern von Neubauten gestellt hatten. Da auf Bundes- und Landesebene in diesem Bereich derzeit viel im Fluss sei, soll die Entwicklung allein wegen der Fördermittel erst noch abgewartet werden.

Abschließend erläuterte Bär noch einmal ausführlich, was um und in der neuen Müllverwertungsanlage Greiner in Heldenbergen passiert (wir berichteten). (Von Jürgen W. Niehoff)

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