An der Friedberger Straße in Heldenbergen soll in zweiter Reihe Wohnbebauung entstehen. Die Anwohner beklagen unter anderem die enge Zufahrt zu dem Areal. Geplant ist deshalb ein Einbahnstraßenverkehr.
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An der Friedberger Straße in Heldenbergen soll in zweiter Reihe Wohnbebauung entstehen. Die Anwohner beklagen unter anderem die enge Zufahrt zu dem Areal. Geplant ist deshalb ein Einbahnstraßenverkehr.

Ortsbeirat

Nidderau: Anwohner der Friedberger Straße kritisieren Wohnungsbaupläne

Ein Bauvorhaben an der Friedberger Straße in Heldenbergen mit immerhin 26 Wohneinheiten auf einem abgelegenen Grundstück in zweiter Reihe an den Bahngleisen, stößt bei den umliegenden Nachbarn auf wenig Gegenliebe. Deswegen haben die Anwohner den Ortsbeirat Heldenbergen eingeschaltet, der sich am Montagabend mit dem Thema befasste.

Nidderau – Bereits am 4. Mai hatten sich die Gremienmitglieder zu einem Ortstermin getroffen, um sich über das geplante Bauvorhaben mit vier Mehrfamilienhäusern zu informieren. „Bevor man über etwas diskutiert, sollte man zumindest über den Standort Bescheid wissen“, klärt Ortsvorsteher Erich Lauer (CDU) zu Beginn der Sitzung am Montagabend in der Kultur- und Sporthalle auf.

Zu den zahlreichen Gästen an diesem Abend zählt auch Bürgermeister Andreas Bär (SPD). Es ist nicht nur sein erster Arbeitstag als Bürgermeister und zugleich auch seine erste öffentliche Sitzung als Stadtoberhaupt. Er hat zu diesem Zeitpunkt auch bereits einen zwölfstündigen Arbeitstag hinter sich.

Landwirt kann Acker mit modernen Maschinen nicht mehr nutzen

Für die Verwaltung steht an diesem Abend jedoch Bauamtsleiter Steffen Schomburg Rede und Antwort. Einer der vier Investoren, der Ostheimer Landwirt Wolfgang Kester, erläutert zunächst den gut 20 Anwohnern und Besuchern das Projekt. Vier Mehrfamilienhäuser mit 26 Wohneinheiten zwischen 58 und 110 Quadratmeter Wohnfläche sollen auf einem 5375 Quadratmeter großen Wiesengrundstück zwischen der Friedberger Straße und den Eisenbahngleisen entstehen.

Der Ostheimer Landwirt Wolfgang Kester, einer der vier Investoren, mit den Plänen auf dem umstrittenen Grundstück.

„Durch die immer enger werdende Bebauung mit Wohnhäusern direkt an der Friedberger Straße komme ich mit meinen modernen Landmaschinen nicht mehr auf mein Grundstück. Deshalb will ich den Acker schon seit Längerem verkaufen“, erklärt der Noch-Eigentümer Paul Spiegel seine Verkaufsabsichten.

Stadt hatte bereits mehrere Bauvoranfragen

Davon hat auch die Stadt Kenntnis. „Wir hatten bestimmt schon sieben oder acht Bauvoranfragen. Doch waren die meisten Objekte entweder zu groß oder passten nicht in das wohnliche Umfeld“, bestätigt Bauamtsleiter Schomburg. Bei dem neuen Projekt hingegen stimme alles – und zwar sowohl die Größe als auch die Anordnung. Das sei für dieses Gebiet ein wesentliches Kriterium, denn hier gebe es keinen Bebauungsplan, sondern das Objekt müsse sich entsprechend Paragraf 34 Bundesbaugesetz in die Umgebung einfügen.

Diese Vorgehensweise der Verwaltung kommt wiederum bei Ortsbeiratsmitglied Anette Abel (FWG) nicht gut an. „Das scheint bei der Stadt allmählich zur Gewohnheit zu werden, nämlich immer dann, wenn es problematisch werden könnte, diese Vorgehensweise über Paragraf 34 BbauG zu wählen“, sagte sie mit Anspielung auf die Nidderhalle Eichen. Damit ist jede Transparenz wie etwa bei der Erstellung eines Bebauungsplans ausgeschlossen.“

Mittlerweile kommen auch die Anlieger in Fahrt. Argumente wie „Hier wird wiederum auf wertvollem Acker gebaut“ oder „Das Bauvorhaben ist für die Umgebung viel zu groß“ kommen auf den Tisch. Die wischt Schomburg allerdings sofort mit dem Hinweis, es handele sich um ein Mischgebiet, da sei eine andere Bebauung als in einem reinen Wohngebiet zulässig, beiseite.

Einbahnstraßen-Regelung wegen enger Zufahrtsstraßen

Mit einem Einwand der Anlieger hat allerdings auch er Schwierigkeiten, nämlich mit der Zu- und Abfahrt zu dem geplanten Baugelände. Momentan handelt es sich um zwei nur mit Split befestigte und lediglich 3,60 Meter breite Feldwege. „Größere Lieferwagen und erst recht Lastwagen wie Müllabfuhr und Feuerwehr müssen da jetzt schon recht vorsichtig rangieren“, so eine Anwohnerin. Deshalb habe man sich im Prüfverfahren für den Bauantrag schon auf eine Einbahnstraßen-Regelung geeinigt. Dann gebe es keinen Gegenverkehr und die vermeintlichen Probleme seien damit beseitigt, antwortet Schomburg.

Die zuständigen Behörden wie Polizei, Ordnungsamt, Müllabfuhr und andere mögliche Versorger hätten bereits zugestimmt. „Und die Fußgänger, die Kinder und die alten Leute mit Rollator? Wo sollen die hin?“, lautet sofort die Gegenfrage.

Bauantrag liegt bereits beim Main-Kinzig-Kreis

In vielen Wohngebieten gebe es mittlerweile Fahrbahn und Bürgersteig auf baugleicher Höhe, und das funktioniere auch, so Schomburg, der aber sodann einräumt, dass man darüber noch verhandeln könne und das letzte Wort noch nicht gesprochen sei. „Der Bauantrag liegt der Baubehörde des Main-Kinzig-Kreises zwar mittlerweile zur Genehmigung vor, jedoch kann der Ortsbeirat immer noch einen Wunsch äußern“, empfiehlt Schomburg.

Daraufhin wird ein kleiner Stab gebildet, bestehend aus zwei Mitgliedern der Anwohnerschaft, Vertretern des Ortsbeirates und der Verwaltung, die nun noch eine gemeinsame Empfehlung an das Kreisbauamt zur Verkehrsführung in diesem Bereich erstellen sollen.

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