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Nach Schwerstarbeit steht alles: Kerbburschen stellen Festzelt

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Viele Hände, schnelles Ende: Dank zahlreicher Helfer und schwerem Gerät war das Festzelt innerhalb weniger Stunden aufgestellt. Am Wochenende werden hier mehrere Tausend Besucher die Usthemer Kerb feiern. Fotos: Rainer Habermann
Viele Hände, schnelles Ende: Dank zahlreicher Helfer und schwerem Gerät war das Festzelt innerhalb weniger Stunden aufgestellt. Am Wochenende werden hier mehrere Tausend Besucher die Usthemer Kerb feiern. Fotos: Rainer Habermann

Nidderau. Wenn am kommenden Wochenende die Massen auf die Ostheimer Kerb strömen, dann ist von jenen Litern an Schweiß, den die „Usthemer Kerbbursche“ und andere Freiwillige im Vorfeld vergossen haben, nichts mehr zu sehen. Ganz anders als am vergangenen Samstag.

Von Rainer Habermann

Gegen 9 Uhr tummeln sich auf dem Festgelände am Ostheimer Sportplatz knapp 30 kräftige Männer. Auch die Sonne schickt bereits um diese Uhrzeit ihre heißen Strahlen gnadenlos gen Schotterboden, kein Wölkchen trübt den knallblauen Himmel.

Ostheimer Bürger unterstützten die Kerbburschen bei den Vorbereitungen

Markus Dillmann, Vorsitzender des Kerbausschusses der Ostheimer Vereinsgemeinschaft und „im wirklichen Leben“ gestandener Chef seines Garten- und Landschaftsbaubetriebs, steht mit einigen seiner Mitarbeiter und schwerem Gerät aus Radladern, Motorhämmern und Kränen bereit. „Wir freuen uns, dass nicht nur die üblichen Verdächtigen, also die Kerbburschen, unserem Aufruf gefolgt sind, sondern sich auch einige 'ganz normale Ost‧heimer Bürger' hier auf dem Festplatz eingefunden haben, um mit anzupacken“, lächelt der 49-jährige Unternehmer.

Seine Mitarbeiter machen den Zusatzjob am freien Samstag sichtlich gern, es bringe ja auch ganz viel Spaß, etwas für seinen Ort zu tun, sagt einer von ihnen. „Die Usthemer Kerb findet seit drei Jahren wieder als Zeltkerb statt“, erklärt Dillmann. „Vorher war sie ja im Bürgerhaus. Das ist natürlich ein ganz anderes Kerbgefühl, eine ganz andere Atmosphäre: im Zelt statt in der Halle.“

Wie in einem Insektenstaat unterstützen sich die fleißigen Helfer

Als dann gegen 9.30 Uhr zwei riesige Tieflader des Wächtersbacher Zeltverleihers Wagner den Staub aufwirbeln, gleicht der Kerbplatz einem Ameisenhaufen. Und ähnlich gut wie im Insektenstaat, funktioniert auch das Abladen und Zwischenlagern der unzähligen Gestängeteile, Zeltplanen, Schrauben, Bodendübeln und Verbindungselementen.

Schon nach gut anderthalb Stunden steht das Außengerippe, bildet sich die Zeltkuppel allmählich ab, fallen die Planen über Dach und Seitenwände. Die Anleitung kommt vom Verleiher. Es ist gar nicht so einfach, die Abläufe nachzuvollziehen. Jeder Ständer hat seine Querstrebe, und „eins nach dem andern“ lautet ein wichtiges Motto an diesem Morgen.

Geräuschskulisse im Zelt ist ohrenbetäubend

„Hey, packt mal mit an, soll ich das schwere Ding etwa alleine tragen?“, ruft einer in die Runde beim Aufbau des Bühnenpodests. Schon packen drei, vier andere Kerbburschen mit an, tragen eine meterlange Verbindungsstrebe, auf der dann im Verbund mit weiteren der Bühnenboden aufgelegt wird, an ihren Platz. Andere Kerbburschen lassen sich mit Dillmanns Hubsteiger in die Zeltkrone in luftiger Höhe tragen, sie befestigen die elend lange Girlande, die später als Deko die Firststange verdecken wird.

Die Geräuschkulisse im Zelt ist ohrenbetäubend. Frank Schrodt wuselt mit der Videokamera zwischen den Aufbauhelfern herum. Er dreht eine Doku über den Aufbau für die Vereinsgemeinschaft, die später mal als Imagefilm dienen soll. Man darf gespannt sein, wie sich sein „O-Ton“ anhören wird.

„Mann, pass doch auf! Der Ständer steht doch schief!“, übertönt ein Schrei die Geräuschkulisse jenseits der 100 Dezibel. Der Mann am Motorhammer blickt kurz auf, schaut nach oben: „Stimmt“, meint er. Ein kurzes Hebeln am Fuß des Ständers, dann jagt er den gut 30-Zentimeter-Erdnagel an anderer Stelle in den Grund. Schon steht der Ständer so, wie er soll. Überhaupt gehören markige Sprüche ebenso zum Aufbaugeschäft wie der notwendige Ausgleich des Flüssigkeitsverlusts.

Feuerwehr löscht den Durst

Nicht nur den Durst, sondern gelegentlich auch Flammen löschen drei Männer von der freiwilligen Feuerwehr des Nidderauer Stadtteils: Frank Frischkorn, Clemens Köppel, der Vorsitzende des Feuerwehrvereins, und sein Sohn Lukas Köppel. Sie packen, zusammen mit weiteren Kameraden, ebenfalls kräftig an bei der schweißtreibenden Arbeit am Samstagmorgen. Aber das kennen sie ja aus ihrer ehrenamtlichen Schufterei in kiloschwerer Atemschutzmontur, wenn's brennt.

„Der Grund, beim Aufbau mitzuhelfen, ist aber nicht nur, weil wir es eben können“, lacht der 53-jährige Papa des 24-jährigen Lukas. „Wir planen im kommenden Jahr ebenfalls ein großes Fest anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Ost‧heimer freiwilligen Feuerwehr. Und dann hoffen wir darauf, dass sich auch so viele Menschen wie heute für die Vereinsgemeinschaft bei unserem Aufbau beteiligen.“

Löwenanteil der Kerbvorbereitungen ist geschafft

Für 13 Uhr ist an diesem Samstag das Mittagessen bestellt, für die insgesamt 28 Helfer, die durchgehalten haben. „Wir sind eigentlich viel zu früh im Plan“, meint Dillmann gegen 12.30 Uhr. Der Löwenanteil der Kerbvorbereitung ist geschafft, das Zelt ragt stolz in den klaren blauen Himmel.

„Jetzt fehlt nur noch der Kerbbaum. Aber der steht noch im Wald“, lacht der Unternehmer und Kerbausschussvorsitzende der Vereinsgemeinschaft. Das wird eine Aktion nach dem Mittagsessen werden: den Kerbbaum einzuschlagen und auf den Festplatz zu transportieren. Er soll am kommenden Samstag dann „live“ vor dem Festzelt aufgerichtet werden. „Wir alle sind froh, dass es bald wieder heißt: 'Wem is die Kerb? Uuuss!'“

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