An der Haltestelle Taunusblick in Windecken steigen die Grundschulkinder der Kurt-Schumacher-Schule in den Bus 42S, der bis nach Erbstadt fährt. Nach dem Betreiberwechsel von Viabus zu Racktours soll der Schulbusverkehr künftig wieder in geordneten Bahnen verlaufen Foto: Thomas Seifert

Nidderau

Nach heftigen Beschwerden: Racktours übernimmt Schulbuslinie 42S

Nidderau. Viele Eltern von schulpflichtigen Kindern in der Stadt und in umliegenden Kommunen werden diese Nachricht mit Genugtuung vernehmen: Seit Montag dieser Woche hat die Erlenseer Firma Racktours das Unternehmen BRH Viabus GmbH bei der Bedienung der Schulbuslinie 42S abgelöst.

Von Thomas Seifert

Auf dieser Linie gab es in der Vergangenheit immer wieder Probleme mit verrauchten Fahrzeugen, Unpünktlichkeit und Fahrern, die Haltestellen nicht anfuhren.

Katja Adams, Leiterin des Fachbereichs Umwelt bei der Stadtverwaltung, zu dem auch der Bereich Öffentlicher Personennahverkehr gehört, atmete hörbar auf, als sie vom HANAUER ANZEIGER kurz nach einem Gespräch über die Probleme auf dieser Line vom Betreiberwechsel erfuhr. „Das ist für viele Eltern eine sehr erfreuliche Nachricht. Vor allem Eltern von Kindern aus Erbstadt waren immer wieder besorgt, ob der Bus denn auch fährt und die Schulkinder mittags auch heimkommen“, berichtete Adams. Sie bestätigte, dass es diverse Beschwerden über unpünktliche Busse und unfreundliche Fahrer gegeben habe. „Mit der Firma Racktours hat die Stadt dagegen bislang nur gute Erfahrungen gemacht“, stellte die Fachbereichsleiterin fest.

Busse stanken nach Zigarettenrauch

Auslöser der Recherchen des HA war eine Mutter, die schon seit Wochen bei der Stadt und dem zuständigen RMV Beschwerden vorgebracht hatte. Ihre und befreundete Kinder hatten davon berichtet, dass es in den Fahrzeugen von Viabus nach Zigarettenrauch stinken würde. Die Frau machte sich selbst ein Bild und sah diese Beschwerden bestätigt.

„In den Bussen roch es so stark nach Rauch, dass man froh war, wieder aussteigen zu können. Die Kinder haben teilweise Hustenanfälle bekommen und haben an den Endhaltestellen lieber im Freien bis zur Abfahrt gewartet, als sich in den stinkenden Bus zu setzen. Ich habe selbst beobachtet, wie Fahrer im Fahrzeug geraucht haben und nur die Seitenscheibe an der Fahrerseite geöffnet hatten“, berichtet die Mutter dem HA.

Fahrer konnten oder wollten nicht verstehen

Ein weiteres Ärgernis sei gewesen, dass einerseits die Fahrer der Busse ständig gewechselt hätten, diese entweder der deutschen Sprache nicht mächtig gewesen seien oder plötzlich kein Deutsch mehr verstehen wollten, wenn man sie auf den Gestank in den Bussen angesprochen habe. „Die Fahrer haben auch keinerlei Verständnis für die Beschwerden aufgebracht, garnicht auf Vorhaltungen reagiert oder gemeint, man könne sich ja beschweren“, berichtet Frau T. (Name der Redaktion bekannt).

Das hat die Mutter auch mehrfach gemacht. Seit Mitte August bekam der zuständige RMV genau aufgelistet, wann in dem Schulbus von der Haltestelle Käthe-Kollwitz-Ring zum Feuerwehrgerätehaus Windecken, Abfahrt 7.30 Uhr, mal wieder eine Luft herrschte, die für jeden Buspassagier unzumutbar war. „Der Busfahrer raucht im Bus. Der Bus war komplett eingequalmt. Unabhängig davon, dass in den Bussen grundsätzlich Rauchverbot herrscht, handelt es sich bei diesem Bus um einen Schulbus! Dieser Umstand ist nicht haltbar!“, schrieb T. zum Beispiel am 12. August.

RMV stellt klar: Rauchen strengstens verboten

Auf HA-Anfrage antwortete die Stabsstelle Kommunikation des RMV: „Nicht nur aufgrund der gesetzlichen Regelungen ist uns als Verbund der Nichtraucherschutz ein wichtiges Anliegen. Das Rauchen in den Fahrzeugen ist selbstverständlich für Fahrgäste wie auch für das Fahrpersonal gleichermaßen verboten. Schon mit der ersten Beschwerde von Frau T. haben wir das zuständige Verkehrsunternehmen, die BRH viabus GmbH, über den Vorfall unterrichtet und angehalten, dafür Sorge zu tragen, dass sich ein derartiges Verhalten nicht wiederholt."

"Auf Basis der beiden neueren Beschwerden haben wir die BRH viabus GmbH nochmals kontaktiert und setzen uns mit Nachdruck dafür ein, dass die entsprechenden Fahrer sich regelkonform verhalten. Viabus hat uns indes zugesagt, mit den Fahrern das Gespräch zu suchen und schließt bei wiederholten Verstößen auch weitere Konsequenzen nicht aus.“

Betreiberwechsel sorgt für glückliche Kinder

Bis zum Zeitpunkt des Betreiberwechsels am Montag hatte sich grundsätzlich nichts geändert, die Busse rochen immer wieder nach Zigarettenrauch, berichtete die Mutter. Dies soll nun durch die Übernahme der Linie durch Racktours endgültig der Vergangenheit angehören. „Als wir gestern die ersten Schüler gefahren haben, waren die ganz happy und freuten sich, dass wir sie nun jeden Tag zur Schule und wieder zurück bringen“, erzählte einer der beiden Busfahrer am Montag an der Haltestelle „Taunusblick“ in Windecken dem HA-Reporter. Derzeit ist noch ein Fahrer mit einem Kollegen unterwegs, der die Strecke und die Haltestellen kennt.

Katja Adams betonte aber, dass Eltern bei Unregelmäßigkeiten im Schulbusverkehr diese immer auf der Homepage der Kreisverkehrsgesellschaft (KVG) auf einer speziellen Serviceseite mit Buskennzeichen, Datum, Uhrzeit und Bushaltestelle melden sollten. „Die KVG zeichnet für den Schulbusverkehr verantwortlich, der RMV wiederum beauftragt Busunternehmen mit der Bedienung der Schulbuslinien. Diese Meldungen werden an den RMV automatisch weitergegeben. Nur wenn ständig alle Unregelmäßigkeiten gemeldet werden, erzeugt das den gewünschten Druck, dass auch gehandelt wird“, weiß Adams.

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