Klarmachen zum Abtauchen: Die Sportler machten sich vor dem Startschuss zum ersten Tauchgang am Samstag um 12 Uhr bereit. Foto: Thomas Seifert

Nidderau

Mission geglückt: Zwei Weltrekorde für HLTC Landtauchclub

Nidderau. Mit 109,39 Kilometern zurückgelegter Strecke auf Aquabikes in vier Metern Tiefe und 173 Teilnehmern beim 24-Stunden-Tauchen haben die Teilnehmer im Nidderbad am Wochenende zwei Weltrekorde anlässlich des 40. Geburtstags des HLTC Landtauchclub Nidderau aufgestellt.

Von Thomas Seifert„Es hat unheimlich viel Spaß gemacht, mit den anderen Tauchern auf den Aquabikes zu sitzen und in die Pedale zu treten. Anstrengend war es nicht“, stellte Johanna Blättermann nach ihrem ersten Tauchgang in vier Meter Tiefe im Nidderbad fest. Für die 17-Jährige war das ein Test für den Weltrekordversuch im Unterwasser-Radfahren, bei dem sie Teil des zehnköpfigen Teams war und sich nun Weltmeisterin nennen darf. Denn die neue Messlatte liegt seit Sonntag, 12 Uhr, bei 109,39 Kilometern. Damit wurde der vor zwei Jahren in Wuppertal aufgestellte Wert von 103,9 Kilometern übertroffen.

Auch beim zweiten Rekordversuch wurde das Ziel erreicht: Insgesamt stiegen 173 Taucher auf die Aquabikes, ein Rekord, der erst einmal überboten werden muss.

Startschuss zum Weltrekord

Pünktlich um 12 Uhr erfolgte am Samstag im Nidderbad nach einem Grußwort von Bürgermeister Gerhard Schultheiß der Startschuss für den doppelten Weltrekordversuch im Rahmen der Feier des 40. Geburtstags des HLTC Nidderau und sieben Taucher besetzten die Aquabikes im Becken. Seit November hatte der Verein das Event geplant, später war die Stadt mit eingestiegen und nutzt den Weltrekordversuch als ein Leuchtturmprojekt für die erfolgreiche Bewerbung im Landeswettbewerb „Ab in die Mitte“.

Für Johanna Blättermann, die sich auch als Jugendsprecherin im Hessischen Tauchsportverband engagiert und im Alter von acht Jahren beim HLTC das Tauchen gelernt hat, war das Wochenende ein tolle Sache. „Vor dem ersten Tauchgang war ich noch etwas skeptisch und vor allem aufgeregt. Aber die Zeit ist so schnell vergangen, man kann unter Wasser komplett abschalten oder Selfies mit Mittauchern machen. Und dann ist da noch das Gefühl der Schwerelosigkeit und Leichtigkeit, das ist schwer zu beschreiben“, sprudelte es aus der jungen Frau heraus, nachdem sie ihre rund 30 Kilogramm schwere Ausrüstung abgelegt hatte.

Anstrengend sei es nicht gewesen, man habe lediglich seinen Rhythmus finden müssen, um nicht zu viel Atemluft zu verbrauchen. „Der Atemautomat kann nur eine bestimmte Menge Luft zur Verfügung stellen, überdreht man, besteht die Gefahr, dass man hyperventiliert“, erklärte die 17-Jährige.

Frischer Eindrich am Sonntag

Auch am Sonntag machte Blättermann noch einen frischen Eindruck, obwohl sie nur zwei Stunden geschlafen hatte: „Ich war gestern um 23 Uhr noch mal dran und sollte dann um 3 Uhr wieder ins Wasser. Das hat sich dann aber bis 5 Uhr verzögert. Das war schon hart und jetzt tun mir die Beine weh, aber nun bin ich unglaublich stolz, Mitglied dieses tollen Teams zu sein.“ Zu diesem Team des HLTC gehören noch Jörg Blättermann, Beate und Michael Sonnet, Lothar Pöschening und Oliver Kimmel.

„Logistisch war das Wochenende eine Herausforderung, 40 bis 50 Helfer vom Verein, plus 25 Mitglieder der DLRG waren im Einsatz. Wir haben eine Flaschenfüllstation aufgebaut, Ersatzflaschen für die Taucher organisiert, Übernachtungsmöglichkeiten geschaffen und für Verpflegung gesorgt. Und als um 4 Uhr der Regen begann, mussten wir die empfindliche Messtechnik noch zusätzlich sichern“, betonte HLTC-Pressesprecher Uwe Richter.

„Um den Weltrekord vom Rekorde-Institut für Deutschland (RID) anerkannt zu bekommen, mussten wir jeden Tauchgang mit Namen, Zeit und Strecke genauestens dokumentieren. Der vom RID gestellt Prüfer hat dann nach Sichtung der Dokumentation die Richtigkeit der Weltrekorde bestätigt, worüber sich alle Sportler und Helfer natürlich tierisch gefreut haben. Die Mühe hat sich gelohnt“, resümierte Richter.

Ein großer Aufwand

Wie groß der Aufwand war, zeigte sich auch daran, dass jeder Teilnehmer sich einer Meldeprozedur unterziehen musste mit Vorlage des Tauchscheins und einer ärztlichen Gesundheitsbescheinigung, ohne die ein Tauchgang nicht möglich war. Aber die Sportler, die von umliegenden Vereinen aus Darmstadt, Stuttgart und aus der Schweiz kamen, waren voller Motivation angereist, um später stolz ihren auffälligen Rucksack mit der Aufschrift „Weltrekord 2019 – Ich war dabei“ schultern zu können.

Beim Streckenrekord konnten die zehn Teilnehmer so lange und so weit radeln, wie die Kraft reichte und sich dann von einem Teammitglied ablösen lassen. Zur Sicherheit war immer ein weiterer Taucher im Becken, der die Kollegen im Auge behielt, um im Notfall schnell eingreifen zu können. Außerdem war die ärztliche Betreuung sichergestellt.

Ältester Teilnehmer Mitte 70

Der älteste Teilnehmer mit Mitte 70 war Eike Lambert, ehemaliger Vorsitzender des HLTC. Er nahm allerdings nicht an einem der Weltrekordversuche im 24 Grad warmen Wasser teil, sondern sorgte mit Unterwasserkameras für Fotos und Videos von den Teilnehmern auf den Aquabikes. Auch die jüngste Teilnehmerin mit zehn Jahren gehört dem HLTC an: Annecke Grünberg taucht gleich am Samstag 20 Minuten lang und trug somit ihren Teil zum Massenrekord bei.

Kinder (ab acht Jahren darf man das Tauchen erlernen) und Jugendliche saßen die kürzere Zeit auf dem Aquabike, die Erwachsenen mussten 30 Minuten unter Wasser strampeln und wurden für ihren einmaligen Tauchgang von der Orga-Leitung eingeteilt, sodass auch Einsätze spätabends, mitten in der Nacht und in aller Herrgottsfrühe dabei waren.

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