Die Wetterstation auf dem Gelände der Firma Control Mechatronics in Heldenbergen verfügt unter anderem über einen rund zwölf Meter hohen Mast mit Wind- und Sonnenscheindauer-Messgeräten. Am Fuß des Masts steht das Temperaturmessinstrument. Foto: Thomas Seifert

Nidderau

Messstation ermöglicht Spitzenplatz beim Hessen-Wetter

Nidderau. Zum neunten Mal in 15 Jahren kann sich die Stadt Nidderau mit dem Titel „Kommune mit den meisten Sonnenstunden in Hessen“ schmücken. Von 2004 bis 2007 sowie in den Jahren 2013, 2015, 2016 und 2018 stand Nidderau auf dem Siegertreppchen ganz oben.

Von Thomas SeifertDas Spitzen-Ranking ist den Auswertungen der Firma MeteoGroup zu verdanken. Demzufolge schien die Sonne über Nidderau im Jahr 2019 an 2103 Stunden. Die Stadt belegte damit wieder den ersten Platz in der Rangliste. Doch weshalb kann sich gerade Nidderau diesen Titel in Serie holen und nicht etwa Kommunen wie Hanau, Darmstadt oder Frankfurt in der Rangliste erscheinen? Das hängt hauptsächlich damit zusammen, dass ein Lokalpatriot Nidderau im Fernsehen sehen wollte.

Blenden wir zurück: Im Jahr 2001 war Michael Kopf, Firmenchef der Control Mechatronics GmbH mit Sitz im Heldenberger Industriegebiet „Am Lindenbäumchen“, bei einem Lieferanten zu einer Präsentation einer Wettermessstation mit dem damals omnipräsenten „Wetterfrosch“ und Eigentümer von Meteodata, Jörg Kachelmann, eingeladen. Dessen Wetterberichte und Vorhersagen flimmerten über die deutschen Mattscheiben mit der Besonderheit, dass am unteren Bildrand im ARD-Wetterlaufband die Daten und Namen der einzelnen Messstationen eingeblendet waren.

Investition in die neusten Messinstrumente

„Ich dachte mir, es wäre ja eine tolle Dauerwerbung für die Stadt, wenn dort der Name von Nidderau erscheinen würde“, erzählt Michael Kopf im Gespräch mit unserer Zeitung. Der Firmenchef fackelte nicht lange und machte rund 14 000 Euro locker, um eine professionelle Station zu kaufen und installieren zu lassen. Auf den von Kachelmann zugesagten Besuch in Nidderau zur Einweihung der Anlage mit Fernsehübertragung wartet Kopf allerdings noch immer.

Bereits fünf Jahre später investierte der Firmenchef eine weitere namhafte Summe, um die Anlage mit den neuesten Messinstrumenten bestücken zu lassen. Neben einem etwa zwölf Meter hohen Mast mit Windgeschwindigkeits- und Windrichtungsmesser sowie dem wichtigen Messinstrument für die Sonnenscheindauer, stehen im gepflegten Grünbereich hinter dem Produktions- und Verwaltungstrakt in Heldenbergen noch ein Messgerät für Niederschlagsmenge, Niederschlagsstatus und Luftfeuchtigkeit sowie ein weiteres Instrument für die Temperaturmessung in zwei Meter und in fünf Zentimeter Höhe.

Nidderau mit einem Platz an der Sonne

In einer massiven Hütte ist die Übertragungstechnik untergebracht. Im Zehn-Minuten-Takt werden die Daten über ein GPRS-Modem an die Auswertungszentrale geschickt. „Die Wartungskosten betragen pro Jahr zwischen 1500 und 2000 Euro. Die laufenden Kosten für die Messstation müssen wir komplett selbst tragen, die MeteoGroup bekommt die Daten von uns frei Haus und kostenlos geliefert“, betont Kopf. „Aber die Station und ihre Ergebnisse sind halt weiterhin Werbung für die Stadt Nidderau.“

Tatsächlich weist Bürgermeister Gerhard Schultheiß (SPD) gern auf den Platz an der Sonne seiner Kommune hin, zuletzt etwa bei der Eröffnung der neuen Volksbank-Filiale in der Neuen Mitte. Es gibt Stofftaschen, auf denen die Stadt mit dem „weichen Standortfaktor“ wirbt.

Insekten könnten Messungen verfälschen

Doch wie ist das System gegen verfälschende Einflüsse gesichert? Sobald die Wetterzentrale Daten gesendet bekommt, die einer Plausibilitätsprüfung nicht standhalten, klingelt bei Control Mechatronics das Telefon.

„Einmal hat unser Gärtner einen Rasensprenger zu nahe an das Niederschlagsmessgerät gestellt. Die Werte ergaben einen heftigen Wolkenbruch über Heldenbergen, obwohl die Sonne am Himmel stand“, erinnert sich Michael Kopf. „Auch Insekten können in dem sensiblen Messgeräte die Daten verfälschen, durch den Abgleich mit Durchschnittswerten werden solche Fehler aber sofort erkannt, und wir werden alarmiert, um nachzusehen, was die Ursache sein könnte“, beschreibt der Firmenchef das Fehler- und Qualitätsmanagement der DTN/MeteoGroup.

Trotz der Kosten freut sich Michael Kopf aber weiterhin, dass Nidderau wegen der Messstation auf dem Control‧-Mechatronics-Areal auch in Zukunft für positive Schlagzeilen sorgen wird.

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